Psychiatrische Klinik

Stiftung Tannenhof erweitert in Wuppertal

Noch ist in dem Gebäude ein Labor des Helios-Klinikums. Wenn es ausgezogen ist, will die Stiftung Tannenhof dort einen modernen Neubau errichten, berichten der kaufmännische Direktor Dietmar Volk (l.) und der ärztliche Direktor Eugen Davids.
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Noch ist in dem Gebäude ein Labor des Helios-Klinikums. Wenn es ausgezogen ist, will die Stiftung Tannenhof dort einen modernen Neubau errichten, berichten der kaufmännische Direktor Dietmar Volk (l.) und der ärztliche Direktor Eugen Davids.

Wuppertal. Der Standort ist auf Erkrankungen älterer Menschen spezialisiert. Mit dem Neubau kommen weitere Schwerpunkte hinzu.

Von Anne Palka

Die Evangelische Stiftung Tannenhof baut den Wuppertaler Standort ihrer psychiatrischen Klinik aus: Derzeit gibt es an der Sanderstraße in Barmen 76 Betten, die Behandlung ist auf Erkrankungen älterer Menschen spezialisiert. Nun plant die Stiftung einen Neubau mit zwei Stationen und 48 Betten. Als Schwerpunkt kommt die Behandlung von Ängsten, Depressionen und psychosomatischen Erkrankungen hinzu.

„Der Bedarf ist da“, sagt der kaufmännische Leiter Dietmar Volk. „Statistisch gesehen hat jeder Mensch einmal in seinem Leben direkt oder indirekt mit einer psychischen Erkrankung zu tun“, also selbst oder bei Angehörigen. Krisen und psychische Erkrankungen können jeden betreffen – unabhängig von beispielsweise Beruf oder Alter. Das gehöre zum Leben dazu, genau wie andere Erkrankungen. Für psychische Erkrankungen gelte: „Die Besserungsquote ist hoch, es gibt eine gute Prognose“, sagt der ärztliche Direktor Eugen Davids.

Die Grundkonzeption bleibe bestehen: Die Standorte der Stiftung in Wuppertal, Remscheid und Velbert sind spezialisiert. Akut selbstgefährdete, aggressive oder unruhige Patienten können am besten in Remscheid behandelt werden, Menschen mit einer Suchterkrankung in Velbert.

Die genauen Pläne für den Neubau werden derzeit noch erarbeitet, ein Bauantrag ist noch nicht gestellt. Einen groben Zeitplan gibt es trotzdem schon: „Wir wollen nächstes Jahr die Genehmigung haben“, sagt Dietmar Volk, ab 2024 könnten dann die ersten Patienten auf den neuen Stationen sein.

„Wir wollen das Optimum ausnutzen.“

Dietmar Volk

Um die Nachbarschaft nicht mit langen Bauarbeiten zu strapazieren, werden die Module woanders vorgefertigt und in Barmen nur zusammengesetzt: eine psychiatrische Klinik als Fertighaus. „Das ist eine faszinierende Herausforderung, da kommt ein Sattelschlepper nach dem anderen.“ Nur einzelne Arbeiten werden dann noch vor Ort erledigt, zum Beispiel an der Fassade und am Dach, außerdem der Innenausbau. „Optisch wird sich der Neubau gut einfügen“, verspricht Dietmar Volk.

Er soll neben dem bereits bestehenden Gebäude an der Sanderstraße errichtet werden. Derzeit steht auf dem Grundstück der Stiftung noch ein älteres Gebäude: „In diesem Haus ist das Labor des Helios-Klinikums, es wird aber ausziehen.“ Auf dem Helios-Campus direkt nebenan stehen mehrere Kräne, denn auch dort entsteht ein Neubau. Wenn das Labor umgezogen ist, kann das alte Gebäude untersucht werden. „Man kann nicht anfangen zu bohren, solange da kalibrierte Geräte verwendet werden.“ Klar ist jedoch schon: Der Stahl rostet, aufgrund des Baujahrs muss mit Asbest gerechnet werden. Das Haus soll abgerissen und durch ein modernes ersetzt werden.

Derzeit nutzt die Stiftung die Zeit, um den Bauantrag vorzubereiten. Eine psychiatrische Klinik braucht viele Pläne, zum Beispiel für die Hygiene und den Brandschutz. „Uns Ärzte interessieren besonders die Konzepte“, sagt Eugen Davids. Beispielsweise gibt es bestimmte Ideen, wie Licht und Raumanordnungen die Therapie unterstützen können. Patienten, die die Welt wegen ihrer Erkrankung nur in hell und dunkel sehen können, kann eine helle Umgebung helfen. Menschen, die in gerontopsychiatrischer Behandlung sind, beispielsweise mit einer Demenz-Erkrankung, können Schwierigkeiten haben, sich zurechtzufinden.

Eine einfache Anordnung der Räume kann helfen. Solche Aspekte sollen in der Baustruktur berücksichtigt werden. „Wir wollen das Optimum ausnutzen“, sagt Dietmar Volk. „Man baut immer mit dem Wissen von gestern. Wir wollen die aktuellsten, pfiffigsten Ideen der Psychiatrie baulich umsetzen.“ Außerdem soll das Gebäude so gestaltet sein, dass die Hemmschwelle sinkt, Hilfe in Anspruch zu nehmen: Der bestehende Bau an der Sanderstraße hat eine automatische Schiebetür, eine Glasfront, ist barrierefrei und in freundlichen Farben gestrichen.

Voraussichtlich bekommt der Neubau drei Etagen, auf denen zwei Stationen und eine Privatstation untergebracht sind. Die Therapien bekommen spezielle Räume, zum Beispiel für Physio- und Musiktherapie. Außerdem wird ein räumlicher Puffer für Patienten eingeplant. „Die Klinik muss flexibel sein, jedem Patienten rund um die Uhr ein Angebot machen zu können“, sagt Eugen Davids.

Ein weiteres aktuelles Projekt der Stiftung ist der Umbau der ehemaligen Volksbank an der Bernhard-Letterhaus-Straße zur Tagesklinik, ein „Haus der seelischen Gesundheit“. Die räumliche Nähe in der Stadt und die Zusammenarbeit innerhalb der Stiftung soll die psychiatrische Versorgung in Wuppertal weiter verbessern.

Hintergrund

Die Pandemie habe zu keinen nennenswerten Veränderungen beim Bedarf von psychiatrischer Behandlung geführt. „Das Patientenklientel und das Spektrum der Erkrankungen ist in etwa das Gleiche geblieben“, sagt Eugen Davids. Allerdings seien Patienten mit Vorerkrankungen bei Isolierung gefährdeter und die Auswirkungen auf Selbstständige und Inhaber kleinerer Unternehmen, die noch weitere Krisen bewältigen müssen, seien noch nicht abzuschätzen.

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