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Stadt Wuppertal bereitet sich auf Gaslieferprobleme vor

Was tun, wenn das Fas knapp wird? Die Stadt bereitet sich darauf vor.
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Was tun, wenn das Fas knapp wird? Die Stadt Wuppertal bereitet sich darauf vor. 

Wuppertal. Die „Koordinierungsstab Ukraine“ beschäftigt sich jetzt mit Energieversorgung und trifft sich wöchentlich. Es wird einschneidende Maßnahmen geben.

Von Katharina Rüth

Die Unterbrechung der Gasleitung Nordstream 1 aus Russland lässt die Sorgen um ausreichende Energie im Winter auch in Wuppertal wachsen. Bei der Verwaltung beraten die Mitglieder des „Koordinierungsstabs Ukraine“ über Energiesparmöglichkeiten und den Umgang mit Energie-Engpässen. Das Gremium habe sich anfangs um Unterbringung und Betreuung Geflüchteter gekümmert, erklärt Stadtdirektor Johannes Slawig. Jetzt stehe die Gasversorgung im Mittelpunkt. „In der letzten Woche haben wir beschlossen, wöchentlich zusammenzukommen.“

Stadtwerke und Gebäudemanagement hätten über mögliche Szenarien informiert. Das Ergebnis, so Slawig: „Selbst wenn Nordstream 1 nach der Wartung wieder in Betrieb geht, sind Engpässe zu erwarten. Falls nicht, wird es ernsthafte Störungen geben.“ Der Koordinierungsstab kümmere sich zum einen um die aktuelle Reduzierung des Gasverbrauchs, zum anderen um Maßnahmen bei einer massiven Störung der Gasversorgung im Winter.

Um den Gasverbrauch aktuell herunterzufahren, hat die Stadt bereits die Wassertemperatur in städtischen Bädern gesenkt und die Öffnungszeiten der Saunen eingeschränkt. „Das wird aber nicht ausreichen“, macht Slawig deutlich. Im Gespräch ist etwa die Sperrung des warmen Wassers in Schulen und Sporthallen sowie die Absenkung der Raumtemperatur in städtischen Gebäuden. Der Städtetag habe bereits an den Bund gemeldet, dass dafür die Arbeitssicherheitsvorschriften verändert werden müssen. „Wir sind auch im Austausch mit dem Personalrat darüber“, so Slawig.

Auch die Reduzierung der Straßenbeleuchtung wird erwogen: „Das geht nicht flächendeckend“, schränkt Slawig ein. Es müsse abgewogen werden, wo das möglich sei und welchen Spareffekt es habe. Alle Möglichkeiten würden geprüft, am Ende der Sommerferien soll es Vorschläge geben, bei deren Bewertung die Verwaltung die Politik mit einbeziehen wolle. Wichtig sei die schnelle Umsetzung: „Jeder Tag Verzögerung bedeutet höhere Kosten.“ Einen „großen Zielkonflikt“ sieht er beim Thema Lüften und Heizen in Schulen. Denn wegen der Corona-Pandemie sei im Winter möglicherweise wieder häufiges Lüften nötig, zum Sparen von Energie müsste das Lüften dagegen heruntergefahren werden. Da werde man die weitere Entwicklung abwarten. Insgesamt stellt er klar: „Es wird zu Maßnahmen kommen.“ Diese würden „nicht nur maßvoll, sondern einschneidend“ sein und viele treffen: „Es wird ein schwerer Herbst.“

Noch schwerer wird es, wenn Russland die Gaslieferungen einstellt. Dann sei zum Beispiel möglich, dass Verwaltungsgebäude geschlossen und die städtischen Beschäftigten zu Homeoffice verpflichtet werden. „Das muss man vorbereiten“, so Slawig. Auch über die Schließung nicht notwendiger städtischer Gebäude werde diskutiert, etwa Schwimmbäder, Theater und Bibliotheken. „Nürnberg schließt die Hallenbäder, weil der Parallelbetrieb mit den Freibädern zu teuer ist“, so Slawig. Alle Möglichkeiten müssten geprüft werden.

Für Schulen und Kitas bestehe der politische Wille, sie offen zu halten. „Aber es ist die Frage, wie weit die Vorräte reichen.“ Die Entscheidungen darüber, wer versorgt werde, treffe die Bundesnetzagentur. Über die Einrichtung von Wärmestuben will er nicht nachzudenken: „Das wäre ein Katastrophen-Szenario.“

Das viel größere Problem sieht er in den massiv steigenden Energiekosten. Für Hartz-IV-Bezieher zahlt das Jobcenter die Heizkosten, aber wer etwas mehr Einkommen hat, werde Probleme haben: „Diese Menschen haben keine Möglichkeit zu sparen.“ Der Bund müsse Lösungen finden, um die Menschen vor einer Energiesperre und die Energieversorger vor finanziellen Problemen zu schützen.

Auch bei den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) kümmert sich ein Krisenstab um mögliche Szenarien bei reduzierten Gaslieferungen. „Wir bereiten uns darauf vor, soweit es geht“, sagt Sprecher Holger Stephan. Eigene Gasvorräte haben die Stadtwerke nicht. „Wir haben nur den Kugelspeicher an der Lüntenbeck, der dient der Druckregulierung“, so Stephan. Das Gas darin könnte höchstens ein paar Stunden zusätzlich die Gasversorgung der Stadt sichern.

Wer im schlimmsten Fall noch Gas erhält, entscheide die Bundesnetzagentur. Das laufe über Anordnungen, technische Möglichkeiten, bestimmten Abnehmern das Gas abzudrehen, gebe es nicht. Problematisch sei auch, dass die Leitungen nicht leerlaufen dürften. „Wenn die Leitung leer ist, müssen wir jeden Anschluss einzeln entlüften, bevor er wieder in Betrieb gehen kann. Für ganz Wuppertal dauert das Jahre.“

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