Besetze Bäume

Stachel-Barrikaden im Osterholz errichtet

Den Stacheldraht haben die Aktivisten an den Bäumen fixiert. Foto: Kalkwerke
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Den Stacheldraht haben die Aktivisten an den Bäumen fixiert.

Aktivisten wollen Wald-Rodung am Kalkwerk bei Vohwinkel verhindern und besetzen Bäume.

Von Eike Birkmeier

Wuppertal. Der Konflikt um die geplante Haldenerweiterung der Kalkwerke Oetelshofen verschärft sich weiter. Nach wie vor besetzen Aktivisten Bäume im Gebiet Osterholz, um die mit der Erweiterung verbundene Rodung von rund fünf Hektar Wald zu verhindern. Jetzt wurden auf Hauptwanderwegen Barrikaden aus Ästen und Stacheldraht errichtet. Der Draht wurde mit langen Stahlnägeln fixiert, um eine Entfernung zu erschweren.

Die Verantwortlichen der Kalkwerke verurteilen das Vorgehen. „Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, was Menschen antreibt, die so etwas tun“, sagt Mitgeschäftsführer Moritz Iseke. Die Sperrung mitten auf dem Waldweg sei zusammen mit dem Stacheldraht eine Gefahr für Spaziergänger, Reiter und Tiere. Iseke verweist außerdem darauf, dass es sich hier auch um Rettungswege handele.

Eine andere Sicht auf die Dinge hat die Initiative „Osterholz bleibt“. Diese wehrt sich seit Bekanntwerden der Pläne ebenfalls gegen die Fällung der Bäume, betont aber, dass es sich um eine eigenständige und von den Baumaktivisten getrennte Bürgergruppe handele. Die Sperrung sei nicht von der Initiative ausgegangen.

Gleichwohl zeigt Sprecherin Marjolein Schlüter Verständnis für die Barrikaden: „Ich halte das für angemessen.“ Die Aktivisten hätten befürchtet, dass eine Räumung durch die Ordnungskräfte bevorstehe und sich durch die Absperrung davor schützen wollen. Die Aktion richte sich nicht gegen Spaziergänger und Waldbesucher, für die extra ein Stück Weg freigelassen worden sei. „Davon geht keine Gefahr aus“, so Marjolein Schlüter.

Dem widerspricht eine Anwohnerin entschieden. Sie möchte aufgrund der jüngsten Verschärfung des Konflikts anonym bleiben. „Ich bin Reiterin und mit meinem Pferd in der Dämmerung beinahe in den Stacheldraht geraten“, berichtet die zweifache Mutter. Der Draht stelle zusammen mit spitzen Ästen ein erhebliches Verletzungsrisiko dar. „Ich habe großes Verständnis für Naturschutz und friedlichen Protest, aber das ist der falsche Weg“, kritisiert die Anwohnerin. Sie wirft den Baumbesetzern außerdem eine Vermüllung des Waldes mit Planen und weiterem Abfall vor. In den sozialen Netzwerken sprechen die Aktivisten dagegen von „Baumaterialien“, die nach der Baumbesetzung wieder entfernt würden.

Die Polizei Wuppertal hat Kenntnis von den Sperren. „Da der Stacheldraht offensichtlich von einem Zaun der Firma Oetelshofen entwendet wurde, wurde eine Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet“, sagt Sprecher Alexander Kresta. Darüber hinaus sieht die Polizei derzeit keinen Grund für ein weiteres Einschreiten. Die Beamten seien, außer in dringenden Fällen, für die Beseitigung solcher Sperren im Waldgebiet grundsätzlich nicht zuständig.

Stadt sieht keine Voraussetzungen für ein Eingreifen

Auch die Stadt sieht sich nicht in der Verantwortung. „Es handelt sich hier um ein privates Waldgebiet, für das wir keinen Handlungsspielraum haben“, so Sprecherin Kathrin Petersen. Wann und ob die Barrikaden beseitigt werden, ist daher unklar. „Wir bleiben bei unserer Strategie der Deeskalation“, sagt Moritz Iseke. Der Vohwinkeler Bezirksbürgermeister Georg Brodmann hofft auf eine Entschärfung der Situation. „Mein Eindruck ist, dass die Aktionen der Bürgerinitiative ‚Osterholz Bleibt‘ von einem großen Ernst und großer Sachlichkeit geprägt sind. Insofern gehe ich davon aus, dass die weiteren Demonstrationen und Proteste gegen das Vorhaben der Haldenerweiterung friedlich verlaufen werden. Allerdings befremden mich, bei aller Wertschätzung für die Demonstranten, die nun ausgelegten stacheldrahtbewehrten Holzbarrikaden. Das geht auch weniger martialisch“, erklärt der SPD-Politiker.

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