Prozess am Landgericht

Vater aus Solingen soll seine Kinder grausam gequält haben

Das Wuppertaler Landgericht. Archivfoto: Leon Hohmann
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Das Wuppertaler Landgericht.

Die Anklage gegen einen 40-Jährigen listet grausame Taten gegen seinen damals siebenjährigen Sohn auf. Zum Prozessbeginn äußerte sich der Angeklagte zu den Vorwürfen. Das Landgericht Wuppertal prüft nun Vorwürfe und Aussagen.

Von Dirk Lotze

Solingen/Wuppertal. Ein 40 Jahre alter Angeklagter aus Solingen soll zwei Kinder einer früheren Lebensgefährtin geschlagen, gedemütigt, eingesperrt und gequält haben. Die Staatsanwaltschaft geht von gewaltsamen Übergriffen zwischen März und Oktober 2017 aus, die durch das Jugendamt beendet wurden. Der überwiegend geschädigte Junge sei bei dem Geschehen sieben Jahre alt gewesen und habe schwere Entwicklungsschäden erlitten.

Der Angeklagte gestand zum Prozessbeginn vor dem Wuppertaler Landgericht am Mittwoch, 25. August, Schläge ein. Der überwiegende Teil der Vorwürfe sei aber falsch.

Aus seiner Sicht habe ihn schon früher eine Großmutter der Kinder zu Unrecht belastet. Daraufhin hätten Behörden in der Familie ermittelt. Der Angeklagte erklärte: „Ich wollte Hilfe holen. Ich fühlte mich allein gelassen.“ Und, bezogen auf den weiter im Kindesalter befindlichen Jungen: „Vielleicht hatte er einmal einen blauen Fleck von einer Ohrfeige. Wenn das so ist, tut es mir wirklich leid.“

Prozess: Vater aus Solingen soll Sohn in Aufderhöhe und der Wohnung der Mutter gequält haben

Der Angeklagte befindet sich in Freiheit. Die Ermittlungen stammen aus dem Jahr 2017, die Anklage der Staatsanwaltschaft erfolgte Anfang 2021. Den Verlauf des Verfahrens wird das Gericht später erörtern. Verhandelt wird der Fall vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht Wuppertal - Vorsitzende Richterin ist eine Solingerin.

Die Anklage geht von Übergriffen an zwei Adressen in Aufderhöhe aus, wo der 40-Jährige nacheinander wohnte, außerdem in der Wohnung der Mutter der Kinder. Der Angeklagte habe den Siebenjährigen geschlagen, wenn er seine Schulaufgaben nicht machte. Er habe den Kopf des Jungen in einer Schranktür eingeklemmt und zugedrückt. Er habe der Mutter gedroht, weiterzudrücken, wenn sie nicht parallel ihre neunjährige Tochter strafe.

Junge musste eigenen Urin trinken und sein Erbrochenes essen

Er habe dem Jungen verboten, die Toilette zu besuchen und ihn gezwungen, den eigenen Urin zu trinken. Bei anderer Gelegenheit habe sich der Junge erbrochen. Er habe das Erbrochene essen müssen. Schläge seien an der Tagesordnung gewesen. Einmal habe der Angeklagte den Kopf des Jungen in die Toilette gesteckt und gespült, laut Anklage als Strafe. In einem Fall geht es um Schläge gegen die Lebensgefährtin. Das Paar ist inzwischen getrennt.

Die 4. große Strafkammer am Landgericht Wuppertal - Vorsitzende ist eine Solingerin - muss die Vorwürfe unabhängig prüfen und von Unschuld ausgehen. Den Richtern beschrieb der Mann unter Tränen einen seiner Übergriffe, den er gesteht: „Ich habe einen Gürtel genommen, der auf der Kommode lag, und damit drei-, viermal zugeschlagen.“ Der Junge habe nach einer Zurechtweisung geantwortet: „Du hast mir nichts zu sagen, Du bist nicht mein Papa.“

Das Gericht will am Dienstag, 31. August, weiter verhandeln.
Vor dem Wuppertaler Landgericht findet aktuell auch der Prozess gegen die Frau aus Solingen statt, die fünf ihrer Kinder getötet haben soll.

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