Freien Naturschulen Köln

Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen

Das Gebäude in Burg, hier von der Rückansicht, liegt mitten im Grünen und bietet beste Voraussetzungen für eine Naturschule. Foto: Christian Beier
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Das Gebäude in Burg, hier von der Rückansicht, liegt mitten im Grünen und bietet beste Voraussetzungen für eine Naturschule.

Privater Träger mit naturpädagogischem Schwerpunkt hat Interesse an Gebäude in Oberburg.

Solingen. In die ehemalige Jugendherberge in Burg soll neues Leben einkehren. Besitzer Sam Jordan bestätigte gegenüber dem Tageblatt „bereits fortgeschrittene Gespräche“ mit den „Freien Naturschulen Köln“ – ein Anbieter für Grund- und Gesamtschulen mit einem naturpädagogischen Schwerpunkt, hinter dem ein privater Träger namens „Vivimos – Ganzheitliche Lebensräume“ steht. Die Schule soll das Gebäude künftig mieten.

„Wenn ich mir etwas für das Areal wünschen dürfte, wäre es die Naturschule“, so Jordan. Der Vertragsschluss werde gerade vorbereitet, grundsätzlich gebe es aber auch noch andere Interessenten. Überzeugt habe ihn vor allem das Gesamtkonzept der Schule, das sich sozial, ökologisch und naturfreundlich gestalte. „Ich hoffe, dass diese Planung auch die Gerüchte entkräftet, dass ich irgendein Interesse an der Fällung der Bäume dort hätte. Das ist nämlich nicht der Fall.“

Zudem verfüge der Anbieter über gute Referenzen – wenn das Mietverhältnis zustande kommt, sehe Jordan darin „eine Win-Win-Situation für alle“. Aktuell prüften beide Parteien gerade die Vertragsentwürfe.

Nach mehr als 250 Besichtigungen hat die Naturschule den passenden Standort gefunden

Vera Niehl, Geschäftsführerin der geplanten Naturschule, gerät mit Blick auf den Standort ins Schwärmen: „Wir haben uns in den vergangenen Jahren mehr als 250 Grundstücke angeschaut und sind in Solingen endlich fündig geworden. Die Lage ist wunderschön und unser naturpädagogisches Konzept ließe sich dort hervorragend umsetzen.“ In den ökologisch orientierten Unterricht sollten auch Tiere wie zwei Schulpferde, Hühner, Kaninchen und Landschildkröten einbezogen werden. Geplant seien außerdem Selbstversorgungsflächen, auf denen die Schüler selbst Gemüse anbauen und mittags zubereiten können. Aktuell warte das Team noch auf die Genehmigung der Bezirksregierung.

Neben Solingen ist noch ein weiterer Schulstandort in Rodenkirchen geplant, Busse sollen die Kinder hin- und herfahren. Die Kosten für den Transport seien in den Schulgebühren enthalten, zu denen Niehl zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Angaben machen könne. Das Ziel sei aber: „Jeder soll sich unsere Schule leisten können.“ Deshalb suche das Team noch nach Fördermöglichkeiten. Während bei staatlichen Schulen die Betriebskosten vollständig öffentlich getragen werden, muss bei privaten Schulen der Träger diese zu 13 Prozent selbst übernehmen. Am Standort Solingen wolle die Naturschule zunächst mit 150 Plätzen für zwei Grundschulklassen und eine Sekundarstufe I starten. Perspektivisch seien 175 Plätze geplant, da später noch eine Oberstufe gebildet werde, so Niehl.

Jugendherberge Burg: Naturschule wartet auf grünes Licht vom Bauamt

Sie warte nun noch auf grünes Licht vom Bauamt der Stadt Solingen, da weitgehende Barrierefreiheit in der Schule gewährleistet sein müsse. Generell sei man dort von den Plänen angetan gewesen. „Die Stadt begrüßt es auch, dass wir den Baumbestand natürlich erhalten möchten. Das gehört als Naturschule ja quasi zu unserem Selbstverständnis.“ Die Abstimmungen mit der Stadt seien bislang schnell und unkompliziert verlaufen. Abgesehen von einigen Renovierungsarbeiten soll der Gebäudebestand mitsamt der alten Holzvertäfelung in den Innenräumen im Kern erhalten bleiben.

Wie schnell der Betrieb dort starten kann, hängt nun vom baurechtlichen Genehmigungsverfahren ab, an dem auch die Schulaufsicht beteiligt ist. Die Möglichkeit der Umnutzung der Räumlichkeiten werde aktuell geprüft, heißt es aus der Pressestelle.

Vera Niehl gibt sich für den weiteren Zeitplan optimistisch: „Wir hoffen, dass wir etwa in sieben Monaten einziehen können.“

Privatschulen in Solingen

Die Naturschule würde zu den wenigen Privatschulen in Solingen gehören. Ebenfalls noch in Betrieb ist die Andrews Advent-Grundschule in Mitte. Die Bergische Ganztagsschule an der Hahnenhausstraße in Wald hat seit 2017 ihre Pforten geschlossen. Weitere Informationen über die geplante Naturschule in Burg gibt es auf der Internetseite des Anbieters.

http://freie-naturschulen-koeln.com/

Zuerst hatte der Investor eine neue Kita in Burg geplant. Dafür sah die Stadt aber keinen Bedarf.

Standpunkt: Eine Chance für Burg

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Auch wenn viele Solinger der früheren Jugendherberge in Burg noch immer nachtrauern, ist die Idee einer Naturschule an dem Standort eine vielversprechende Chance für den Stadtteil. Soweit man dies auf den ersten Blick beurteilen kann, haben die Verantwortlichen ein stimmiges Gesamtkonzept vorgelegt, das auch ökologischen Standards gerecht wird. Für alle, die sich über eine mögliche Fällung der Bäume auf dem Gelände Sorgen gemacht haben, wäre ein Einzug der Naturschule ebenfalls eine gute Nachricht. Denn dass dies nicht geschieht, hat sich die Einrichtung schon qua Selbstverständnis auf die Fahnen geschrieben. Auch ist eine vielfältige Bildungslandschaft aus staatlichen und privaten Schulen für die Stadt eine Bereicherung, wenngleich letztere für interessierte Eltern natürlich auch immer eine Frage des Geldbeutels sind. Eine faire Chance hätte die private Naturschule aber in jedem Fall verdient.

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