50 Jahre

So wurde aus einer Idee die Bergische Uni Wuppertal

Klaus Peters, 1972 bis 2001 erster Kanzler der Gesamthochschule Wuppertal, erinnert sich an die Gründung.
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Klaus Peters, 1972 bis 2001 erster Kanzler der Gesamthochschule Wuppertal, erinnert sich an die Gründung.

Wuppertal. Der erste Kanzler Klaus Peters blickt auf die Entstehung der bergischen Hochschule vor 50 Jahren zurück.

Von Katharina Rüth

Ihr 50-jähriges Bestehen hat die Bergische Universität Wuppertal in diesem Jahr ausgiebig gefeiert, das festliche Finale fand am vergangenen Wochenende als Universitätsball in der Historischen Stadthalle statt. Zwei Zeitzeugen erinnern sich noch einmal an die Anfänge: Klaus Peters, erst Leiter Amtes für Hochschulfragen, dann erster Kanzler der neuen Hochschule, und der SPD-Politiker Reinhard Grätz, der als junger Landtagsabgeordneter die politischen Diskussionen um neue Hochschulgründungen in NRW miterlebte.

Klaus Peters, Jahrgang 1936, sagt, dass das Bildungsinteresse in Wuppertal schon länger groß war. Als Beispiel nennt er die Gründung der akademischen Gesellschaft „Der Bund“, die bekannte Literaten in die Stadt lud. „Dann hatten wir ein intensives Theaterleben“, zählt er auf. Auch die Arbeiterbildungsvereine hätten eine starke Neigung zur Kultur gehabt. Daher: „Es gab schon früh Bestrebungen, den Uni-Gedanken zu fördern.“ Die Diskussionen über die „Bildungskatastrophe“ in Deutschland in den 50er und 60er Jahren, besonders in evangelischen Kreisen, habe wohl auch Johannes Rau beeinflusst. Peters erinnert daran, dass 1956 nur fünf Prozent eines Jahrgangs Abitur machten – das sollte geändert werden. „Man sah darin eine Ungerechtigkeit und unzureichende Ausschöpfung des Bildungspotenzials“, erklärt er. Da in Uni-Städten mehr junge Menschen studierten, ging man von einem „Aufforderungscharakter“ der Hochschulen aus und wollte mehr Universitäten errichten.

Zudem sollten die Abschlüsse in den technischen Fächern reformiert werden. Denn Absolventen der Ingenieurschulen, von denen es auch einige in Wuppertal gab, waren in der Praxis beliebt und wurden genauso häufig eingestellt wie die Absolventen der Hochschulen.

Der SPD-Politiker Reinhard Grätz, Jahrgang 1940, macht klar, wie wenig Hochschulen es damals erst gab: „Nach dem Krieg hatte NRW im Rheinland vier Universitäten: Bonn, Köln, Aachen und die neu aus der Medizinischen Fakultät wachsende Universität Düsseldorf. Westfalen hatte mit Münster nur eine Universität.“ In den 60er Jahren seien dann drei universitäre Einrichtungen dazugekommen: Bochum, Bielefeld und Dortmund.

Zwei-Universitäten-Modell war bald passé

Grätz, seit 1970 im Landtag, berichtet von einem kurzfristigen Umweg, den die Bildungspolitik in diesem Jahr nahm. Ministerpräsident Heinz Kühn hatte für den Hochschulausbau den Philosophieprofessor Herrmann Lübbe engagiert, der ein „Zwei-Universitäten-Modell“ vorschlug: An Standorten vorhandener Unis sollten Zweit-Unis entstehen. Das sollte Synergieeffekte bringen.

Die Bildungspolitiker der Regierungskoalition „erkannten sofort die Fragwürdigkeit des Lübbe-Plans“, so Grätz, hätten aber wegen der anstehenden Wahl 1970 stillgehalten. Die Ernennung von Johannes Rau, der sich schon lange für eine Uni in Wuppertal einsetzte, zum Wissenschaftsminister brachte die Wende: Die Idee der Zweit-Unis war erledigt, Rau und sein Ministerium arbeiteten an einem Regionalmodell. Das teilte NRW in acht Planungsräume. „Wäre eine Hochschule nicht nach Wuppertal gekommen, wäre das Bergische der einzige Planungsraum ohne universitäre Einrichtung gewesen.“ Grätz ist daher überzeugt, dass eine Uni in Wuppertal nur folgerichtig war.

An der Umsetzung war dann Klaus Peters direkt beteiligt. Als Leiter des Amts für Hochschulfragen der Stadtverwaltung musste er alle notwendigen Planungen begleiten, Entscheidungen im Rat vorbereiten. Das 40 Hektar große Gelände auf dem Grifflenberg sei dem zuständigen Vertreter der Landesregierung als klein erschienen, er habe zur Ausnutzung des Platzes hohe Gebäude gefordert. „Das wäre eine massive Bebauung gewesen“, sagt Peters. Dagegen formierte sich unter den Anliegern Widerstand. Er selbst habe mit Hinweis auf die Notwendigkeit der Abwägung von öffentlichen und privaten Belangen erreicht, dass die Planung verändert wurde.

Den Erfolg der Wuppertaler Hochschule, die als Gesamthochschule begann, führt Peters auch auf Gründungsrektor Rainer Gruenter zurück: Dieser sei eine Persönlichkeit und ein Wissenschaftler von Format gewesen, habe „den Grundstein gelegt“ für die positive Entwicklung. Er habe Wert darauf gelegt, Wissenschaftler mit Qualität zu berufen, und die Forschung gefördert.

Geschichte

Am 3. August 1972 erklärte der damalige NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau die Gesamthochschule Wuppertal für eröffnet. 3473 Studierende waren eingeschrieben. Am 3. November 1972 machte Johannes Rau den ersten Spatenstich auf dem Grifflenberg, 1977 wurden die Neubauten bezogen. Heute studieren an der Uni rund 23 000 junge Menschen.

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