Energie

Stadtwerke koppeln Fernwärme- an Gaspreis

Im Müllheizkraftwerk der AWG auf Korzert wird bei der thermischen Verwertung – der Verbrennung von Abfällen – Strom und Fernwärme für Wuppertal gewonnen.
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Im Müllheizkraftwerk der AWG auf Korzert wird bei der thermischen Verwertung – der Verbrennung von Abfällen – Strom und Fernwärme für Wuppertal gewonnen.

Eine Kilowattstunde kostet seit Juli 22,39 Cent – zuvor mussten Wuppertaler 11,32 Cent zahlen.

Von Christian Töller

Wuppertal. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) haben zum 1. Juli den Arbeitspreis Fernwärme auf 22,39 Cent pro Kilowattstunde erhöht – nachdem erst zum 1. Januar eine Erhöhung von ursprünglich 4,67 Cent auf 11,32 Cent pro Kilowattstunde erfolgt war. „Ich kann die Höhe der Preissteigerung nicht nachvollziehen“, erklärt Michael Meyer, der Geschäftsführer einer Firma ist, die Immobilien verwaltet. Eine dieser Immobilien in Elberfeld ist ans Fernwärmenetz angeschlossen. „Die Fernwärme ist ein Abfallprodukt der Müllverbrennungsanlage und ist in der Herstellung nicht teurer geworden“, so Meyer. „Aber die Fernwärme ist an den Gaspreis gekoppelt. Warum?“, fragt er sich. „Das ist in der Branche durchaus so üblich“, erklärt dazu Holger Stephan, Pressesprecher bei den WSW. Das Gas gelte dabei auch als „Referenzenergie“, um dem Preis für die Fernwärme kalkulieren zu können.

Dass diese Orientierung am Wärmemarkt üblich sei, bestätigt Christina Wallraf, Referentin Energiemarkt bei der Verbraucherzentrale NRW. „Dabei können die Anbieter verschiedene Energieträger nutzen.“ Dazu gehören beispielsweise Gas oder auch Öl.

„In den vergangenen Jahren war es so, dass wir durch die Kopplung an den Gaspreis in der Lage waren, Preissenkungen an die Kunden weiterzugeben“, erklärt Holger Stephan weiter. Durch die Entwicklung auf dem Gasmarkt – verschärft durch den Ukraine-Krieg und die dadurch verhängten Sanktionen gegen Russland – schlägt das Pendel nun in die andere Richtung aus. Im Fall der Fernwärme sogar noch stärker als beim „normalen“ Gaspreis. Bei diesem „spielen staatliche Preisbestandteile wie Steuern eine Rolle“, so Stephan. Dies sei bei der Kopplung der Fernwärme an den Gaspreis nicht der Fall, so dass dort eine Erhöhung des Gaspreises stärker auf den Preis für die Fernwärme durchschlage.

Darüber hinaus spiele es auch eine Rolle, dass bei der Fernwärme teilweise Energie aus dem Gasbereich „zugefüttert“ werden muss, erklärt Holger Stephan weiter. Damit mögliche künftige Erhöhungen des Arbeitspreises Fernwärme nicht mehr so heftig wie jetzt ausfallen, habe man die Parameter bei der sogenannten Preisanpassungsklausel verändert.

Viele weitere Anbieter werden wohl ihre Preise auch erhöhen

Den nun geltenden Arbeitspreis für Fernwärme in Wuppertal nennt Christina Wallraf „überdurchschnittlich hoch“. So habe beispielsweise Rheinenergie zuletzt auf etwa neun oder zehn Cent pro Kilowattstunde erhöht. Sie rechnet jedoch damit, „dass viele Anbieter ebenfalls die Preise erhöhen werden“. Dennoch sei „eine beinahe Verdoppelung des Preises schon irgendwie hart“. Dass die Preise für Fernwärme nun überdurchschnittlich hoch seien, wollte Stephan nicht bestätigen. „Wir bewegen uns, was den Preis angeht, im Mittelfeld. Wir sind nicht die günstigsten Anbieter, aber eben auch nicht die teuersten.“ Die WSW seien bemüht, die Preise so selten wie möglich zu erhöhen.

Bei Fernwärme handelt es sich um Wärme, die bei Verbrennungsvorgängen entsteht und über ein Fernwärmenetz zu den Kunden transportiert wird. In Wuppertal entsteht die Fernwärme bei der Produktion von Strom aus dem Kraftwerk Barmen sowie bei der Verbrennung von Bioabfällen. Aktuell beziehen in der Stadt rund 10 000 Haushalte Fernwärme. Für diese Haushalte kommt die Erhöhung des Preises nun noch zusätzlich zu weiteren Belastungen hinzu, wie die teureren Lebensmittel und gestiegene Spritpreise.

Digitalisierung

Derzeit erproben die WSW die Möglichkeit, das Fernwärmenetz digital zu steuern. Über 80 Liegenschaften wurden mit einer neuen Technik ausgestattet. Eine Datenübertragung per Funk ermöglicht eine tagesaktuelle Erfassung der tatsächlichen Verbrauchsmengen. Damit ist es möglich, die Steuerung der Wärmeproduktion besser anzupassen.

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