Coronavirus

Long Covid: Zuschauer haben viele Fragen

Die Info-Veranstaltung im Zentrum Frieden fand großes Interesse.
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Die Info-Veranstaltung im Zentrum Frieden fand großes Interesse.

AOK, Stadt und Lungenfachklinik Bethanien luden zu einem Infoabend ins Zentrum Frieden ein.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Gut 80 Interessierte saßen am Mittwochabend im großen Saal des Zentrums Frieden am Kannnenhof und informierten sich über Long Covid.

Eingeladen hatte die AOK in Kooperation mit der Stadtverwaltung und dem Lungenfachkrankenhaus Bethanien. Das Stichwort „Aufklärung“ sowohl über den Krankheitsverlauf als auch über die Symptome stand als Überschrift über dem Abend. Die meisten Anwesenden waren selbst als Patient oder Eltern betroffen, wie ihre Fragen an die anwesenden Ärzte verdeutlichten.

Was kann man tun, wenn man noch Wochen und Monate nach überstandener Covid-Infektion an der sogenannten „Fatigue“ leidet, sich also kaputt, abgeschlagen und antriebslos fühlt, oft gepaart mit Kopfschmerzen? Sollte man sich in diesem Zustand trotzdem ein viertes Mal impfen lassen? Kommt der Geschmack wieder, obwohl er schon seit der Corona-Erkrankung letzten Herbst verschwunden ist? Ist die immer wiederkehrende obstruktive Bronchitis meines Zweijährigen tatsächlich eine Folge seiner moderat verlaufenen Covid-Infektion oder hat das doch andere Ursachen?

Geschädigte Geruchsnerven können trainiert werden

Diese und andere der vielen Fragen aus dem Auditorium zeigten, wie individuell das Krankheitsbild ist, das unter dem Begriff Long Covid zusammengefasst wird und wie viel Unsicherheit bei denen herrscht, die noch über Symptome klagen, wenn der Antigentest längst wieder negativ ist.

„Wir sind in der Medizin in puncto Long Covid noch lange nicht mit dem bisher erreichten Wissen dahingehend zufrieden“, sagte Professor Dr. Winfried Randerath, Chefarzt und ärztlicher Direktor der Lungenfachklinik Bethanien. Mit seinem ausführlichen Impuls-Vortrag über Erreger, Symptome, Behandlung und Prognose von Covid-19 hatte er die Basis für die anschließende lebhafte Fragerunde gelegt.

Zum Beispiel sei es nach wie vor nicht seriös möglich, vorauszusagen, wen es treffen würde. „So wie sich auch, trotz bekannter Risikofaktoren wie Alter oder Übergewicht, nicht zuverlässig prognostizieren lässt, wer so schlimm an Corona erkrankt, dass er Sauerstoff oder gar intensivmedizinische Versorgung braucht.“ Allerdings empfehle sich bei Long Covid ein klares strukturelles Vorgehen. „Wenn zum Beispiel die Luft beim Treppensteigen knapp bleibt, aber durch gründliche Untersuchungen organische Ursachen an Herz und Lunge ausgeschlossen sind, bedeutet das grünes Licht für eine Rehabilitation beziehungsweise ein vorsichtiges Training.“ Man könne sogar die geschädigten Geruchs- und Geschmacksnerven trainieren.

Einer Dauer-Abgeschlagenheit kann durch ineinandergreifende Maßnahmen begegnet werden, die zum Beispiel Psychotherapie, moderates Bewegungstraining und unterstützende Medikationen verbinden. „Es gibt kein allseits gültiges Handlungsschema, jeder Fall muss individuell durchdacht werden.“ Ansprechpartner für Betroffene sind die Long-Covid-Ambulanzen, in denen sich verschiedene Fach-Mediziner vernetzen.

Nicht von ungefähr hatte Randerath neben sich auf dem Podium Kinderärztin Dr. Sonia van Afferden, HNO-Arzt Dr. Frank Hilliger und Internist Dr. Stephan Kochen. Sie beantworteten mit ihm abwechselnd die vielfältigen Publikumsfragen. Randerath: „Man muss aus verschiedenen Blickrichtungen auf Long-Covid schauen.“

Neben Reha-Maßnahmen, die über die Rentenversicherung zu beantragen sind, und Therapie-Ansätzen bilden inzwischen auch Selbsthilfegruppen Long-Covid-Patienten Hilfe. Im Austausch mit ähnlich Betroffenen können Erfahrungen weitergegeben werden. Maximilian Schrader, Koordinator Selbsthilfe im Stadtdienst Gesundheit, fungiert dabei als Ansprechpartner.

Beratung

Termin: Die Veranstaltung in Solingen war nach einer Premiere in Wuppertal die zweite einer Reihe, die die AOK Rheinland/Hamburg in der Region anbietet.

Selbsthilfekontaktbüro bei der Stadt: Tel., (02 12) 2 90 27 29

Stadtdienst-gesundheit@solingen.de

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