Diskussion

Seilbahngegner bringen Brandschutz ins Spiel

+
Die verunfallte Seilbahnkabine der Zugspitzseilbahn hing nach einem Zwischenfall im September an der Bergstation. 

WUPPERTAL In einem Newsletter zeigt der Verein Seilbahnfreies Wuppertal Fotos von Unfällen.

Von Andreas Boller

Daumen rauf oder Daumen runter? Ob die Wuppertaler Stadtwerke in ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren zum Bau der Seilbahn einsteigen und ob der Stadtrat diesem Plan zustimmt, entscheidet sich voraussichtlich noch in diesem Jahr. Dass die Planungen in eine entscheidende Phase eintreten, motiviert ganz offensichtlich den Verein „Seilbahnfreies Wuppertal“, die Tonalität des Protestes gegen das Projekt der Stadtwerke zu verschärfen.

In ihrem aktuellen Newsletter zeigt die Initiative Fotos von Seilbahnunfällen, darunter auch Bilder von dem Brand der Seilbahn-Mittelstation in Chamonix sowie der Kollision einer Gondel der Zugspitzbahn mit einer Bergungsgondel während einer Rettungsübung. Außerdem warnt sie davor, die Optik des Döppersberg durch eine aus technischen Gründen überproportionierte Talstation zu zerstören.

Von den Kosten der Talstation hängt Fortgang des Projektes ab

Sind Seilbahnen ein unsicheres Verkehrsmittel? Kai Koslowski vom Verein Seilbahnfreies Wuppertal verneint diese Frage. Gemessen an der Zahl der beförderten Personen und der zurückgelegten Distanzen treffe das sicherlich nicht zu. „Der Initiative geht es darum, anhand von Beispielen aus den vergangenen Monaten zu verdeutlichen, dass es zu solchen Zwischenfällen kommen kann. Die Mittelstation in Chamonix ist komplett ausgebrannt. Da die Seilbahn in Wuppertal über bewohntes Gebiet führen soll und bei einem Brand Kabel reißen könnten, müsste auf den vorbeugenden Brandschutz ganz besonderer Wert gelegt werden“, sagt Kai Koslowski.

Die Initiative geht davon aus, dass die Stadtwerke den Kostenfaktor vorbeugender Brandschutz bisher nicht entsprechend seiner Bedeutung in ihre Berechnungen haben einfließen lassen. Die Erfahrung habe jedoch gelehrt, dass gerade für den Brandschutz bei vielen Bauvorhaben ein großer finanzieller und organisatorischer Aufwand betrieben werden müsse. „Grundsätzlich sind die Kosten für den Brandschutz in der Gesamtsumme pauschal berücksichtigt, aber sie sind nicht detailliert ausgewiesen worden“, sagt hingegen Stadtwerkesprecher Holger Stephan.

Die Kostenberechnung sei sehr aufwendig und könne daher erst Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens sein. Sollten dabei Kosten für den vorbeugenden Brandschutz ermittelt werden, die die Wirtschaftlichkeit des Seilbahnprojektes gefährdeten, müssten daraus die Konsequenzen gezogen werden. „Die WSW haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass das Projekt auch zu einem späteren Zeitpunkt noch scheitern kann“, sagt Stephan.

Dass die jüngsten Seilbahnunfälle in den Alpen von den Seilbahngegnern in einen Bezug zum Seilbahnprojekt in Wuppertal gebracht werden, bezeichnet Holger Stephan dagegen als „unfair“. „In den Alpen ist eine Holzkonstruktion abgebrannt, wir planen dagegen ein Gebäude aus Glas und Stahl.“

Das Planfeststellungsverfahren wird nur dann eröffnet, wenn der Bau der Talstation auf einem Grundstück am Hauptbahnhof nicht den finanziellen Rahmen mit Investitionskosten von 82,7 Millionen Euro sprengt. Diese Prüfung ist laut WSW noch nicht abgeschlossen. Am 7. Dezember tagt der WSW-Aufsichtsrat. Am 17. Dezember findet die letzte Ratssitzung in diesem Jahr statt.

DISKUSSION ÜBER TALSTATION

BESCHLUSS Beim Grundsatzbeschluss zum Bau der Seilbahn hat der Rat der Stadt eine Bedingung gestellt: Die Seilbahnpläne werden nur dann weiter verfolgt, wenn das Grundstück für den Bau der Talstation verfügbar ist und das Projekt im Kostenrahmen bleibt. Die Verfügbarkeit scheint gesichert. Aktuell lassen die Stadtwerke als Bauträger prüfen, ob das Projekt inklusive der Kosten für die Talstation im Budget von 82,7 Millionen Euro bleibt.

KRITIK Der Verein Seilbahnfreies Wuppertal hat in seinem Oktober-Newsletter eine dritte Frage zur Talstation gestellt: Passt diese Station zum neu gestalteten Döppersberg? Dass die Seilbahngegner daran Zweifel haben, lassen Simulationen erkennen, die sie gefertigt haben. Sie zeigen einen riesigen Kasten, der selbst die unter Denkmalschutz stehende Bahndirektion in den Schatten stellt. Die Größe des Gebäudes sei der Beschleunigung der Gondeln auf Seilgeschwindigkeit in der Talstation geschuldet , sagt der Verein.

REAKTION „Diese Simulation entbehrt jeglicher Grundlage. Die Talstation wird kein Fremdkörper auf dem Döppersberg sein“, sagt Stadtwerkesprecher Holger Stephan. ab

Peter Vorsteher, Vorsitzender des Vereins Pro Seilbahn, der als Stadtverordneter der Grünen im Rat sitzt, weist pauschale Sicherheitsbedenken gegenüber dem Seilbahn-Projekt zurück. „Die neue Seilbahn-Generation ist für einen Betrieb bei Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h zugelassen“, sagt Vorsteher. Er bedauert, dass das Projekt nicht schon weitere Hürden genommen habe. „Wären wir mit dem Seilbahnprojekt schon weiter, dann hätte Wuppertal ein starkes Argument gegen die Klage der Deutschen Umwelthilfe, die wegen der Luftbelastung Fahrverbote für Dieselfahrzeuge fordert, in der Hand“, sagt Vorsteher.

Seit dem Ende der Großen Kooperation im Wuppertaler Rathaus wird intensiver über einen Ratsbürgerentscheid zum Seilbahn-Projekt nachgedacht. Diese Möglichkeit bewerten Befürworter und Gegner zurückhaltend. „Wir führen keine politische Diskussion“, sagt Kai Koslowski von der Initiative Seilbahnfreies Wuppertal. „Ratsbürgerentscheide haben in der Vergangenheit leider schon in einigen Städten für das Aus vielversprechender Verkehrsprojekte gesorgt“, sagt Peter Vorsteher.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

„Der schönste Job am ganzen Flughafen“
„Der schönste Job am ganzen Flughafen“
Die ungewisse Zukunft der Düsseldorfer Umweltspur
Die ungewisse Zukunft der Düsseldorfer Umweltspur
„Franziskaner“ zieht ins Wuppertaler Sticher-Haus
„Franziskaner“ zieht ins Wuppertaler Sticher-Haus
Verpuffung in Sonnborn: Fünf Personen aus Haus gerettet
Verpuffung in Sonnborn: Fünf Personen aus Haus gerettet

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren