Seereise

Solinger starten einjähriges Segelabenteuer

Auf der „Lady Blue“ möchte die Solinger Familie Pukelsheim den Atlantik überqueren. Platz ist auf dem Zweimaster ein Luxusgut. Fotos: Pukelsheim
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Auf der „Lady Blue“ möchte die Solinger Familie Pukelsheim den Atlantik überqueren. Platz ist auf dem Zweimaster ein Luxusgut.
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Die fünfköpfige Familie Pukelsheim möchte den Atlantik überqueren – Ziel ist die Karibik.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Wer Christian Pukelsheim eine dienstliche E-Mail schreibt, erhält eine automatisierte Antwort. „Ich bin bis Ende August 2022 im Ausland und habe keinen Zugriff auf meine E-Mails“, ist dort zu lesen. Es handelt sich nicht um einen Tippfehler, dass seine Rückkehr auf das kommende Jahr datiert ist. Der Solinger, seine Ehefrau Julia und die Kinder Ronja (10), Lotta (8) und Marla (4) haben im Juli das wohl größte Abenteuer ihres Lebens angetreten. Zwölf Monate lang sind sie auf der „Lady Blue“, einem zweimastigen Segelschiff, unterwegs. Von Spanien aus führt ihr Törn über die Kanaren in die Karibik – und wieder zurück.

Vor allem Julia Pukelsheim hat eine besondere Beziehung zum Segeln. Als Neunjährige überquerte sie in einem Optimist den Bodensee. Schiffe waren für die 39-Jährige immer ein Symbol für Unternehmenslust. Diese Leidenschaft hat sie an ihren Ehemann weitergegeben. 2006 lernten sie einander im Universitätssegelclub Ulm kennen. Sie studierte Medizin, er Informatik. Sie war die Segellehrerin, er der Schüler. Auf dem Ammersee fand die erste Stunde statt.

Ein Jahr später stieg Christian Pukelsheim in vierter Generation ins Solinger Familienunternehmen Robuso ein. Das Paar zog nach Nordrhein-Westfalen, gründete eine Familie – und fuhr zum Segeln nach Holland. Sie lasen in einem Buch von Langfahrten und fanden Gefallen an der Vorstellung, als Familie über mehrere Monate gemeinsam unterwegs zu sein.

Von der „coolen Idee“ bis zur Realität dauerte es fünf Jahre

Fünf Jahre hat es gedauert, bis aus der „coolen Idee“ Realität wurde. So lange brauchten die Medizinerin und der Diplom-Informatiker, um sich auf das Abenteuer vorzubereiten. Der wichtigste Baustein: das Boot. In Frankreich fanden sie die „Lady Blue“, eine mehr als 40 Jahre alte Contest 42 Ketch. „Ein sehr sicheres, solides Schiff“, betont Julia Pukelsheim. Aber eben auch in die Jahre gekommen. Zwar war der Zweimaster voll funktionstüchtig, jedoch nicht mehr zeitgemäß. Unter anderem mussten die Segel und die Technik erneuert werden.

Parallel dazu liefen die übrigen Vorbereitungen. Für das Haus der Familie in Solingen brauchte es Zwischenmieter. Sie haben einen Vertrag bis Juni 2022 unterschrieben. Für Ronja und Lotta musste eine Schulbefreiung erwirkt werden, Julia Pukelsheim kündigte ihre Anstellung als Neurologin. Und ihr Ehemann? Der 40-Jährige hat die Verantwortung für den Familienbetrieb drei Führungskräften übertragen. Einmal im Monat lässt er sich über die Entwicklung der Firma unterrichten, dienstliche Nachrichten liest er ansonsten nicht.

