Landgericht

Fünffache Kindstötung in Solingen: Mutter der Angeklagten setzte Notruf ab

Der Prozess in Wuppertal wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Der Prozess in Wuppertal wird fortgesetzt. Archivfoto: Tim Oelbermann

Im Prozess um fünf Kindstötungen wurde der verzweifelte Anruf abgespielt.

Von Kristin Dowe

Solingen/Wuppertal Die Zuhörer im Saal des Landgerichts Wuppertal können nur ahnen, welche Verzweiflung die Mutter der Angeklagten empfunden haben muss, als diese kurz nach der schockierenden Whatsapp-Nachricht ihrer Tochter im September 2020 einen Notruf bei der Polizei Mönchengladbach absetzte. Ihre Stimme überschlägt sich auf der Aufnahme, immer wieder fragt sie die Polizistin bei der Leitstelle schluchzend nach dem Verbleib ihrer Enkelkinder und ihrer Tochter.

Im Prozess gegen eine 28-jährige Solingerin wurde am Dienstag der Bandmitschnitt dieses dramatischen Notrufs abgespielt. Die junge Frau soll laut Tatvorwurf im September 2020 fünf ihrer sechs Kinder in ihrer Wohnung in der Hasseldelle getötet haben, indem sie die drei Mädchen und zwei Jungen im Alter von einem bis acht Jahren erstickte oder in der Badewanne ertränkte.

Fünffache Kindstötung in Solingen: Vernehmungsprotokolle des Sohns dürfen verwendet werden

Nach der mutmaßlichen Tat versuchte die Beschuldigte, sich am Düsseldorfer Hauptbahnhof das Leben zu nehmen und warf sich dort vor einen einfahrenden Zug. Sie überlebte den Suizidversuch schwerverletzt. Ihr ältester Sohn – zum Zeitpunkt des Geschehens elf Jahre alt – befand sich zur fraglichen Zeit in der Schule und blieb somit von der Tat verschont.

Mit ihrer Mutter stand die Angeklagte unmittelbar nach der Tat per Whatsapp in Kontakt, als sie sich offenbar auf dem Weg nach Düsseldorf befand. Ihr gegenüber hatte die Solingerin im Chat deutlich geäußert, dass die Kinder tot in der Wohnung lägen und sie sich nun das Leben nehmen wolle. Allein der älteste Sohn der Familie sei unterwegs zu seiner Großmutter, sie habe bereits Geld für den Jungen überwiesen. „Ich hoffe, dass sie gelogen hat“, sagt die Mutter der Beschuldigten zu der Polizistin in der Leitung. Doch schließlich bewahrheiten sich ihre schlimmsten Befürchtungen.

An jenem Tag am 3. September 2020 überschlugen sich die Ereignisse, wie in dem Bandmitschnitt des Notrufs deutlich wird. In bangen Minuten wartete die Mutter der Angeklagten auf das Eintreffen der Polizei in ihrer Wohnung in Mönchengladbach, während sich parallel Polizeibeamte auf den Weg zu der Wohnung an der Hasselstraße in Solingen machten. Kurz vor der Tat hatte die Angeklagte über ein Profilbild bei Whatsapp von der neuen Beziehung ihres Ex-Mannes erfahren. Die neue Freundin war eine direkte Nachbarin der Familie, man traf sich öfters am Briefkasten.

Der älteste Sohn der Familie ließ über die Nebenklage-Vertreterin, die Rechtsanwältin Judith Acker, ausrichten, dass er sich zwar in der Verhandlung nicht zu den Vorwürfen gegen seine Mutter äußern wolle, die Protokolle aus den polizeilichen Vernehmungen aber gerichtlich verwendet werden dürften.

Fünffache Kindstötung in Solingen: Am vorigen Verhandlungstag war der Vater nicht erschienen

Der Vater der Angeklagten, als Zeuge geladen, erschien aus unbekannten Gründen am Vortag, als ebenfalls ein Verhandlungstag angestanden hatte, nicht. Gegen ihn wird gesondert wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter ermittelt. Rechtsanwalt Thomas Seifert beantragte derweil ein radiologisches Gutachten, das Anhaltspunkte für eine „dissoziative Persönlichkeitsstörung“ seiner Mandantin infolge möglicher Missbrauchserfahrungen geben solle. Dies bezweifelte Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt: „Das wäre eine Sensation, wenn man eine solche Störung anhand eines bildgebenden Verfahrens sehen könnte.“

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Unter anderem sollen Briefe der Angeklagten an ihre Mutter aus der Haftzeit verlesen werden.

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