Seine Idee hilft gegen den Klimawandel

Karl Peter Hasenkamp ist Ehrenvorsitzender des Vereins Prima Klima. Ihm liegt das Wohl der Erde am Herzen. Foto: Stephan Köhlen
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Karl Peter Hasenkamp ist Ehrenvorsitzender des Vereins Prima Klima. Ihm liegt das Wohl der Erde am Herzen. Foto: Stephan Köhlen

Karl Peter Hasenkamp gründete 1991 den Verein Prima Klima, der sich die Aufforstung für die CO2-Minimierung auf die Fahnen schreibt

Von Hanna Eisenbart

Mettmann Mal wieder stand er im Stau. Die A 3 war verstopft. Karl Peter Hasenkamp musste die graublauen Abgase der Lastwagen einatmen und war ziemlich sauer darüber, dass sich kein Mensch Gedanken darüber macht, ob der Erdkreis soviel Dreck überhaupt aushalten kann. Dabei sah er sich durchaus als Teil des Problems. Er liebt es, mit seiner Familie in Mettmann zu wohnen. Zum Arbeitsplatz nach Bonn musste er lange Jahre pendeln. Irgendwann hatte sich auch dieser Autostau aufgelöst. Nicht aber der Gedanke an die Luftverschmutzung. Aus Mettmann heraus wurde so für rund 20 Millionen neue Bäume gesorgt.

Aber der Reihe nach. Karl Peter Hasenkamp begann nachzuforschen. Der wichtigste klimarelevante Bestandteil der Abgase ist das Kohlendioxid, CO2. Hasenkamp fasste nach gründlichen Recherchen, Überlegungen und Gesprächen den Entschluss, etwas gegen die Luftverschmutzung zu unternehmen: Er gründete 1991 mit gleichgesinnten Freunden den Verein Prima Klima. Dabei ist „K. P.“ Hasenkamp beileibe kein Naturwissenschaftler. Beharrlich arbeitete sich der Banker und Unternehmensberater in die Thematik ein. Seine Grundidee war, die CO2-Belastung der Erde durch großflächige Aufforstungen zu minimieren, vielleicht sogar zu neutralisieren.

24 Jahre war der Ökologe aus Überzeugung Vorsitzender von Prima Klima. 2015 übergab er den Vorsitz in jüngere Hände. Heute hat der Verein über 200 Mitglieder, darunter um die 160 Einzelpersonen und rund 40 Firmenmitgliedschaften. In den vergangenen 30 Jahren sind in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Welt mehr als 20 Millionen Bäume gepflanzt worden. Seitdem Greta Thunberg die Welt wachrüttelt, brummt das Geschäft bei Prima Klima. P. Hasenkamp sagt: „Greta ist die Allegorie des kollektiv schlechten Klima-Gewissens“.

Helfen kann jeder – entweder durch eine Mitgliedschaft oder auch Einzelspenden. Ein Baum in Deutschland kostet fünf Euro und in Mittel- und Südamerika nur drei Euro. Neben den gepflanzten Bäumen wird auch die Menge des eingebundenen CO2 erfasst, extern geprüft und in Form von Zertifikaten festgehalten. So können sich Privathaushalte CO2 neutralisieren. Ein „normaler“ Haushalt stößt etwa 15 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in die Luft; er müsste Jahr für Jahr nur 225 Euro für junge „prima Klima“-Bäume spenden, um klimaneutral zu werden.

Prima Klima sorgt auch bei Firmen für einen Ausgleich, zum Beispiel beim großen Transportunternehmen GLS, das mit vielen Hundert Kleintransportern auf den Straßen unterwegs ist, um Pakete und Briefe zuzustellen. Hier sorgt die Firma über ihr Engagement bei Prima Klima für einen Ausgleich. Die 8000 Mitarbeiter können nun in dem Bewusstsein arbeiten, dass sie das klimaneutral tun.

Auch früher fielen viele Bäume dem Menschen zum Opfer

Wenn K. P. Hasenkamp erzählt, holt er weit aus. Er berichtet, dass es in Deutschland um 1300 nach Christus kaum noch einen Baum gegeben habe. Die riesigen Wälder, auch die in Holland, Großbritannien und Frankreich, waren den Bedürfnissen der Menschen beim Bergbau, Hausbau, Brennholz, Salzsieden, Ziegelbrennen oder dem Schiffsbau zum Opfer gefallen. Erst vor etwa 300 Jahren wurde von Carl von Carlowitz im Königreich Sachsen der Begriff der „forstlichen Nachhaltigkeit“ geprägt und umgesetzt. In Sachsen musste für jeden Baum, der für den Bergbau gefällt wurde, ein neuer Baum gepflanzt werden. In Tharandt nahe Dresden wurde 1811 die erste Forstfakultät gegründet, die heute Bestandteil der Technischen Universität Dresden ist. Und wenn man sich vorstellt, dass die Wüste von der Küste Nordafrikas um mehrere 100 Kilometer nach Süden bewaldet war, scheint dies unvorstellbar zu sein. Aber hier hatten schon die alten Phönizier, Römer und Karthager die Wälder abgeholzt und die Stämme zum Schiffsbau und für andere Zwecke verwendet.

In einer Höhle starben reihenweise Hunde

Das Roden ganzer Wälder nimmt dem Globus seit Jahrtausenden die Luft zum Atmen. Das hatte bereits um 400 v. Chr. der altgriechische Philosoph Platon beklagt. CO2 ist in hoher Konzentration tödlich. In einer Höhle nahe Neapel wurden Hunderte Knochen toter Hunde gefunden. Noch vor 200 Jahren war es ein Rätsel, warum Menschen gefahrlos hineingehen konnten, aber mitgeführte Hunde sehr schnell ohnmächtig wurden. Erst die Erkenntnis, dass CO2 schwerer ist als Luft, brachte die Erklärung: Das Kohlendioxid sackte ab, die streunenden Hunde atmeten es in Bodennähe ein und starben sehr schnell. Woher die hohe CO2-Konzentration stammte, ist mittlerweile ebenfalls erforscht: Das Klimagas entweicht aus dem vulkanischen Gestein der Höhle.

Der Wald und der Baum sind verbunden mit den Ursprungsmythen der Menschheit. Das gilt für nahezu allen Kulturen zu Hause. Der Baum der Erkenntnis, der Baum im Paradies stehen mit am Beginn der Biblischen Geschichte. Auch in unzähligen Sprichwörtern findet der Baum Verwendung: Wer sich stark fühlt, könnte Bäume ausreißen. Wer nicht aufpasst, sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Letzteres wäre ungerecht, angesichts der Leistung von Prima Klima, der guten Idee aus Mettmann: Alle von Prima Klima gepflanzten Bäume zusammengenommen, ergäben einen zehn Kilometer breiten grünen Waldstreifen von Mettmann bis an das Ufer des Rheins. Für seine Beharrlichkeit und Überzeugungskraft bekam Karl Peter Hasenkamp ein Bundesverdienstkreuz und die Ehrendoktorwürde der Universität zu München. Und völlig klar: Er ist Ehrenvorsitzender von Prima Klima.

Verein

Der Verein Prima Klima unterstützt Forstprojekte in Uganda, Bolivien, Deutschland und Nicaragua.

www.primaklima.org

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