Straßenumbenennung: Stadt prüft 100 Namen

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Das Vorgehen bei heiklen Straßennamen stellten Valentina Meissner (Stadt), Benedikt Mauer (Stadtarchiv-Leiter) und Bastian Fleermann (Leiter Mahn- und Gedenkstätte) vor. Foto: ale

Düsseldorfer Kommission erklärt ihr Vorgehen, nennt Kriterien und zwei Beispiele für Straßen, die jetzt auf der Liste stehen.

Von Alexander Esch

Düsseldorf. Ein erster wichtiger Schritt bei der Überprüfung Düsseldorfer Straßennamen ist getan. Der parteiübergreifend auf den Weg gebrachte wissenschaftliche Beirat hat eine Vorauswahl getroffen. Eine Liste mit 100 Personen ist entstanden. Öffentlich ist sie nicht. Benedikt Mauer (Leiter des Stadtarchivs) begründete das nun auf einer Pressekonferenz in der Mahn- und Gedenkstätte damit, dass die Kommission in Ruhe arbeiten wolle, und die öffentliche Diskussion erst beginnen solle, wenn zu jedem Namen auch Gutachten mit Empfehlungen vorliegen. Tatsächlich habe es schon einige Anrufe von besorgten Anwohnern gegeben, die verhindern wollten, dass ihre Straße umbenannt wird. Eine endgültige Entscheidung kann nur der Rat der Stadt treffen.

Bastian Fleermann (Leiter der Mahn- und Gedenkstätte) stellt klar: „Die Interessen der Anwohner spielen beim Erstellen der Gutachten keine Rolle.“ Maßgabe sei vielmehr die Frage, ob die Personen nach heutigen Maßstäben als gesellschaftliches Vorbild gelten dürfen, da die Benennung einer Straße nach einer Person eine der höchsten Ehrungen einer Kommune sei. Vor allem Menschen mit rassistischer, nationalsozialistischer und kolonialer Vergangenheit sind auf der Liste gelandet.

Umstritten: Robert-Lehr-Ufer und Graf-Stauffenberg-Straße

Es gibt rund 3000 Straßennamen in Düsseldorf, 30 Prozent sind nach Personen benannt. Ausgenommen sind diejenigen, die vor 1870 starben, da „die Bewertungskriterien einer parlamentarisch-demokratischen, aufgeklärten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht angelegt werden können“, wie Mauer ausführt. Konkret: Der Graf-Adolf-Platz oder die Merowingerstraße werden nicht überprüft.

Zwei Beispiel-Namen immerhin nennen Fleermann und Mauer, die auf der Liste stehen: Das Robert-Lehr-Ufer und die Graf-Stauffenberg-Straße. Robert Lehr habe als Oberbürgermeister zwar viel für die Stadt getan, allerdings war er Mitglied der rechtsextremen und antisemitisch eingestellten Deutschnationalen Volkspartei. Sie stützte das erste Kabinett Hitlers, und auch Lehr hofierte Hitler, als der 1932 vor dem Industrie-Club sprach. Andererseits hat sich Lehr, späterer Innenminister unter Adenauer, laut Fleermann als Opfer der NS-Politik verstanden. Er sei 1933 kaltgestellt worden, nachdem ihm eine Korruptionsaffäre angedichtet worden sei.

Auch Claus von Stauffenberg ist kein eindeutiger Fall: So sind laut Fleermann antisemitische Äußerungen überliefert, auch die Machtergreifung Hitlers habe Stauffenberg zunächst begrüßt. Später wurde er zu einer zentralen Persönlichkeit des Widerstandes und des Attentats auf Hitler, ohne Befürworter einer parlamentarischen Demokratie zu sein.

Weitere Namen, die auf der Liste stehen dürften sind Erwin Rommel, Generalfeldmarschall in der Zeit des Nationalsozialismus, aber auch Carl Peters, Theodor Leutwein und Adolf Lüderitz, die in der Zeit des Kolonialismus in Afrika Schuld auf sich luden. Nach letztgenannten dreien sind in Urdenbach Straßen benannt. Schon in der Vergangenheit hatte es emotionale Diskussionen darüber gegeben. Nun soll laut Fleermann Schluss sein „mit den Einzeldebatten“, und mit Hilfe einer befristet angestellten Historikerin nach dem Vorbild Freiburgs ein wissenschaftliches Gesamtbild entstehen. Das wird sich aus drei Kategorien zusammensetzen: 1) schwer belastet, nicht haltbar; 2) teilweise belastet, Abwägungsprozess notwendig; 3) unbelastet (selbst, wenn eine Benennung heute nicht mehr durchgeführt würde). Vorliegen soll der Abschlussbericht möglichst Ende 2019.

GESCHICHTE

NAMEN Vergangenes Jahr wurde die Hans-Günther-Sohl-Straße (früherer Thyssen-Chef mit Verstrickung in den Nationalsozialismus) zur Luise-Rainer-Straße (jüdische Oscar-Gewinnerin). 1945 machten die Alliierten aus dem Adolf-Hitler-Platz wieder den Graf-Adolf-Platz und aus der Albert-Leo-Schlageter-Allee wieder die Königsallee.

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