Innenstadt

Läden in Solingen schließen ab November um 18 Uhr

Gestern Abend auf der Hauptstraße nach 18 Uhr: Nur noch wenige Geschäfte sind geöffnet, die Kundenzahl überschaubar.
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Gestern Abend auf der Hauptstraße nach 18 Uhr: Nur noch wenige Geschäfte sind geöffnet, die Kundenzahl überschaubar.
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Die Händlergemeinschaft der Innenstadt W.I.R. rät seinen Mitgliedern schon um 18 Uhr zu schließen. Das sind die Gründe.

Von Simone Theyßen-Speich, Philipp Müller, Björn Boch und Manuel Böhnke

Solingen. Die Einzelhändler in der City sollen ihre Geschäfte möglichst ab November bereits um 18 Uhr schließen. Das rät der Werbe- und Interessenring (W.I.R.) Solinger Innenstadt seinen Mitgliedern. „Diese Maßnahme sehen wir zunächst testweise für den Winter. Dann werden wir das weitere Geschehen abwarten“, heißt es in einem gestern verschickten Informationsschreiben. W.I.R.-Vorsitzender Detlef Ammann spricht von einer großen Bereitschaft der City-Händler, die Idee umzusetzen.

Darum sollen die Läden um 18 Uhr schließen

Im Mitgliederanschreiben äußert sich Michael Borgmann, der zweite Vorsitzende, zu den Gründen: „Seit Corona hat sich die Kundenfrequenz über den Tag verändert.“ Eine Auswirkung sei, dass sich Frequenzen auf vormittags und den frühen Nachmittag konzentrierten und es in Richtung Abend ruhiger werde. „Es ist nicht mehr darstellbar und wirtschaftlich nicht tragbar, wenn manche Geschäfte in der letzten Stunde für ein bis zwei Kunden noch volles Licht, Lüftung und Personal bereitstellen müssen.“

Zudem habe die Frequenz in der Innenstadt grundsätzlich nachgelassen, erklärt Borgmann. Dies führt er auf den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise zurück. Darauf müsse die Händlerschaft reagieren, um weiterhin Auswahl, Service und lokale Einkaufserlebnisse bieten zu können und die Lage „durch maßvolle Konzentration auf möglichst gemeinsame Kernöffnungszeiten für alle wirtschaftlich erträglicher zu gestalten“.

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Detlef Ammann, Vorsitzender der W.I.R, hat mit vielen Inhaberinnen und Inhabern gesprochen, weil der Vorschlag aus der Mitte der Mitgliederschaft gekommen sei: „Größtenteils waren alle einverstanden.“ Es bleibe aber jedem Betrieb überlassen, die frühere Schließung ab dem 2. November umzusetzen.

Viele Läden schließen bereits um 18 Uhr

Für etliche Geschäfte entlang der Hauptstraße bedeutet das faktisch keine große Änderung. Donnerstagabend nach 18 Uhr hatten neben Intersport Borgmann, den Eisdielen und Imbissbuden nur noch wenige Geschäfte geöffnet – und trotz des milden Herbstabends waren auch nur wenige Kunden unterwegs.

Bei den Optikern und Telefonanbietern wurde die Möglichkeit zur Beratung abends noch genutzt, dort waren die Ladenlokale gut besucht. Nebenan waren aber schon die Eingangstüren verschlossen. Die Juweliere Leiber oder Hloschek, die Schuhhäuser Klauser oder Forkert oder die Parfümerie Pieper, sie alle schließen schon jetzt um 18 Uhr.

Für Waldemar Gluch, den Vorsitzenden des Initiativkreises Solingen, ist die freiwillige Aktion sinnvoll. Das Thema, Energie klug einzusparen, sei auch im Handel wichtig. Vor diesem Hintergrund könnten die Geschäfte tatsächlich wie angeregt für eine begrenzte Zeit früher schließen.

Hofgarten diskutiert über eine Schließung ab 19 Uhr

Um Personal- und Energiekosten zu sparen, sei eine Verkürzung der Öffnungszeiten sinnvoll, erklärt der Center-Manager des Hofgartens, Ralf Lindl. Die Kernöffnungszeit ende derzeit um 20 Uhr – Edeka hat von 8 bis 21 Uhr geöffnet. Einige Mieter würden bereits früher schließen. Aktuell werde mit den Mietern diskutiert, das Center um 19 Uhr zu schließen. Das sei aber noch nicht beschlossen. 18 Uhr hält Lindl, der selbst im W.I.R.-Vorstand sitzt, für den Hofgarten im Hinblick auf Branchenmix und Kundschaft für nicht realistisch.

Aldi-Nord will um 20 Uhr schließen

Gerade hat der Discounter Aldi-Nord eine kürzere Öffnungszeit seiner Filialen angekündigt. Sie sollen ab November einheitlich um 20 Uhr schließen. Im lokalen Einzelhandel müsse jeder die Entscheidung selbst treffen, so Ralf Engel vom Handelsverband. Er gibt zu bedenken: „Wenn man so etwas macht, dann möglichst großflächig und einheitlich.“ Ein Flickenteppich würde die Kundschaft verwirren. Und man dürfe Service und Angebot vor Ort nicht zu sehr reduzieren. „Sonst bleiben die Kunden auf dem Sofa“, sagte er mit Blick auf die Konkurrenz durch den Internethandel.

Handel spart

Energie: Bereits seit Anfang September müssen die Händler bundesweit eine Vorgabe aus einer Verordnung der Bundesregierung zum Energiesparen umsetzen. So muss beispielsweise die Ladentüre stets geschlossen sein.

Beleuchtung: Außerdem muss die Leuchtreklame von 22 Uhr bis 16 Uhr am Folgetag ausgeschaltet werden. Das gilt aber nicht für sicherheitsrelevante Bereiche. Der Initiativkreis hatte berichtet, dass dies nicht einfach umzusetzen sei. Je nachdem, wie das Licht geschaltet sei, gebe es technische Probleme.

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Standpunkt von Simone Theyßen-Speich: Vorschlag ist konsequent

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Die Empfehlung, die Geschäfte in der City während der dunklen Jahreszeit um 18 Uhr zu schließen, haben sich die Verantwortlichen sicher nicht leicht gemacht. Aber sie ist konsequent. Es fehlt schon jetzt an Personal, und auch Strom und Heizkosten können so gespart werden. Und auch jetzt schon – da sind die Geschäftsleute durchaus realistisch – herrscht abends in der City kein pulsierendes Geschäftsleben. Da können Engagement, Geld und Personaleinsatz besser in die Kernöffnungszeiten gesteckt werden.

Wer in der Innenstadt einkaufen möchte, wer auf Beratung setzt und die dortigen Geschäfte unterstützen möchte, der findet bis 18 Uhr oder am Samstag sicher Gelegenheit dafür. Die halbe Stunde am Abend wird da auch nicht ausschlaggebend sein für oder gegen die Entscheidung zum Stadtbummel. Wichtiger wäre es, zumindest für die Hauptstraßen-Geschäfte einen einheitlichen Weg zu gehen. Und dann die Kunden gemeinsam vom Weihnachtseinkauf in Solingen und nicht im Internet zu überzeugen.

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