Prozess um Kindstötungen

Hasseldelle: Verteidiger attackiert Sachverständigen

Felix Menke, Gerd Meister und Thomas Seifert (von links) vertreten die Solingerin.
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Felix Menke, Gerd Meister und Thomas Seifert (von links) vertreten die Solingerin.
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Thomas Seifert, einer der drei Verteidiger der angeklagten Solingerin, attackierte am heutigen Verhandlungstag erneut den psychiatrischen Gutachter Professor Dr. Pedro Faustmann.

Von Kristin Dowe

Solingen. Im Prozess um eine fünffache Kindstötung vor dem Landgericht Wuppertal attackierte Thomas Seifert, einer der drei Verteidiger der angeklagten Solingerin, am heutigen Verhandlungstag erneut den psychiatrischen Gutachter Professor Dr. Pedro Faustmann mit gleich fünf Anträgen. Seifert übte scharfe Kritik an dem vorläufigen Gutachten des Sachverständigen und forderte unter anderem dessen Ablehnung wegen Befangenheit.

Seit Juni dieses Jahres muss sich vor der Schwurgerichtskammer eine 28-Jährige wegen heimtückischen Mordes an fünf ihrer sechs Kinder verantworten. Laut Tatvorwurf soll sie die drei Mädchen und zwei Jungen im Alter von einem bis acht Jahren im September vergangenen Jahres in der Wohnung der Familie in der Hasseldelle teils erstickt und teils in der Badewanne ertränkt haben. Anschließend hatte die Angeklagte versucht, sich selbst das Leben zu nehmen, indem sie sich am Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug warf. Allein der älteste Sohn der Familie, zu dem Zeitpunkt elf Jahre alt, überlebte die Tat und ist derzeit bei seiner Großmutter untergebracht.

Rechtsanwalt Seifert geht es bei seiner Kritik in erster Linie um einen möglichen Missbrauch beziehungsweise eine mutmaßliche Vergewaltigung der Beschuldigten im Jugendalter – Erfahrungen, die aus seiner Sicht zu einer „dissoziativen Persönlichkeitsstörung“ geführt haben könnten. Diesen Aspekt habe der Sachverständige in seinen Ausführungen überhaupt nicht berücksichtigt. Tatsächlich war die Angeklagte im August 2007 für zehn Tage in einer LVR-Klinik in Viersen untergebracht. Die möglichen sexuellen Übergriffe seien ein zentrales Thema dieses Aufenthalts gewesen. Laut einem Aktenvermerk, aus dem Seifert zitierte, hatte die Angeklagte gegenüber einem Psychiater 2007 tatsächlich Angaben in Bezug auf einen derartigen Vorfall gemacht. Es sei ihr während der Behandlung „sehr schlecht“ gegangen und „sie müsse immer daran denken, was früher passiert sei“, wurde damals protokolliert.

Verteidiger fordert Untersuchung mit bildgebendem Verfahren

Seifert warf Faustmann vor, sich bei seinem Gutachten lediglich auf einen Arztbrief, nicht aber auf die vollständige Behandlungsdokumentation bezogen zu haben, was dieser zurückwies – es sei „unüblich“, die gesamte Krankenakte anzufordern. Rechtsanwalt Jochen Ohliger, der als Nebenkläger den Vater von vier der getöteten Kinder vertritt, sprang dem Sachverständigen zur Seite: „Ich glaube Herrn Professor Faustmann.“ Weiterhin hielt Seifert seinen Antrag auf ein bildgebendes Verfahren (MRT) aufrecht, mit dessen Hilfe die Angeklagte auf mögliche neurologische Erkrankungen hin untersucht werden soll.

Der Prozess wird am 11. August fortgesetzt. Dann wird die Kammer unter anderem über die Anträge der Verteidigung entscheiden. Danach hat sie elf weitere Verhandlungstermine angesetzt.

Der Prozesstag um die fünffache Kindstötung in Solingen fördert erschütternde Details zutage. Der Richter appelliert an die Mutter, die sich wegen Mordes am Landgericht verantworten muss.

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