Städtekooperation

Solingen steigt beim Bergischen Studieninstitut in Wuppertal aus

Das Bergische Studieninstitut.
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Das Bergische Studieninstitut.

Es gibt erhebliche Kritik seitens der Teilnehmer an Ausstattung und Kursinhalten.   

Von Martin Lindner

Wuppertal. Im Bergischen Studieninstitut (BSI) rumort es. Solingen ist die nächste Stadt, die nach Leverkusen und dem Kreis Mettmann die Kooperation zum Ende des Jahres aufkündigen wird. „Ich bedaure es als Institutsvorsteher sehr, dass Solingen ausgetreten ist“, erklärt Johannes Slawig. Zu den Gründen für den Austritt wolle er sich öffentlich nicht äußern. Trotz aller Austritte will er am Bergischen Studieninstitut festhalten. „Weil die Ausbildung für die Verwaltungsberufe angesichts der demografischen Entwicklung sehr große Bedeutung gewonnen hat, halte ich das BSI als eigene Ausbildungseinrichtung für unverzichtbar“, erklärt er.

Sollte die Ausbildung in die Hände eines anderen Trägers übergehen, sehe er Nachteile, unter anderem, dass die Wege für die Auszubildenden länger würden, die Nähe zur Praxis leide, die Einbindung in die Verwaltung schwächer wäre, der Einfluss auf Inhalte und Organisation geringer sei und die Gefahr der Abwanderung junger Leute, die vor Ort dringend benötigt würden, zu anderen Behörden steige. „Außerdem ist die enge Verbindung von Ausbildung und Fortbildung am ehesten in einer eigenen örtlichen Einrichtung möglich“, ist Slawig überzeugt.

Die Austritte hat er als Institutsvorsteher zum Anlass genommen, einen Verbesserungsprozess „unter externer Moderation“ zu starten. „Dabei sind offen und selbstkritisch Probleme identifiziert worden, wie mangelnde Verlässlichkeit des Unterrichtes, kurzfristig ausfallende oder verlegte Stunden, schlechte Erreichbarkeit und so weiter.“ Aus den Problemen seien jedoch konkrete Verbesserungsmaßnahmen entwickelt und größtenteils schon umgesetzt worden, die auch regelmäßig kontrolliert würden, beispielsweise eine bessere Information und Erreichbarkeit durch digitale Technik, bessere Ausstattung der Unterrichtsräume und personelle Verstärkung.

Jobcenter als weiteres Mitglied gewonnen

„Um den Trägerverein des BSI fortzusetzen, ist es gelungen, das Jobcenter als weiteres Mitglied zu gewinnen“, informiert Slawig. Es will das BSI dazu nutzen, ein eigenes und neues Fortbildungsangebot für die Jobcenter zu schaffen, „die als Optionsmodell geführt werden“. Der Vorteil bestehe darin, dass das Unterrichtsvolumen des BSI erheblich ausgeweitet würde. Gemeinsam mit dem Jobcenter und der Stadt Remscheid ist für Herbst ein Workshop geplant, um Weiterentwicklung des BSI zu konzipieren und Maßnahmen dazu zu vereinbaren.

Burkhard Mast-Weisz, Oberbürgermeister von Remscheid, bedauert die Entscheidung der Stadt Solingen, dem Bergischen Studieninstitut den Rücken zu kehren. Seine Stadt habe sich dazu entschieden, weiterhin Teil der Einrichtung zu bleiben, weil die Vorteile überwiegen. Er möchte, dass weiterhin Menschen aus Remscheid sich für das Programm interessieren und dort ihre Fort- und Weiterbildungen machen. Mit dem ÖPNV könnten sie den Standort in der Nähe des Wuppertaler Hauptbahnhofs gut erreichen. Außerdem sieht er, auch nach Rücksprache mit der Belegschaft und dem Ausbildungsleiter, positive Entwicklungen innerhalb der Einrichtung und die gute Arbeit, die sie verrichtet. „Wir haben uns intensiv mit der Situation befasst, uns aber gesagt, dass uns das Institut wichtig ist. Es befindet sich auf dem richtigen Weg. Wir halten am Bergischen Studieninstitut fest“, so Mast-Weisz. Teil eines größeren Bildungsinstituts zu sein, sieht er ferner als Nachteil, weil die Stadt Remscheid dann nur „eine von vielen“ sei. Bei einem kleineren Bildungsinstitut sei hingegen die Möglichkeit gegeben, über Gremien Einfluss auf den Weg zu nehmen, den das Institut geht.

Angefragt bei der Stadt Solingen für die Motive des Austritts, verwies die Pressestelle auf die Beschlussvorlage vom 9. Juni dieses Jahres, die die Kündigung der Mitgliedschaft beinhaltete. Der Haupt-, Personal- und Gleichstellungsausschuss empfiehlt darin dem Rat die Kündigung zum 31. Dezember. Grund sei, dass viele Teilnehmer seit Jahren „erhebliche Kritik“ am Institut äußerten.

Nachdem bekannt geworden sei, dass der Kreis Mettmann und die Stadt Leverkusen ausscheiden würden, sei der Institutsleiter am 10. Mai 2019 damit beauftragt worden, bis Ende Juni 2019 ein Strategiekonzept für eine grundlegende Neuausrichtung des Studieninstituts zu erarbeiten. Eine im November 2020 durchgeführte Befragung der Auszubildenden und Lehrgangsteilnehmer habe jedoch ergeben, dass nach Umsetzung von Maßnahmen aus dem Strategiekonzept gerade im Bereich Organisation und Prozesse sowie Gebäude und Ausstattung weiterhin Defizite bestehen. Ferner seien Stundenausfälle, mangelhafte Klausur- und Prüfungsplanung, veraltetes Mobiliar, kleine Kursräume und der schlechte Gebäudezustand bemängelt worden. Die Mehrbelastung wird mit zehn Prozent, also rund 17 000 Euro, angegeben.

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