Stadtwerke zahlen zur Hälfte für verunglückte Frau

Wuppertal. Mehr als "Halbe-Halbe" war für die Betriebskrankenkasse der Deutschen Post AG (BKK Post) nicht drin. Das Landgericht wies die Klage auf volle Erstattung der Behandlungskosten für eine Versicherte durch die Wuppertaler Stadtwerke im Kern zurück.

Die 74-jährige Frau war am 22. Juni 1995 an der Haltstelle "Alter Markt" beim Aussteigen aus der nachpendelnden Schwebebahn verunglückt. Seither sind über 60.000 Mark Behandlungskosten angefallen. Die wollte die Versicherung nicht zahlen. Außergerichtlich einigte man sich mit den Stadtwerken auf eine 50-prozentige Teilzahlung. Doch die BKK wollte auch den Restbetrag von den WSW bekommen.

Das lehnte das Gericht ab. Es stellte aber fest, dass die Stadtwerke verpflichtet sind, sämtliche noch entstehenden gesundheitliche Schäden der verunglückten Frau, die Behandlungskosten verursachen, ebenfalls zu 50 Prozent zu ersetzen.

Neuerliche Zahlungen seitens der Stadtwerke scheinen vorprogrammiert. Ein dem Gericht vorgelegtes ärztliches Gutachten bestätigt, dass die Frau aufgrund des Unfalles fortan nur noch mit einer Gehhilfe und unter Schmerzen vorwärts kommt. Teile der beim Unfall gerissenen Achillessehne sind abgestorben. Mit einer Stellungnahme zum Urteil wollen die WSW laut Sprecher Michael Malicke bis zur Bewertung durch die Hausjuristen warten. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, ist es theoretisch immerhin noch möglich, dass die Stadtwerke zukünftige Rechnungen der BKK inhaltlich anzweifeln. Ein neuer Rechtsstreit wäre vermutlich die Folge.

Am Konzept der Schwebebahn wollte das Gericht aber nicht herummäkeln. Entscheidend für das 50-prozentige Mitverschulden der verunglückten Frau sei die Tatsache, dass jeder Wuppertaler die Eigenheit der Schwebebahn kenne. Ergo wisse und spüre auch jeder Fahrgast, der die Schwebebahn besteigt, dass diese pendelt. Diese Eigenart mache den Reiz einer Fahrt aus, sei aber auch beim Ein- und Aussteigen zu berücksichtigen. Umbauarbeiten am Wuppertaler Wahrzeichen aufgrund der Klage entfallen: Als unerheblich wertete das Gericht, ob die Stadtwerke das Pendeln der Schwebebahn grundsätzlich verhindern könnten. Seit dem Unfall im Juni 1995 haben die Stadtwerke allerdings zusätzliche Hinweisschilder an den Bahnen angebracht, dass die Züge nach dem Halten nachschwingen.

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