Wegen Kindesmissbrauch in U-Haft

Solinger soll sich an seiner Tochter vergangen haben

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Das BKA kam auf die Spur eines 38-jährigen Höhscheiders, der sich an seiner Tochter vergangen haben soll.

Das BKA kam auf die Spur eines 38-jährigen Höhscheiders, der sich an seiner Tochter vergangen haben soll.

Von Kristin Dowe

Solingen. Mitten in der Debatte um die schockierenden Missbrauchsfälle in Münster erschüttert auch Solingen ein gravierender Fall von Kindesmissbrauch. Wie die Staatsanwaltschaft Wuppertal am Mittwoch mitteilte, wurde ein 38-jähriger Solinger im Beisein seiner Ehefrau wegen des dringenden Tatverdachts auf sexuellen Missbrauch am Dienstag auf einem Campingplatz in Rösrath bei Köln festgenommen. Die beiden Kinder des Paares, ein neunjähriger Junge und ein zwölfjähriges Mädchen, wurden von Mitarbeitern des Jugendamts in Obhut genommen. Die Feuerwehr unterstützte die Polizei bei den umfangreichen Durchsuchungen.

Die Solingerin wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach ihrer Vernehmung wieder freigelassen. Gegen sie bestehe zurzeit kein konkreter Tatverdacht. Auf die Spur des Solingers war das Bundeskriminalamt (BKA) im Oktober 2019 gestoßen, als ein kinderpornografisches Foto eines Mädchens aufgetaucht war, das darauf in aufreizender Pose zu sehen ist. Eine Identifizierung des Kindes war jedoch zunächst nicht möglich.

„Er ist auf dem Foto deutlich zu identifizieren.“
Wolf-Tilman Baumert, Staatsanwaltschaft Wuppertal

Die weiteren Ermittlungen führten die Beamten schließlich zu einer Adresse in Höhscheid. Bei den Durchsuchungsmaßnahmen stellten sie verschiedene Datenträger mit belastendem Material sicher. Bei der technischen Sicherung und Aufbereitung der Daten stießen die Ermittler auf ein Foto, das den Beschuldigten bei sexuellen Handlungen mit seiner zwölfjährigen Tochter zeigt. „Er ist auf dem Bild deutlich zu identifizieren“, sagt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert auf Nachfrage unserer Zeitung.

Noch sei unklar, ob der Solinger Fall weitere Kreise zieht und etwa mit den Missbrauchsfällen in Münster in Zusammenhang stehen könnte. „Darauf gibt es zurzeit keine Hinweise“, so Baumert. Auch für routinierte Ermittlungsbeamte sei die Sichtung von kinderpornografischem Material oft eine enorme psychische Belastung. „Ich habe die Fotos auch gesehen – das ist schon harter Tobak.“

Zu den Missbrauchsvorwürfen habe sich der Solinger bislang noch nicht geäußert, den Besitz des kinderpornografischen Materials aber eingeräumt. Er habe sich auf dem Campingplatz widerstandslos festnehmen lassen. Als Haftgrund sieht die Staatsanwaltschaft Verdunklungs- und Wiederholungsgefahr. Als Opfer komme zurzeit vor allem die Zwölfjährige infrage, doch auch von dem Jungen seien „fragwürdige Nacktbilder“ aufgetaucht.

Bei der Durchsuchung ließen die Einsatzkräfte keinen Stein auf dem anderen – Steinplatten des Stellplatzes wurden angehoben, das Auto der Familie sowie ihr Wohnwagen sichergestellt. Parallel durchsuchten die Ermittler die Wohnung und Kellerräume des Tatverdächtigen in Höhscheid. Dort wurden erneut verschiedene Datenträger wie Laptops, Tablets und Handys beschlagnahmt.

Der Beschuldigte wurde inzwischen nach Wuppertal überführt, dort wurde er am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt. Beim Polizeipräsidium Wuppertal wurde eine Ermittlungskommission gegründet. Dem Beschuldigten droht für den Fall einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Derweil stehen die Ermittler erst am Anfang ihrer Arbeit. Offen ist auch die Frage, ob der Solinger mit den Fotos gehandelt hat und ob es weitere Opfer gibt. „In der Szene ist es üblich, kinderpornografisches Material in entsprechenden Netzwerken und Tauschgruppen anzubieten und zu tauschen. Inwiefern das auch hier geschehen ist, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, macht Baumert deutlich.

Das Stichwort Campingplatz dürfte bei vielen unheilvolle Erinnerungen an den Missbrauchsskandal in Lügde wecken. Ob der Campingplatz in Rösrath auch als Tatort infrage kommt, ist ebenfalls noch Gegenstand der Ermittlungen. Unstrittig als Tatort sei die Solinger Wohnung des Tatverdächtigen, in der das entscheidende Beweisfoto entstanden sei, heißt es. 

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