Gas-Notfallplan

So will Wuppertal Energie sparen

Die Wuppertaler Stadtwerke verzichten bald auf das Anstrahlen des Wasserturms auf Lichtscheid.
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Die Wuppertaler Stadtwerke verzichten bald auf das Anstrahlen des Wasserturms auf Lichtscheid.

Die Stadt Wuppertal berät weitgehende Schritte, um mehr Energie zu sparen.

Von Anne Palka

Wuppertal. Die Stadt will ihren Energieverbrauch weiter reduzieren und dazu beitragen, das Ziel des Gas-Notfallplans zu erreichen. Die EU-Staaten haben sich am Dienstag geeinigt, den Verbrauch um 15 Prozent zu reduzieren. „Das ist möglich und nötig, aber ein ehrgeiziges Vorhaben. Die Öffentlichkeit muss sich auf sehr weitgehende Einschränkungen einstellen, es geht ans Eingemachte“, sagt Johannes Slawig, Leiter des Wuppertaler Koordinierungsstabs Gas-Mangellage.

Wuppertal blickt auch auf Ideen anderer Städte: „Wir sind in einer Arbeitsgruppe im Städtetag NRW vertreten, außerdem gibt es eine Plattform mit einer Ideensammlung“, sagt Slawig. Die möglichen Maßnahmen sollen mit den zuständigen Abteilungen der Stadtverwaltung besprochen werden – zum Beispiel für Sportanlagen, Schulen, die Feuerwehr, Kulturbetriebe und den Zoo. „Ich schließe nichts aus, will aber nicht über konkrete Maßnahmen spekulieren.“ Am 8. August soll eine Liste im Verwaltungsvorstand besprochen werden, in derselben Woche mit den Lokalpolitikern, auch wenn keine Ratsbeschlüsse für die Umsetzung nötig seien.

In den Wuppertaler Bädern, hier die Schwimmoper, wurde die Wassertemperatur schon Ende Juni gesenkt.

Eine Maßnahme hat die Stadt Ende Juni bereits umgesetzt. Sie hat die Temperatur in den Schwimmbädern leicht gesenkt und die Öffnungszeiten der Saunen eingeschränkt. „Das ist eine sanfte Einstiegsmaßnahme“, sagt Johannes Slawig. Es brauche nun ein Gesamtkonzept, denn die Tendenz seien weiter steigende Energiekosten. Im Jahr 2021 hat die Stadt rund 16 Millionen Euro ausgegeben, zu 2023 verdoppeln sich die Ausgaben voraussichtlich, so Slawig.

Er zählt Maßnahmen auf, die auch in anderen Städten diskutiert oder bereits umgesetzt werden: Es könnten Schwimmbäder geschlossen werden, die Temperatur in den Büros der Verwaltungshäuser reduziert, Betriebsferien über Weihnachten und Neujahr eingeführt. „Im schlimmsten Fall, einer Mangelsituation, könnte es um die Schließung ganzer Einrichtungen gehen.“

Der Schwerpunkt liegt auf Gas und Wärme, nicht auf Strom.

Johannes Slawig, Leiter des Krisenstabs

Stadtsprecherin Martina Eckermann sagt, dass nun jede Maßnahme individuell geprüft werden müsse. „Es gab zum Beispiel die Idee, das Warmwasser in den Sporthallen in den Ferien abzuschalten.“ Der technische Aufwand sei aber zu hoch. In Schulen könne das Warmwasser nicht abgeschaltet werden, wenn Mensa oder Hausmeisterwohnung es benötigen. „Man muss gucken, was unter dem Strich tatsächlich Sinn ergibt, wo es nicht noch Pferdefüße gibt.“

Beim Reduzieren der Straßenbeleuchtung will die Stadt das Sicherheitsgefühl nicht subjektiv verschlechtern.

In der Diskussion ist auch, Beleuchtung zu reduzieren oder abzuschalten. „Der Schwerpunkt liegt auf Gas und der Wärme, nicht auf Strom“, doch auch in diesem Bereich werden Sparmöglichkeiten geprüft, sagt Johannes Slawig.

Bei Straßenlaternen werde es kein schematisches Vorgehen geben, dass beispielsweise jede dritte oder vierte Laterne abgeschaltet wird, sondern eine kleinteilige Betrachtung. „Die Folgewirkungen auf das Angstgefühl und die Verkehrssicherheit darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.“ Dennoch könne weniger Beleuchtung ein gut sichtbares Symbol sein und Aufmerksamkeit für das Thema schaffen. Alle Maßnahmen, die die Stadt beschließt, gelten nur für die städtischen Gebäude, betont Slawig. „Wir würden dazu aufrufen, dass Private sich anschließen.“

Die Stadt hat bei der Stadthalle angefragt, ob die Beleuchtung nachts ausgeschaltet werden kann.

Bei der Stadthalle beispielsweise hat die Stadt bereits angefragt, ob auf die Fassadenbeleuchtung verzichtet werden kann. Die Wuppertaler Stadtwerke wollen ein Zeichen setzen, sagt Sprecher Rainer Friedrich: „Als symbolische Geste werden wir in der kommenden Woche die Beleuchtung am Wasserturm Lichtscheid abschalten. Vielleicht lassen sich dadurch die Menschen in Wuppertal ja motivieren, auf unnötige Energieverbräuche zu verzichten.“ Bei der Beleuchtung der Schwebebahnstationen ändere sich nichts.

Die Bergische Universität Wuppertal hat ein weithin sichtbares leuchtendes Kunstobjekt an der Fassade, das „Meta-Licht“. Es „wurde von Beginn an als energieneutrales, nachhaltiges Kunstwerk geplant. Es wird aus Solarenergie gespeist und ist daher energetisch autark“, sagt Sprecherin Katja Bischof. Nachts werde das Licht aber ohnehin gedimmt und gehe aus.

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