Künstliche Intelligenz

Simulator für das Auto von morgen an der BUW

Kamil Kowol zeigt im Simulator die Fahrt über den Campus Freudenberg. Foto: Andreas Fischer
+
Kamil Kowol zeigt im Simulator die Fahrt über den Campus Freudenberg.

Wuppertal. An der Bergischen Universität Wuppertal wird an der Zukunft des autonomen Fahrens geforscht.

Von Marvin Rosenhoff

Wer zum ersten Mal in Kamil Kowols Fahrsimulator sitzt, das Lenkrad in die Hand nimmt und langsam mit dem rechten Fuß das Gaspedal durchdrückt, bis sich das Auto auf dem Bildschirm in Bewegung setzt, denkt zwangsläufig an ein Computerspiel. Doch sobald der junge Mathematiker der Bergischen Universität Wuppertal beginnt, die rund 30 000 Euro teure Anlage und sein Projekt zu erklären, wird schnell klar: Mit Spaß hat das nicht viel zu tun.

Kowol schreibt gerade seine Doktorarbeit und beschäftigt sich darin mit der Entwicklung selbstfahrender Autos. Der Simulator dient dazu, ein neuronales Netzwerk so zu trainieren, dass es Menschen, Gebäude und andere Fahrzeuge in der Umgebung sicher erkennen kann. Im besten Fall ist der Computer dann in der Lage von alleine ein Auto zu steuern, ohne einen Unfall zu bauen. „Das Besondere ist, dass wir an unserem Simulator verschiedene heikle Situationen durchspielen können, dabei aber nicht wirklich jemanden gefährden“, erklärt Kowol.

Was bei Tesla die Kamera ist, ist bei uns das Signal aus dem Display.

Kamil Kowol, Doktorand

Denn die Daten, mit denen das neuronale Netzwerk während der Fahrsimulation gefüttert wird, stammen nicht aus dem echten Straßenverkehr, sondern ebenfalls von einem Computer. „Vereinfacht gesagt, versuchen wir, der KI beizubringen, alles, was man auf dem Bildschirm sieht, beim Fahren einer bestimmten Klasse zuzuordnen und zu erkennen, dass ein bestimmter Bildausschnitt zu einem Auto oder einem Haus gehört“, so Kowol. „Was bei Tesla die Kamera ist, ist bei uns das Signal aus dem Display.“ Dabei lerne die KI auch, dass bestimmte Klassen von Gegenständen oft zusammen vorkommen, etwa Menschen und Bürgersteige.

„Wir können hier alles ausprobieren, ungewöhnliche Situationen durchspielen und schauen wie die Maschine reagiert“, sagt Kowols Kollege Erik Freier. „Etwa bei einem Wildwechsel oder wenn bei einem Unfall mal ein Auto auf dem Kopf stehen sollte und für die KI daher nicht einfach zu erkennen ist.“ Freier leitet das Interdisziplinäre Zentrum Machine Learning and Data Analytics (IZMD), an dem Kowol für seine Doktorarbeit forscht.

Ein weiteres Ziel von Kowols Projekt besteht darin, herauszufinden, wie sich die Wahrnehmung von Mensch und Maschine unterscheidet. Denn manchmal reagiere die KI durchaus intelligenter als der Mensch, sagt Kowol. „Wenn eine Zeitung auf die Straße weht, dann kann es passieren, dass wir vor Schreck plötzlich das Lenkrad rumreißen“. Der Computer hingegen würde sofort erkennen, worum es sich handelt, einfach weiterfahren und keine unnötige gefährliche Situation provozieren, erklärt er.

Wann genau die Ergebnisse des Projekts für den Alltag nutzbar sein werden und die ersten selbstfahrenden Autos auf deutschen Straßen unterwegs sind, lässt sich nur schwer abschätzen. „Wir haben ja jetzt schon in manchen Autos ziemlich gute Fahrassistenzsysteme, die in brenzligen Situationen eingreifen und das Lenken übernehmen“, sagt Freier.

Autos in Europa werden nicht in absehbarer Zeit autonom fahren

Dass in absehbarer Zeit in Europa Autos ganz von alleine fahren werden, glaubt er allerdings nicht. „In den USA ist das ja in manchen Staaten schon der Fall, aber hier rechne ich nicht damit, dass wir das in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren erleben werden.“ Dies liege jedoch weniger am Stand der Technik, als vielmehr an der Gesetzgebung.

Schließlich gebe es mit Blick auf das autonome Fahren noch viele offene Fragen, die nichts mit der technischen Entwicklung zu tun haben. „Das sind zum Teil moralische Probleme, um die wir uns hier nicht kümmern. Etwa, was das Auto machen soll, wenn sich ein Personenschaden nicht vermeiden lässt“, erklärt Freier. „Auf jeden Fall sind wir froh, Menschen nur in der Simulation zu überfahren“, sagt er und lacht.

Kowols Projekt läuft noch bis März 2023. Am 21. Mai dieses Jahres findet auf dem Campus Grifflenberg der Uni Wuppertal ein Tag der offenen Tür statt. Anlass ist das 50-jährige Jubiläum der Universität. Dort besteht dann für alle Interessierten die Möglichkeit, einmal selbst in den Simulator zu steigen und das Gaspedal durchzutreten.

Stufen des autonomen Fahrens

Beim autonomen Fahren werden fünf Stufen unterschieden. Je höher die Stufe, desto selbstständiger fährt das Auto. Auf den Stufen eins und zwei wird der Fahrer beim Fahren unterstützt, etwa durch einen Tempomat oder eine automatische Abstandskontrolle. Ab Stufe drei überholt und bremst das Auto eigenständig. Auf der fünften Stufe fährt es komplett von selbst.

Am 21. Mai 2022 besteht für alle Interessierten beim Tag der offenen Tür der Bergischen Universität Wuppertal die Möglichkeit, von 11 bis 18 Uhr einmal selbst in den Simulator zu steigen und Gas zu geben. Anlass ist das 50-jährige Bestehen der Universität. Vom Campus Grifflenberg werden auch Shuttleführungen zu den Campus Freudenberg und Haspel angeboten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

17-Jährige Solingerin leidet seit Corona-Impfung unter Autoimmunkrankheit
17-Jährige Solingerin leidet seit Corona-Impfung unter Autoimmunkrankheit
17-Jährige Solingerin leidet seit Corona-Impfung unter Autoimmunkrankheit
„Damals waren wir hier Vorreiter“
„Damals waren wir hier Vorreiter“
„Damals waren wir hier Vorreiter“

Kommentare