Auto rast in Urlauber

Sechs Tote bei Unfall in Südtirol - zwei Opfer aus Wuppertal

+
Zwei Einsatzkräfte der Carabinieri rekonstruieren den Unfallhergang. Blumen, Kerzen und Gedenkschmuck liegen am Ort des Unfalls.

LUTTACH/WUPPERTAL Sie waren in den Skiferien und kamen von der Disco zurück. Da rast ein Autofahrer in eine Gruppe junger deutscher Touristen im Südtiroler Ort Luttach.

Es gibt viele Tote. Der Fahrer hatte wohl fast 2 Promille. Vier Opfer sollen aus NRW kommen, zwei davon aus Wuppertal.

Ein vermutlich betrunkener Autofahrer ist in eine Gruppe deutscher Skitouristen in Südtirol gerast und hat sechs junge Menschen getötet. Die Urlauber im Alter zwischen 20 und 25 Jahren seien in der Nacht zu Sonntag in Luttach noch am Unfallort gestorben, bestätigte die Feuerwehr.

Die meisten Todesopfer stammen nach derzeitigen Erkenntnissen aus Nordrhein-Westfalen. Das hat Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Sonntag über Twitter bekannt gegeben. Zwei der Todesopfer sollen aus Wuppertal kommen, wie ein Sprecher der Polizei unserer Redaktion bestätigte. Weitere Angaben zu den betroffenen Personen machte die Polizei nicht. Entgegen der Aussage eines Sprechers der Polizei in Bozen, die dieser gegenüber der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag gemacht hatte, sei der Wuppertaler Polizei kein weiteres Opfer aus Remscheid vom Landeskriminalamt gemeldet worden.

Elf Menschen seien verletzt worden. Vier von ihnen hätten schwerste Verletzungen erlitten, ein Mensch kämpfte ums Überleben.

Unter den Verletzten sind auch zwei Südtiroler, die übrigen stammen aus Deutschland. Der Fahrer des PS-starken Sportwagens war vermutlich stark betrunken, als er die Touristen tötete. Ein Polizeisprecher in Bozen sagte der dpa, ein erster Test habe mehr als 1,9 Promille ergeben. Ob es ein Atem- oder Bluttest war, war unklar. Der Mann, ein 27 Jahre alter Mann aus der Region, sei in ein Krankenhaus gekommen und werde auch auf Drogen untersucht. Der Fahrer wurde festgenommen. Ihm wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Gruppe war in den Skiferien und in dem Wintersportort auf dem Heimweg von einem Discobesuch. Gegen 1.15 Uhr nachts stiegen die junge Leute aus einem Shuttlebus und überquerten die Hauptstraße, wie ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur erzählte. Das Auto sei viel zu schnell unterwegs gewesen.

Tote müssen noch abschließend identifiziert werden

Ihre Unterkunft lag ganz in der Nähe der Unfallstelle. Die Ermittler gehen von einem Unfall und nicht von einer absichtlichen Tat aus. Die Toten müssen noch abschließend identifiziert werden. Vier der Todesopfer stammen aus Nordrhein-Westfalen, wie aus Regierungskreisen in Düsseldorf verlautete.

Der Polizeisprecher sagte der dpa, ein Opfer käme aus Köln. Die Identifizierung sei schwierig, weil die Angehörigen der Gruppe sich untereinander nicht gekannt und einige keine Ausweise dabei gehabt hätten.

„Dieses schreckliche Unglück macht mich fassungslos und unendlich traurig“, schrieb NRW-Ministerpräsident Laschet auf Twitter. „Dieser Tag ist ein trauriger Tag für unser ganzes Land.“ Die jungen Menschen „wollten gemeinsam eine gute Zeit erleben - und wurden von einer Sekunde auf die andere aus dem Leben gerissen oder schwer verletzt“, schrieb er.

In der Touristenregion herrscht Entsetzen

Auch in der Touristenregion herrschte Entsetzen: „Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie“, sagte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher auf einer Pressekonferenz in Luttach. „Wir sind alle geschockt.“ Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, Mitarbeiter des Generalkonsulats Mailand stünden im Kontakt mit den zuständigen italienischen Behörden, die mit der Identifizierung der Verunglückten befasst sind und unterstützten bei der Betreuung der Betroffenen. Der deutsche Botschafter in Italien, Viktor Elbling, war unterwegs zur Unfallstelle.

Von den vier Schwerverletzten mussten nach Angaben der Feuerwehr drei vor Ort intubiert werden: Eine Frau kam ins Krankenhaus Bruneck, ein Mann ins Regionalkrankenhaus Bozen und eine schwerstverletzte Frau und ein schwerstverletzter Mann in die Universitätsklinik Innsbruck.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun nicht nur, ob der Mann im Rausch war, sondern auch, ob er zu schnell unterwegs war. In Luttach gab es nach dpa-Informationen aus dem Ort seit längerem Klagen über Autos, die auf der Hauptstraße rasen und über mangelnde Kontrollen.

Ein Sprecher der Feuerwehr in Luttach sagte der dpa, die Menschen seien auf der Hauptstraße des Ortes unterwegs gewesen. 160 Einsatzkräfte waren vor Ort.

Die Gegend liegt in Italien an der österreichischen Grenze und ist als Ski- und Wintersportgebiet bekannt. Luttach ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, das etwas mehr als 1000 Einwohner hat. Es liegt in der Nähe von Bruneck. Der Ort ist bekannt bei deutschen Jugendgruppen, die zum Skifahren kommen.

Der Bürgermeister von Luttach, Helmut Gebhard Klammer, sprach von einer „Katastrophe“, wie sie das Tal noch nie erlebt habe. „Wir sind fassungslos“, sagte er und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Gleichzeitig rief er zu einer „fairen Berichterstattung“ auf, dass der Unfall keinen „großen Schatten für die Zukunft auf unsere Talschaft wirft“.

In Südtirol kamen erst vor einer Woche mehrere Deutsche ums Leben: Am vergangenen Samstag verschüttete eine Lawine Skifahrer auf der Piste im Schnalstal. Eine Deutsche Mutter mit ihrer Tochter aus Thüringen und ein Mädchen aus NRW starben.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Viele Feste: Trödeln, feiern, schlemmen
Viele Feste: Trödeln, feiern, schlemmen
Kaiserwagen wird bei Ebay angeboten
Kaiserwagen wird bei Ebay angeboten
Welterbe-Anwärterin ist 2021 fertig saniert
Welterbe-Anwärterin ist 2021 fertig saniert
Überfall auf Tankstelle in Langerfeld:Mitarbeiterin mit Messer bedroht
Überfall auf Tankstelle in Langerfeld:Mitarbeiterin mit Messer bedroht

Kommentare