Pandemie

Stadt Wuppertal sagt der Tafel finanzielle Hilfe zu

Miriam Kusebauch, Leiterin der Kindertafel am Kleinen Werth, und Peter Vorsteher, Leiter der Wuppertaler Tafel. Foto: Tafel
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Miriam Kusebauch, Leiterin der Kindertafel am Kleinen Werth, und Peter Vorsteher, Leiter der Wuppertaler Tafel.

300 000 Euro fehlen coronabedingt in der Kasse – Hauptamtlicher Geschäftsführer soll Sanierung fortführen

Von Andreas Boller

Wuppertal. Die Wuppertaler Tafel ist ein Sanierungsfall. Der neugewählte Vorstand des Tafelvereins geht davon aus, dass eine Finanzierungslücke von rund 300 000 Euro durch die Corona-Pandemie und die Misswirtschaft der vergangenen Jahre entstanden ist. Von der Stadtspitze gibt es deutliche Signale, die Tafel dauerhaft zu unterstützen. Das könnte zum Beispiel durch die Finanzierung einer hauptamtlichen Geschäftsführerin beziehungsweise eines Geschäftsführers geschehen. Diese Position müsste erst noch geschaffen werden.

In Deutschland gibt es nur in drei anderen Städten Tafeln, die von ihrer Größe mit der Wuppertaler vergleichbar sind. Das sagt viel über die Armut in der siebzehntgrößten Stadt aus, aber es macht auch deutlich, welche Probleme auf die Stadtverwaltung zukommen würden, sollte die Tafel ihre Arbeit einstellen müssen. Diese Gefahr war vor einigen Wochen noch akut, als bekanntwurde, dass vom Jobcenter geförderte Maßnahmen nicht entsprechend umgesetzt wurden. Außerdem nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf, weil der Verdacht besteht, dass ein früherer Mitarbeiter der Tafel Lebensmittel veruntreut hat.

„Wir sind dabei, die Tafel wieder zukunftsfähig zu machen. Marianne Krautmacher hat für den Vorstand die Gespräche federführend mit dem Jobcenter geführt. Ab Oktober dürfen wir wieder damit rechnen, dass wir AGH-Kräfte bekommen. Das sind Menschen, die beim Jobcenter arbeitslos gemeldet sind und die uns zur Verfügung gestellt werden im Rahmen von Arbeitsmaßnahmen. Sie bringen uns in die Lage, dass wir Lebensmittel abholen oder Wohnungen auflösen können. Das ist lebenswichtig für uns“, sagt der Vorsitzende Peter Vorsteher.

„Eine Corona-Hilfe für die Tafel gibt es leider nicht.“

Peter Vorsteher, Leiter der Wuppertaler Tafel

Die ehrenamtliche Vereinsführung benötige dringend Unterstützung durch eine hauptamtliche Geschäftsführung. Und da sei der Tafelverein auf die finanzielle Hilfe der Stadt angewiesen. Die Tafel finanziert sich bisher komplett aus eigenen Mitteln. Pro Monat werden an die Besucher der Tafel 130 Tonnen Lebensmittel verteilt, die mit eigenen Fahrzeugen transportiert werden. „Den Kraftstoff und die Versicherung der Fahrzeuge finanzieren wir über den Verkauf von Möbeln, Kleidung und Büchern. Da das Sozialkaufhaus sieben Monate geschlossen bleiben musste, fehlen uns rund 300 000 Euro. Eine Corona-Hilfe für die Tafel gibt es leider nicht“, sagt Vorsteher.

Das Sozialkaufhaus ist wieder geöffnet, aber es fehlen die jungen Leute, die für die Tafel Wohnungs- und Firmenauflösungen vornehmen können. „Alles, was wir durch das Sozialkaufhaus erlösen, hält die Tafel am Laufen. Der Bücherladen mit 30 000 Büchern hat einen Jahresumsatz in Höhe von 60 000 Euro. Der Möbelbereich sieht dünn aus, weil wir da nicht nachliefern konnten“, beschreibt Peter Vorsteher die aktuellen Engpässe. Im Vorstand wird er von Werner Gottschall, Hans-Jürgen Pulwitt und Marianne Krautmacher unterstützt.

„Als Stadt können wir nicht auf die Tafel verzichten.“

Stadtdirektor Johannes Slawig

Transparenz sei das Gebot der Stunde, denn viel Vertrauen sei in den letzten Monaten verlorengegangen. „Nach unserem Eindruck ist hier sechs Jahre nichts gelaufen. Wir müssen komplett neue Strukturen schaffen, zum Beispiel die Versicherungen überprüfen“, sagt Vorsteher. Schnelle Lösungen sind gefragt, denn allein für die Kühlhäuser fallen 90 000 Euro Energiekosten an. 60 000 Euro kostet es, Verpackungsmaterial bei der AWG loszuwerden.

Vorsteher: „Mit der AWG muss ich darüber reden, ob sie einen Teil der Summe eventuell zurück spenden kann. Hier sind Tausende Schlüssel im Umlauf. Wir wollen ein neues Sicherungssystem einbauen lassen, was 20 000 bis 30 000 Euro kosten dürfte.“ Außerdem werden dringend Sponsoren gesucht, denn das Hochwasser hat den Lastenaufzug unbrauchbar gemacht.

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind hat die Schirmherrschaft für die Tafel übernommen, Bürgermeisterin Dagmar Liste-Frinker und die Bürgermeister Heiner Fragemann und Rainer Spiecker haben ebenfalls ihre Unterstützung zugesagt. „Als Stadt können wir nicht auf die Tafel verzichten, daher sind Oberbürgermeister Schneidewind und ich überzeugt, dass wir der Tafel unter die Arme greifen müssen“, sagt Stadtdirektor Johannes Slawig.

Uwe Schneidewind habe zahlreiche Gespräche mit der neuen Führung der Tafel geführt. Gemessen an ihrer Personalstärke und bezogen auf ihre Aufgaben müsse die Tafel als mittelständisches Unternehmen geführt werden, und das sei von Ehrenamtlichen nicht zu leisten, so Slawig. Die Finanzierung eines hauptamtlichen Geschäftsführers für die Tafel werde in die Überlegungen für den Haushaltsentwurf 2022/2023 einfließen, kündigte er an.

Hilfen

Die Wuppertaler Tafel betreibt auch das Medimobil, das für viele Obdachlose eine wichtige Anlaufstelle ist. Seit Wochen ist das Medimobil aber außer Betrieb, da es an medizinischem Personal fehlt. Die Kindertafel am Kleinen Werth war wegen der Corona-Auflagen mehrere Monate geschlossen, nimmt ab dieser Woche die Arbeit wieder auf.

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