„Wenn man seine Ruhe haben will, geht das nicht so einfach, aber wir haben schon Delfine gesehen.“

Ronja Pukelsheim

Inzwischen sind die Solinger seit sechs Wochen unterwegs. Am 14. Juli hieß es „Leinen los“. In den kommenden Monaten führt die Route der Pukelsheims über die spanische und portugiesische Küste zur Insel Madeira. Von den Kanarischen Inseln aus geht es nach Kap Verde. Dort beginnt im November die längste Zeit, die die Familie ununterbrochen auf See verbringt. Das Ziel ist die Insel Grenada in der Karibik. Rund 14 Tage dauert die Überfahrt.

Für diesen Abschnitt haben sich die Solinger bei der Atlantic Rally for Cruisers angemeldet. Mit rund 100 anderen Schiffen wagen sie den Törn über den Atlantik. Einerseits gewährleistet das eine gewisse Sicherheit – nur gut ausgestattete und ausgebildete Crews sind zugelassen. Zum anderen halten die Teilnehmer untereinander Funkkontakt. „Die lange Zeit auf See kann auf die Psyche schlagen. Da ist es gut, wenn man sich gegenseitig emotional unterstützen kann“, betont Christian Pukelsheim. Noch sei die Überfahrt für ihn fast unvorstellbar, gesteht der 40-Jährige. Doch die Lernkurve auf dem Schiff sei rapide. Vier Monate möchten seine Familie und er segelnd die Karibik erkunden. Der Rückweg ist über das Bermudadreieck und die Azoren geplant.

Doch das ist Zukunftsmusik. Die Solinger genießen ihr neues Leben. „Wir sind noch ziemlich im Urlaubsmodus“, gesteht Julia Pukelsheim. In der Klingenstadt bestimmte eine strikte Taktung ihren Alltag – 6.30 Uhr aufstehen, 18 Uhr Abendessen. Inzwischen könne es vorkommen, dass die Fünf bis 9.30 Uhr schlafen, gegen 16 Uhr mittag- und erst nach 20 Uhr abendessen. „Wir leben ziemlich in den Tag hinein“, sagt Christian Pukelsheim grinsend.

Julia und Christian Pukelsheim wagen das Abenteuern mit ihren Töchtern Lotta, Marla und Ronja (v. l.).

Doch das neue Dasein ist auch mit Entbehrungen verbunden. Platz und Privatsphäre sind auf der „Lady Blue“ echte Luxusgüter. Die zehnjährige Ronja sieht es pragmatisch: „Man ist nie allein und stößt sich ständig, kann dafür aber morgens ins Wasser springen. Wenn man seine Ruhe haben will, geht das nicht so einfach, aber wir haben schon Delfine gesehen.“

Das Ehepaar weiß, dass die Reise für die drei Geschwister nicht nur ein großes Abenteuer ist, sondern auch eine einschneidende Veränderung darstellt. „Wir versuchen, mit den unterschiedlichen Bedürfnissen sehr sensibel umzugehen“, sagt Julia Pukelsheim. Konkret bedeutet das, genügend Abwechslung einzuplanen und die Gruppe bei Landgängen auch mal zu trennen, um etwas Ruhe voneinander zu bekommen. „Jeder soll seine Wünsche äußern.“

Und auch die Schule soll nicht zu kurz kommen. Täglich werden unter Deck Mathe, Deutsch und Englisch gelernt. Doch vermutlich sammeln Ronja, Lotta und Marla in den kommenden Monaten Erkenntnisse und Erlebnisse, die ihnen kein Lehrer beibringen könnte. „Die magischsten Momente erlebt man außerhalb der Komfortzone“, ist ihr Vater sicher. Gleichzeitig sollen die drei Schwestern erleben, dass nicht immer alles geradeaus läuft, es verschiedene Lebensentwürfe gibt – abseits von festen Ritualen und Leistungsorientierung.

Blog

Im Internet berichtet die Solinger Familie Pukelsheim von ihrem einjährigen Segelabenteuer. Unter anderem verbreiten sie bei Instagram, Facebook und Youtube unter dem Namen „Sailingladyblue“ regelmäßig Neuigkeiten. Darüber hinaus schreiben Julia und Christian Pukelsheim einen Blog über ihre Reise.

www.sailing-ladyblue.de

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