Personalie

Suche nach einem Nachfolger dauert länger

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Gerhard Finckh in seiner aktuellen „Blockbuster - Museum“-Ausstellung. 

WUPPERTAL Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum braucht ab Mai 2019 eine neue Leitung. Die Besetzung gestaltet sich schwierig.

Von Monika Werner-Staude

Noch steht der Termin: Ende April 2019 geht Dr. Gerhard Finckh, Direktor des Von der Heydt-Museums, in den Ruhestand. Nun deutet sich an, dass der Übergang zu Nachfolger oder Nachfolgerin nicht nahtlos verlaufen wird. Der Zeitplan werde gerade um etwa einen Monat revidiert, erklärt Kulturdezernent Matthias Nocke auf Anfrage, es gehe Sorgfalt vor Tempo.

Eberhard Robke, als ehemaliger Vorsitzender des Kunst- und Museumsvereins an der Personalie Finckh vor 13 Jahren maßgeblich beteiligt, versteht nicht, dass es diesmal noch nicht geklappt hat. „Ich bin damals durch die Lande gereist“, erklärt er. Das verspricht auch Nocke und deutet an, dass Finckh nach dem April „nicht ganz weg“ sein werde.

Die Anforderungen sind klar: Finckh übergibt ein Haus mit einem sehr guten Ruf, das weit über die Wuppertaler Stadtgrenzen hinaus bekannt ist - für seine großen Ausstellungen, besonders zu den französischen Impressionisten wie für seine Sammlung. Robke: „Das Museum ist hochkarätig, hat einen tollen Ruf, tolle Kunstwerke, da lohnt es sich, fleißig zu suchen.“

Er oder sie müsse in der deutschsprachigen Kunstwelt anerkannt sein, einen Ruf als Ausstellungsmacher und ein Gespür für die Sammlung haben. Das sieht auch Nocke so, der gerne noch den einen oder anderen ansprechen will - europaweit.

Die bislang, vielfach unaufgefordert, eingegangenen Bewerbungen jedenfalls waren noch nicht zufriedenstellend. Auch eine interne Lösung - immerhin hat man mit Kulturbüroleiterin Dr. Bettina Paust, die jahrelang das Museum Schloss Moyland geleitet hatte, eine erfahrene Museumsleiterin im Haus - scheint kein Thema.

„Alles ist denkbar“, meint Joachim Schmidt-Hermesdorf, der als Vorsitzender von Kunst- und Museumsverein und Brennscheidt-Stiftung, involviert ist. Auch Robke, dessen Stiftung dem Museum viele namhafte Werke geschenkt hat, wünscht sich, in der entscheidenden Phase eingebunden zu werden.

„Wenn man kein Geld hat, kann man es auch nicht ausgeben.“

Joachim Schmidt-Hermesdorf, Vorsitzender von Kunst- und Museumsverein und Brennscheidt-Stiftung

Einig sind sich alle auch darin, dass Finckhs Nachfolger/Nachfolgerin sicherlich andere Schwerpunkte setzen wird. Nicht nur, weil das Thema der Impressionisten-Ausstellungen an ein Ende gekommen ist. Sie oder er müsse mit der Sammlung umgehen können, sie gezielt weiter entwickeln, erklärt Robke und ergänzt, dass deren Präsentation unter Finckh etwas zu kurz gekommen sei.

AUFGABEN

DIGITALISIERUNG Zu den aktuellen Hauptaufgaben des Kunst- und Museumsvereins gehören die Digitalisierung und der Umzug der Museumsverwaltung an den Wall.

TRÄGER Der Von der Heydt-Museums gGmbH gerhören an: Brennscheidt-Stiftung, Jackstädt-Stiftung und Kunst- und Museuemsverein. Sie trägt das wirtschaftliche Risiko des Ausstellungsbetriebs.

Ein Besinnen auf die Sammlung legt schon die finanzielle Lage des Museums nahe. Wer auch immer auf Finckh folge, finde leere Kassen vor, sagt Schmidt-Hermesdorf und verweist darauf, dass dies niemand überraschen könne, da die Zahlen jährlich im Unternehmensregister veröffentlicht werden. Er hat deshalb auch wenig Verständnis für die anhaltende Kritik an der Absage der großen Ausstellung zur französischen Aufklärung im Frühjahr. „Wenn man kein Geld hat, kann man es auch nicht ausgeben.“

Dann lässt er Zahlen sprechen: Das Kapital der Von der Heydt-Museum gGmbH, die den Ausstellungsbetrieb organisiert, habe sich danach von 2015 auf 2016 von 1,2 Millionen Euro auf 0,6 Millionen Euro halbiert. Ohne die finanzielle Stützung der Brennscheidt-Stiftung hätte Finckh als verantwortlicher Geschäftsführer die Insolvenz der Gesellschaft anmelden müssen.

Eine attraktive Oskar-Schlemmer-Schau ist geplant

Die Kündigungen zweier, nach Eintritt in ihren Ruhestand bei der Stadt Wuppertal von der Gesellschaft weiter beschäftigter Mitarbeiterinnen, finanzielle Zusagen der Stadtsparkasse Wuppertal für die Jahre 2019 bis 2021, der Verzicht der Brennscheidt-Stiftung auf ihr Gesellschafterdarlehen sowie eine Reduzierung des Ausstellungsprogramms hätten Stabilisierung verschafft.

„Große Ausstellungen, wie Rodin-Degas, Manet, et cetera werden erst dann wieder möglich sein, wenn die Gesellschaft ihr altes Finanzpolster per 31. Dezember 2015 zurückgewonnen hat.“ Er sei aber zuversichtlich, dass sich das Museum auf gutem Kurs befinde. Eine attraktive Oskar-Schlemmer-Schau sei geplant und aktuell laufe die über Paula Modersohn-Becker gigantisch gut.

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