Prozess

Seniorin betrogen – Polizisten stellen Tätern eine Falle

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Angeklagter nimmt 1500-Euro-Geldstrafe an.

Von Dirk Lotze

Solingen. Nach einem Betrugsanruf bei einer hochbetagten Solingerin hat ein 33 Jahre alter Angeklagter vor dem Landgericht Wuppertal seine Strafe angenommen: Der Mann war Fahrer für den Geldabholer einer Tätergruppe. Er braucht sechs Monate Freiheitsstrafe nicht zu verbüßen, wenn er 1500 Euro in Raten an eine gemeinnützige Einrichtung zahlt. Die „falschen Polizisten“ waren an das falsche Opfer geraten: Ein Sohn der Geschädigten ist echter Polizist. Seine Kollegen fassten die Täter mit einer Falle.

Mit ihren Anrufen vom Oktober 2019 hatten abwechselnd mehrere Männer der Seniorin vorspielen wollen, sie seien Kriminalbeamte und es drohten Einbrüche. Die Frau solle ihr Geld „zur Sicherheit“ an einen Abholer übergeben. Zusätzlich zur Haushaltskasse sollte sie einen weiteren Betrag von ihrer Bank abheben. Die Seniorin spielte auf Anleitung der Polizei auf Zeit. In den über mehrere Tage verlaufenden Verhandlungen addierte sich die Summe schließlich auf knapp 10 000 Euro.

Den Abholer warb die Gruppe laut späterer Aussagen in einem Ratinger Café an: Er sollte gegen Bezahlung an der Haustür der Seniorin einen Umschlag annehmen – ohne Fragen zu stellen oder zu beantworten.

Angebliche Übergabe war mehrfach abgesichert

Der Mann willigte ein. Die angebliche Übergabe war mehrfach abgesichert: Der Umschlag enthielt kein Geld und war markiert. Im Haus der Solingerin hielt sich eine bewaffnete Kriminalbeamtin bereit. Als der Abholer da war, trat sie aus dem Hausflur an die Tür, um ihn festzunehmen. Der Mann versuchte, zu fliehen. Er wurde noch im Umfeld von weiteren Polizisten ergriffen.

Aufgefallen war ebenfalls das Auto des Angeklagten. Er wurde vom Abholer belastet, der laut Polizisten spontan rief: „Da ist ja der Mann, der mich gefahren hat.“ Die Strafe für den Fahrer hatte das Amtsgericht Solingen in einer Verhandlung im Februar 2022 nicht rechtskräftig festgesetzt: Der Mann sei Mittäter. Über seine folgende Berufung musste das Landgericht verhandeln. Die Vorsitzende Richterin verdeutlichte ihm seine geringen Aussichten: Einerseits habe das Urteil Schwachstellen und es müsse geprüft werden, ob er als Fahrer womöglich nur Gehilfe war. Anderseits müsse die Strafe dadurch nicht unbedingt milder ausfallen: „Wie es der Geschädigten nach der Tat geht, ist ein wichtiger Gesichtspunkt für die Zumessung der Strafe.“

Das gab den Ausschlag: Der Angeklagte verzichtete auf die Fortsetzung des Verfahrens. Das entspricht rechtlich einem Geständnis. Der Abholer der Gruppe war für eine Zeugenaussage im Prozess nicht greifbar: Dieser Mann ist in Ratingen bei einer Hilfsstelle für Obdachlose gemeldet, wo er seine Post abholt.

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