Höherer Zuschuss gefordert

Studentenvertreter warnt vor dramatischer Lage

Zimmer in Studentenwohnheimen, etwa an der Max-Horkheimer Straße, werden teurer.
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Zimmer in Studentenwohnheimen, etwa an der Max-Horkheimer Straße, werden teurer.

Wuppertal. Bergische Universität: Wohnheimplätze werden deutlich teurer.

Von Juri Lietz und Katharina Rüth

Die Inflation trifft auch Studentinnen und Studenten – unter anderem bei den Wohnkosten. Eine Untersuchung in 38 Hochschulstädten sieht eine durchschnittliche Steigerung der Preise für typische Studentenwohnungen um 5,9 Prozent. Bei WG-Zimmern sieht eine andere Untersuchung sogar eine Steigerung von 11,4 Prozent.

Das Moses-Mendelssohn-Institut, das unter anderem Immobilienforschung betreibt, hat in Kooperation mit dem Internet-Portal WG-Gesucht.de die Preise für WG-Zimmer analysiert. Dabei wurden die Wohn-Angebote in allen 95 deutschen Hochschulstädten ab 5000 Studierenden ausgewertet – hier seien 64 Prozent aller Studierenden eingeschrieben. Die Steigerung um 11,4 Prozent sei ein „dramatischen Anstieg“ – so hoch wie nie zuvor in den bisher ausgewerteten zehn Jahren, heißt es in einer Mitteilung. Ein WG-Zimmer koste danach im Schnitt 435 Euro. Damit liege die Miete in vielen Städten deutlich über der Bafög-Wohnkostenpauschale von 360 Euro – auch wenn diese um 35 Euro erhöht wurde.

Gründe für den rapiden Anstieg werden vor allem in den Auswirkungen der Pandemie benannt: Viele junge Menschen hätten ihr Studium verlängert, etwa wegen ausgefallener Seminare und Vorlesungen. Auch holten viele internationale Studierende nun ihr Auslandssemester in Deutschland nach. Wohnungen würden später frei, der Mangel verschärfe sich.

„Man läuft Gefahr, dass die Leute hier nicht Fuß fassen und pendeln.“

Joshua Gottschalk (Asta)

Für Wuppertal wird in der Untersuchung nur das Preisniveau veröffentlicht. Danach liegt Wuppertal mit WG-Zimmer-Preisen von unter 400 Euro in der niedrigsten von drei Stufen. Zum Vergleich: Köln und Düsseldorf liegen jeweils bei über 500 Euro und fallen damit in die Kategorie der teuersten Universitätsstädte. Der Rekordhalter in Deutschland, München, durchbrach im aktuellen Vergleich erstmals die Schallmauer von 700 Euro – im Schnitt.

Eine Untersuchung von typischen Studentenwohnungen in 38 Uni-Städten durch das Finanzdienstleistungsunternehmen MLP und das Institut der deutschen Wirtschaft nennt als durchschnittlichen WG-Zimmerpreis 345 Euro, eine typische Musterwohnung von 30 Quadratmetern in der Nähe der Uni koste im Schnitt 521 Euro.

Für die Studentenwohnungen misst die Untersuchung eine Preissteigerung von durchschnittlich 5,9 Prozent, bei WG-Zimmern stellt sie ebenfalls eine vergleichsweise hohe Steigerungsrate von 9,4 Prozent fest. Wobei die höchste Steigerungsrate bei den Wohnungen mit 18,5 Prozent in Berlin gesehen wurde, wo solche Wohnungen im Schnitt 718 Euro kosten. Bei den WG-Zimmern stieg der Preis in Mainz am stärksten, nämlich um 24 Prozent auf 381 Euro. Wuppertal kommt in der Untersuchung nicht vor.

Für Wohnheimplätze des Hochschulsozialwerks Wuppertal (HSW) müssen Studierende auch in Wuppertal ab diesem Semester mehr zahlen. „Wir haben zum 1. Oktober die Mieten um 15 Euro angehoben“, erklärt Ursula Dumsch, seit Anfang des Jahres neue Geschäftsführerin des Hochschulsozialwerks. Das ist eine Steigerung um 6,7 Prozent. Bisher liegt der Durchschnittspreis je nach Größe der Wohnung und danach, ob es sich um eine Zweier- oder Dreier-WG handelt, bei 224 Euro, künftig wird er bei 239 Euro liegen. Wobei dabei Heizung und Strom inbegriffen sind.

„Wir gehen dabei von den Daten aus 2021 aus“, erklärt Ursula Dumsch. Sie rechne aber damit, dass die Mieten im Frühjahr noch einmal angepasst werden müssen. Denn noch machten sich die steigenden Energiepreise nicht bemerkbar – das komme erst im kommenden Jahr. Die Mieten seien für die Studierenden ein wichtiges Thema: „Für viele sind Arbeitsmöglichkeiten weggebrochen.“

Wuppertal sei insgesamt preiswerter als andere Städte, das höre sie auch von Studierenden. Die Mieterhöhung von 15 Euro sei auch mit der Erhöhung des Bafög-Höchstsatzes um 63 Euro zu leisten.

„Die Mietpreise hier sind für Wuppertal bisher immer ein Vorteil gewesen“, sagt auch Joshua Gottschalk, einer der drei Vorsitzenden des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) an der Bergischen Universität. Aber er sorgt sich um die Entwicklung beim studentischen Wohnen. „Studieren und leben im gleichen Stadtteil war hier bisher möglich.“ Er fürchtet, dass sich das verändert. Das wirke sich auch auf ganz Wuppertal aus: „Man läuft Gefahr, dass die Leute hier nicht Fuß fassen und stattdessen pendeln.“

Gottschalk fordert mehr staatliche Unterstützung für die Hochschulsozialwerke. Und eine höhere Bafög-Wohnpauschale, denn die derzeitige Pauschale reiche für mehr als 60 Prozent der Studierenden nicht aus. Er fürchtet: „Die Lage wird sich im Winter noch verschärfen.“

Wohnheimplätze in Wuppertal

In den Wohnheimen des Hochschulsozialwerks Wuppertal (HSW) gibt es 1217 Plätze, das reicht für gut 5 Prozent der Studierenden. Dazu kommen kommerzielle Wohnheime. Derzeit stehen 400 Interessenten auf der Warteliste des HSW, das weitere Wohnheime bauen will und nach Grundstücken sucht. Auch Privatzimmer werden gesucht, die das HSW vermittelt. Interessenten können sich auf der Internetseite des HSW melden: t1p.de/2yy4b

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