Projekte

So soll sich der Zoo 2023 verändern

Dem Zoo stehen 2023 viele Aufgaben bevor – in einigen Projekten von Zoodirektor Arne Lawrenz und seinem Team geht es um die Elefanten.
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Dem Zoo stehen 2023 viele Aufgaben bevor – in einigen Projekten von Zoodirektor Arne Lawrenz und seinem Team geht es um die Elefanten.

Wuppertal. Strategien, neue Tiere und Bildung: Direktor Arne Lawrenz berichtet, was in diesem Jahr passiert.

Von Alina Komorek

Auf dem Schreibtisch von Arne Lawrenz liegt ein Kompass. Er funktioniert: Wenn er bewegt wird, zittern die Nadeln, bis er Norden gefunden hat. „Damit ich immer weiß, wo ich hin muss“, sagt der Zoodirektor. Den richtigen Weg zu finden, ist nicht immer einfach. Das Jahr 2023 wird im Zoo geprägt sein von Forschungsprojekten, von der Suche (und vielleicht vom Finden) eines Markenkerns und vom Wandern auf dem schmalen Grat zwischen Zoo-Erlebnis und tierwohlgerechter Haltung.

Dieses noch junge Jahr steht im Zeichen der Mission des Zoos: Wissen zu vermitteln und zu erklären, wie wichtig die Forschungsarbeit des Zoos ist. „Wir wollen wissen: Gehen die Leute schlauer aus dem Zoo raus, als sie hineingegangen sind?“, berichtet Lawrenz von einem Projekt mit der Universität. Dazu wurden einige Studierende befragt. Manche kennen den Zoo seit Kindertagen, sind sich aber nicht mehr sicher, ob sie nicht ein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie sich Tiere in Gehegen ansehen. Deshalb geht es im Jahr 2023 für Lawrenz um eine „Transformation des Zoos zu einem Zentrum für Tier- und Artenschutz“, dessen Besuch aber auch Spaß macht: „Das darf nicht langweilig sein.“ Deshalb braucht der Zoo Botschaften, die bis in den Alltag hineinreichen. „Was kann ich als Wuppertaler für den Artenschutz tun?“ Der Zoodirektor denkt vor allem an Tipps und Ratschläge, wie die Menschen bei der Ernährung oder mithilfe von Spenden die richtige Wahl treffen.

Weil er als Zoodirektor immer wieder kritisiert wird, erklärt er die schwierige Lage: Zum einen setzen sich Menschen, die die Tiere kennen, stärker für Tierwohl und Tierschutzmaßnahmen ein, zum anderen beschweren sich manche, dass die artgerechten Gehege zu groß sind, weil die Tiere nicht immer zu sehen sind. „Wir müssen erklären, das ist Absicht.“ Aus diesem Grund gibt es demnächst zwei neue Stellen: Eine für einen Bauingenieur, die bereits ausgeschrieben ist, damit das städtische Gebäudemanagement entlastet wird, und eine Kommunikations- und Bildungsstelle, damit die Forschungs- und Tierschutzprojekte des Zoos auch entsprechend vermittelt werden. Und dass durch die Smart City-Strategie der Stadt digitale Projekte umgesetzt werden, die die Zoogäste in virtuelle Welten entführen sollen, passe auch in den Bildungsauftrag, dem sich der Zoo verschreibt.

„Wir planen eine Erweiterung des Zoogeheges in eine afrikanische Savanne.“

Zoodirektor Arne Lawrenz

Um den Tierschutz geht es auch bei den Investitionen, die der Zoo 2023 plant. Weil Lawrenz die Zootiere als Botschafter ihrer (bedrohten) Art sieht, soll es den Afrikanischen Elefanten demnächst besser gehen: „Wir planen eine Erweiterung des Zoogeheges in eine afrikanische Savanne“, denn die Tiere sollen weitere Strecken laufen, Behandlungen sollen mit möglichst wenig Menschenkontakt vorgenommen werden. „Man kann Wildtiere nämlich artgerecht halten“, findet Lawrenz, der erst am Vortag von einer Forschungsreise aus Afrika zurückgekehrt ist.

Eine finanzielle Investition in diesem Jahr ist außerdem ein Elektrobagger, mit dem die Elefanten Futter bekommen – und der keine Abgase ausstößt. Der Zoo soll nämlich mit einem CO2-Projekt umweltneutral umgebaut werden. Dieses Projekt sowie das neue Elefantengehege sind schon im städtischen Haushalt vorgesehen – einen Spatenstich wird es im Laufe dieses Jahres aber wohl noch nicht geben.

Zu sehen gibt es laut Lawrenz in diesem Jahr aber trotzdem einiges: So ziehen die Roten Pandas in ihr neues Zuhause im wachsenden Bereich Kula Kangri, in dem auch ein Naturspielplatz, eine kleine Takinherde, Gorale (asiatische Huftiere, die Ziegen ähnlich sind) und ein Schopfhirsch-Pärchen aus Rotterdam Platz finden. Denn: „Wir fangen schon lange keine Tiere mehr aus der Natur ein, 80 bis 90 Prozent unserer Tiere werden im Zoo geboren“, erklärt Lawrenz. Außerdem bekommen ja die Seelöwen mehr Platz; ihr Gehege wird um das der ausgezogenen Eisbären ergänzt. „Die Tiere dürfen testen, ob sie die Stufen hochkommen.“ Bis die Seelöwen mehr Platz bekommen, werde es nur noch wenige Wochen dauern, bis die letzten Umbauarbeiten fertig sind.

Der letzte und auch einer der wichtigsten Punkte für den Zoodirektor und Tierarzt sind die Forschungsprojekte, vor allem bei den Elefanten: Denn mithilfe der Tiere im Zoo könnten Halsbänder getestet werden, über die die Wege der Tiere verfolgt und berechnet werden – um in der Natur zu vermeiden, dass Mensch und Tier sich den Lebensraum streitig machen. Aber auch der Bsal-Pilz, der den Feuersalamander bedroht, wird erforscht – um die Tiere zu schützen. Dieser Pilz verteilt sich so schnell, weil sich die Natur durch den (menschengemachten) Klimawandel verändert. Zum Nachteil der Tierwelt.

Um das zu ändern, möchte Lawrenz das noch junge Jahr nutzen, die Menschen über Möglichkeiten zum Natur-, Tier- und Umweltschutz informieren und schließlich etwas ändern. Zu seiner Mission für den Zoo passt deshalb nicht nur der Kompass auf seinem Schreibtisch, sondern auch eines der Bücher in seinem Regal: „Von Elefanten und Menschen.“

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