Prozess

Hasseldelle: Verteidiger beauftragt dritten Gutachter

Verteidiger beauftragt dritten Gutachter. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Verteidiger beauftragt dritten Gutachter. Archivfoto: Tim Oelbermann

Angeklagte könnte aus Sicht ihres Anwalts als Kind missbraucht worden sein

Solingen. Ist die 28-jährige Solingerin, die sich aktuell wegen heimtückischen Mordes an fünf ihrer sechs Kinder vor dem Landgericht Wuppertal verantworten muss, in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden? Thomas Seifert, einer ihrer drei Verteidiger, hält diese Möglichkeit zumindest nicht für abwegig. Fakt ist, dass der Vater der Angeklagten in Mönchengladbach rechtskräftig wegen des Besitzes härtesten kinderpornografischen Materials verurteilt worden ist.

Die Beschuldigte hatte mutmaßlich im September vergangenen Jahres ihre drei Töchter und zwei Söhne im Alter von einem bis acht Jahren in der Badewanne ertränkt oder erstickt – zuvor soll sie den Kindern sedierende Medikamente verabreicht haben. Nur der zum Tatzeitpunkt elfjährige Sohn der Familie überlebte die Tat und lebt zurzeit bei seiner Großmutter. Gestern wurde der umfangreiche Prozess vor der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Jochen Kötter fortgesetzt.

Kinderpornografische Fotos werden nicht im Hasseldelle-Prozess vorgeführt

Verteidiger Seifert hatte unter anderem beantragt, dass die kinderpornografischen Aufnahmen im Prozess in Augenschein genommen werden. Zudem solle ein biometrisches Identitätsgutachten erstellt werden, um zu überprüfen, ob es sich bei einem der auf den Fotos abgebildeten Opfer von Kindesmissbrauch um die Angeklagte im Kindes- beziehungsweise Jugendalter handelt. Mit der Missbrauchsannahme versucht Seifert den Nachweis einer möglichen „dissoziativen Persönlichkeitsstörung“ zu führen – ein Krankheitsbild, das nach seiner Argumentation die Schuldfähigkeit für das spätere fünffache Tötungsdelikt einschränken könnte. Über das biometrische Gutachten wird die Kammer noch entscheiden, öffentlich gezeigt werden die Fotos aber nicht.

Abgewiesen wurde ein Antrag des Verteidigers, einen Sexualwissenschaftler als Sachverständigen zu laden, der sich mit der Frage beschäftigt hätte, ob der Vater der Angeklagten als früherer Konsument von Kinderpornografie auch Missbrauchstaten an seiner Tochter, der Angeklagten, verübt haben könnte. Zwischen beiden Aspekten bestehe „kein Sachzusammenhang“, hieß es in der Begründung.

Vorerst zurückgestellt ist ein weiterer Antrag Seiferts auf einen dritten psychiatrischen Gutachter. Nachdem er zuletzt mit seinem Antrag auf die Absetzung der beiden beauftragten Gutachter Prof. Dr. Pedro Faustmann und Prof. Dr. Sabine Nowara wegen vermeintlicher Befangenheit gescheitert war, will der Rechtsanwalt nun den psychiatrischen Gerichtsgutachter Dr. Thomas Schwarz aus München mit der Begutachtung der Angeklagten beauftragen. Am 25. August soll Schwarz die Beschuldigte in der JVA besuchen.

Wenn die Kammer sich dafür entscheidet, wird er am 20. September gemeinsam mit den anderen beiden Gutachtern Nowara und Faustmann sein Gutachten erstatten. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Kindeswohl gefährdet: Jugendamt zählt mehr Fälle.

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