Kriminalität

Sparkasse Solingen: Kassierte Mitarbeiter 187.000 Euro?

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Ein Mitarbeiter der Stadt-Sparkasse soll an einem groß angelegten Betrugsfall beteiligt gewesen sein. 

SOLINGEN Nach dem Millionen-Betrug hat die Bank drei Mitarbeiter entlassen. Vor dem Arbeitsgericht kamen erstaunliche Details ans Licht.

Von Stefan Prinz

Im Betrugsfall in Millionenhöhe geht die Stadt-Sparkasse Solingen offensichtlich davon aus, dass 60 Kreditfälle mit einem Volumen von insgesamt 27 Millionen Euro betroffen sind. Das hat gestern die Anwältin der Sparkasse, Silke Allerdissen, vor dem Arbeitsgericht erklärt.

Drei Mitarbeiter seien daraufhin entlassen worden. Im Mittelpunkt steht ein 38-Jähriger aus der Immobilienabteilung. Nach Aussage der Sparkassen-Anwältin habe dieser 187 000 Euro Schmiergeld dafür kassiert, dass er bei der betrügerischen Kreditvergabe mitgewirkt habe. Dieses Geld soll sich der Sparkassen-Angestellte mit mehreren Überweisungen auf sein Girokonto bei der Sparkasse eingezahlt haben. Seinem Arbeitgeber fielen diese Zahlungen auf. Schließlich brachte die Sparkasse den Betrug zur Anzeige.

Die beiden anderen entlassenen Mitarbeiter der Immobilienabteilung stünden zwar laut Anwältin nicht im Verdacht, an dem Betrug mitgewirkt zu haben. Aber der Teamleiter und der Abteilungsleiter hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt und zumindest einen Teil der faulen Kredite nicht ausreichend überprüft. Selbst als ein Mitglied des Sparkassen-Vorstands den Abteilungsleiter auf mögliche Unregelmäßigkeiten hingewiesen habe, habe dieser nicht eingegriffen.

Abteilungsleiter wehrt sich gegen Rauswurf

Dem widersprach der 54-jährige Abteilungsleiter vor dem Arbeitsgericht entschieden. Er sei seit 32 Jahren Angestellter der Sparkasse und habe sich in der ganzen Zeit nichts zuschulden kommen lassen. Eine fristlose Kündigung wäre für ihn besonders bitter: Er hat bereits Altersteilzeit beantragt, deren erste Phase im nächsten Jahr beginnen sollte.

Aus den Äußerungen der Sparkassen-Anwältin wurde deutlich, dass die Bank davon ausgeht, dass auch ein Geschäftsmann an den Betrugsfällen mitgewirkt hat, der laut Anwältin als Kreditvermittler für die Sparkasse tätig gewesen ist. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat dieser Geschäftsmann im Fall des Millionenbetrugs insbesondere nicht ausreichend solvente türkische Staatsbürger an die Stadt-Sparkasse vermittelt. Mit dem Geld seien Schrottimmobilien gekauft worden, so die Anwältin.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal erklärte auf Nachfrage, dass die strafrechtlichen Ermittlungen in dem Betrugsfall noch nicht abgeschlossen seien. Die Angaben der Stadt-Sparkasse, dass es sich bei den faulen Krediten um ein Volumen von 27 Millionen Euro handelt, „halte ich für möglich“, sagte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert.

Um eine Bonität der Interessenten vorzutäuschen, sollen die Beschuldigten bei der Stadt-Sparkasse auch gefälschte Gehaltsbescheinigungen eingereicht haben.

ERMITTLUNGEN WEGEN BETRUGSVERDACHTS

DARUM GEHT ES Nach Informationen unserer Zeitung soll es sich bei den von der Solinger Stadt-Sparkasse finanzierten Immobilien um Objekte in ganz Nordrhein-Westfalen handeln, darunter Wohnungen in Duisburg und Hagen.

DURCHSUCHUNGEN Im Rahmen der staatsanwaltlichen Ermittlungen wurden vor rund drei Wochen insgesamt 34 Objekte in Solingen, Duisburg, Düsseldorf, Lörrach, Haan, Wuppertal, Witten, Herne, Velbert, Essen, Köln, Bedburg, Leonberg, Herten und Bottrop durchsucht. Hierunter befanden sich nach Auskunft der Ermittler auch die Geschäftsräume zweier Unternehmen in Solingen.

Der Solinger Sparkassen-Sprecher Martin Idelberger wollte aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens keine Aussagen über den Fall treffen. Nur so viel: Die Sparkasse gehe weiterhin davon aus, dass der Schaden für die Bank wesentlich niedriger sei. Schließlich sei noch nicht klar, ob und in welchem Umfang die Kredite zurückbezahlt würden.

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