Gesundheitswesen

„Streiks ziehen Kollateralschäden nach sich“

Prof. Dr. Edwin Bölke macht auf die seit Mai andauernden Streiks in den Unikliniken aufmerksam.
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Prof. Dr. Edwin Bölke macht auf die seit Mai andauernden Streiks in den Unikliniken aufmerksam.

Düsseldorf. Haaner Mediziner Prof. Edwin Bölke sieht große Probleme im Gesundheitswesen.

Der Ukraine-Krieg überstrahlt alle Ereignisse. Seit dem 4. Mai werden die Unikliniken von Verdi be-streikt. „Es wäre naiv zu glauben, dass dieser Streik über einen so langen Zeitraum nicht ohne Kollateralschäden verläuft. Ein Beispiel hierfür sind Patienten, die eine Krebserkrankung haben“, sagt der Haaner Kommunalpolitiker und Mediziner Prof. Dr. Edwin Bölke. Tumor-Patienten, die nicht zeitnah operiert werden oder nicht die adäquate medikamentöse Therapie erhalten, hätten eine schlechtere Überlebenschance. Um dies zu verhindern, wurde eine Notdienstvereinbarung zwischen der Gewerkschaft und den Leitungen der Unikliniken vereinbart.

„Jede Uniklinik könnte mehr als 100 Pflegekräfte einstellen, findet aber keine.“

Prof. Dr. Edwin Bölke

Das Gleiche gelte für Patienten mit schweren Erkrankungen, die keine bildgebende oder weiterführende Diagnostik mehr bekommen und frustriert auf einen Ambulanztermin warten. Solche Patienten könnten zu Opfern eines Streiks werden, wenn der Streik sich noch länger hinziehe. Anderseits fehlen mindestens 150 000 Pflegekräfte in Deutschland. „Jede Uniklinik könnte mehr als 100 Pflegekräfte problemlos einstellen, findet aber keine“, erklärt Bölke. Der Personalmangel bestehe nicht ausschließlich in der Pflege und auch gar nicht allein an den staatlichen Unikliniken. In allen anderen Krankenhäusern und im gesamten ambulanten Bereich würden händeringend Mitarbeiter gesucht.

Ein weiteres Problem in Deutschland werde in den nächsten Jahren auf die Gesellschaft zu kommen: Die Baby-Boomer-Generation wird in Rente gehen. Dies werde den Fachkräftemangel noch verschärfen. Bei den Ärzten sieht man die gleichen Probleme.

Seit der Wiedervereinigung sind fast zwei Drittel berufstätige Ärzte dazu gekommen. In den letzten Jahren stieg die Zahl der Psychiater und Psychotherapeuten um ein Drittel. „Aber die Bürokratie hat durch eine Gesetzesflut dazu geführt, dass 50 Prozent der ärztlichen Leistung nicht mehr am Patienten selbst, sondern für die Erstellung von Berichten, Codierungen am Computer, Erstellen von Standard Prozeduren (SOP), Teilnahme an Kursen wie Datenschutz, Feuerwehrunterweisung und so weiter benötigt wird“, meint Bölke.

Auch stehe zunehmend nicht mehr das Kerngeschäft, die Versorgung der Patienten, im Vordergrund, sondern die Optimierung von Erlösen, um den Arbeitsplatz zu sichern. Ein weiteres Problem finde sich bei Kassen und Versicherungen, die mit Personal aufrüsten, um die finanziellen Ausgaben in den Griff zu bekommen. „Sie rüsten mit Ärzten und Pflegekräfte auf, um die Abrechnungen besser kontrollieren und kürzen zu können. Hier wird dringend benötigtes Personal von den Kassen zur Optimierung der Kontrolle von Abrechnungen abgezogen.“

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