Goerdelerstraße

Geflüchtete ziehen in altes Finanzamt

Hartmut Hoferichter ist Flüchtlingskoordinator der Stadt Solingen.
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Hartmut Hoferichter ist Flüchtlingskoordinator der Stadt Solingen.
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Die Stadt stößt mit der ehemaligen Notunterkunft an Kapazitätsgrenzen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Noch wird geräumt, Möbel werden aufgebaut, Handwerker erledigen letzte Arbeiten. Voraussichtlich kommende Woche sollen die ersten Geflüchteten das ehemalige Finanzamt an der Goerdelerstraße beziehen. Bereits von 2015 bis 2016 nutzte das Land das Gebäude als Notunterkunft. Nun nimmt die Stadt die Einrichtung mit 145 Plätzen wieder in Betrieb. Die bisherigen Kapazitäten stoßen an Grenzen.

So sehen die Mehrbettzimmer im früheren Finanzamt aus.

Das hänge nicht nur mit Menschen aus der Ukraine zusammen, erklärt Hartmut Hoferichter. Der frühere Stadtdirektor unterstützt die Verwaltung als Flüchtlingskoordinator. „In letzter Zeit erreichen uns wieder mehr Menschen, die aus Syrien, Irak und Afghanistan vor Krieg und Terror flüchten“, erklärt er.

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„Unsere bisherigen Übergangsheime sind allmählich voll“, betont Iris Erkelenz. Die Abteilungsleiterin im Stadtdienst Soziales rechnet mit weiterem Zustrom: Derzeit werden Solingen 20 bis 25 Menschen pro Woche zugewiesen. „Für eine Stadt unserer Größenordnung ist das mit erheblicher Belastung verbunden“, sagt Hoferichter. Rund 1400 Menschen alleine aus der Ukraine haben die Klingenstadt seit Ende Februar dieses Jahres direkt erreicht. Hinzu kommen rund 600 vom Land zugewiesene Geflüchtete. In dieser Gruppe machen die Ukrainer etwa die Hälfte aus.

So ist die Flüchtlingssituation in Solingen

Für sie gibt es in Übergangsheimen, Hotels sowie Monteurwohnungen derzeit maximal 473 Plätze. Hinzu kommen Kapazitäten in privaten sowie von der Stadt angemieteten Wohnungen. In Asyl-Übergangsheimen stehen zudem 660 Plätze zur Verfügung. In beiden Bereichen ist die Belegung bereits ohne die zusätzlich erwarteten Zuweisungen hoch. Die Stadt gibt eine Auslastung von rund 93 Prozent an.

Zur Grundausstattung zählen Geschirr und Besteck.

Ziel der Stadt bleibt es, „Geflüchtete in wohnungsähnlichen Unterkünften mit der Möglichkeit zur Selbstverpflegung“ unterzubringen. Angesichts des angespannten Wohnungsmarktes werde das jedoch immer schwieriger, erläutert Iris Erkelenz. Deshalb setzen die Verantwortlichen wieder auf das alte Finanzamt.

Dort gibt es Mehrbettzimmer für maximal vier Personen. Toiletten befinden sich im Gebäude, Duschcontainer im Innenhof. Die kulturell abgestimmte Versorgung übernimmt ein Caterer. Die Leitung hat die Awo in Person von Gerhard Decleir inne. Er verantwortete bereits bei der zurückliegenden Krise eine Flüchtlingsunterkunft. Auch Diakonie, Caritas und der Paritätische sind involviert. Wegen der besonderen Situation in der Notunterkunft zeigt sich Iris Erkelenz froh, „dass wir die Wohlfahrtsverbände an unserer Seite haben“. Awo-Vorstand Christoph Kühn und Gerhard Decleir verweisen auf die gute Vernetzung der Organisationen untereinander und mit ehrenamtlichen Helfern. Die Abläufe seien eingespielt.

Bis kommende Woche die ersten Menschen einziehen, wartet Arbeit.

Die Unterkunft an der Goerdelerstraße schafft einen Puffer. Darüber hinaus besteht Hartmut Hoferichter zufolge die Option auf 59 Plätze in der früheren Jugendherberge in Gräfrath. Darauf werde man bei Bedarf zurückgreifen. Zudem denkt die Rathaus-Spitze darüber nach, zwei neue Übergangsheime in Holzbauweise zu errichten. Dieser Vorstoß wird der Politik in den kommenden Wochen vorgelegt. 2016 sind solche Einrichtungen an der Zieten- und Jasperstraße entstanden. Im Gespräch waren seinerzeit auch die Standorte Nibelungenstraße und Neuenkamper Straße. Realisiert wurden diese beiden Projekte nicht.

Die Bemühungen sollen dazu beitragen, dass es nicht notwendig wird, Sammelunterkünfte wie Turnhallen oder Zeltanlagen zu eröffnen. Hoferichter betont: „Das entspricht nicht unserer Vorstellung.“

Arbeitsteilung

Die Wohlfahrtsverbände teilen die Aufgaben an der Goerdelerstraße untereinander auf. „Jeder bringt sich nach seinen Möglichkeiten ein“, sagt Awo-Vorstand Christoph Kühn. Diakonie und Caritas sind für die soziale Betreuung zuständig, der Paritätische für Hausmeisterdienste und bei Bedarf Kinderbetreuung.

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