Ab 2023

E-Scooter: Was Wuppertal von Solingen lernt

E-Scooter mitten auf dem Gehweg: Die Roller sorgen in Solingen mitunter für Konflikte.
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E-Scooter mitten auf dem Gehweg: Die Roller sorgen in Solingen mitunter für Konflikte.

In Wuppertal wird an den letzten Details gearbeitet, denn bald sollen die E-Scooter auch dort kommen.

Von Anne Palka

Wuppertal. In diesem Jahr sollen sie erstmals auf Wuppertals Straßen unterwegs sein: E-Scooter, elektrisch betriebene Tretroller. Derzeit wird an den letzten Details gearbeitet, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. In den nächsten Wochen soll die Politik die Vertragsentwürfe bekommen. Längst nicht alle Politiker sind begeistert von dieser Idee. In Diskussionen verwiesen sie auf Erfahrungen aus Berlin, Köln und Düsseldorf, wo die Fahrzeuge in die Spree oder den Rhein geschmissen werden, Taucher sie wieder aus dem Fluss holen müssen. Wo sie mitten auf den Gehwegen abgestellt werden, den Platz für Fußgänger und insbesondere Menschen mit Rollator oder Kinderwagen versperren.

Verbotsflächen und verbesserte Handy-Apps

Um aus Erfahrungen zu lernen, genügt aber schon der Blick in Wuppertals Nachbarstadt Solingen – die außerdem Ähnlichkeiten hat, was die Aufteilung in Stadtteilzentren und die Topografie betrifft. Seit Mai 2021 gibt es dort die Möglichkeit, E-Scooter auszuleihen.

Das Angebot hat mit rund 1000 Rollern von drei Anbietern begonnen: Lime, Bird und Tier. Für jeden Anbieter müssen die Nutzer eine Handy-App herunterladen. Bei einem ST-Test zeigte sich, dass nicht in jedem Gebiet Solingens zeitgleich Roller aller drei Firmen vor Ort sind, eine bessere Verteilung sei wünschenswert, um nicht mehrere Minuten zum nächsten verfügbaren Roller laufen zu müssen. Die Nutzung selbst sei aber einfach. „Draufstellen, einmal Schwung mit dem zweiten Bein nehmen, und dann mit den Händen Gas und Bremse steuern.“ Das sei intuitiv. „Beim Fahren bergauf kann man mit dem Schwungbein unterstützen, um schneller zu werden, ansonsten schafft der Roller seine 20 Stundenkilometer auf gerader oder abschüssiger Strecke gut von selbst.“ In Wuppertal wurde als Gegenargument für die E-Scooter immer wieder angeführt, dass sie die Höhen ohnehin nicht erreichen könnten.

Passend dazu: Mit dem E-Scooter nachhaltig unterwegs? Das sagen Stadt, Umweltbundesamt und Anbieter

Ein Foto beim Abstellen machen

In Sozialen Medien waren in Solinger Gruppen immer wieder Beschwerden über die Fahrer zu lesen. Sie würden nicht die Fahrradwege oder die Straße nutzen wie vorgeschrieben, sondern die Gehwege. Auch über eine rücksichtslose Fahrweise wird geklagt.

Nach wenigen Monaten mit den E-Scootern, im September, verhandelte die Stadt Solingen erneut mit den Anbietern – über neue Verträge und damit neue Regeln. „Bislang wird das Angebot sehr gut angenommen. Wie bei allen Neuerungen kommt es aber an verschiedenen Stellen noch zu Problemen mit dem neuen Verkehrsmittel“, sagte Stadtsprecher Daniel Hadrys. Die Unternehmen sollten Gebühren zahlen müssen und es sollte bestimmte Flächen geben, an denen die E-Scooter explizit (nicht) abgestellt werden dürfen. Etabliert habe sich, dass die Nutzer beim Abstellen ein Foto machen müssen, um zu verhindern, dass die Roller kreuz und quer auf den Gehwegen sind.

Gespräche und Ortstermine

Mitglieder des Behinderten- und Seniorenbeirats hatten sich kritisch geäußert, denn vielen Menschen sei es nicht möglich, die Roller rasch aus dem Weg zu räumen. Gespräche und Ortstermine an Problemstellen sollten Verständnis und Abhilfe schaffen. Die Anbieter hätten ihre Handy-Apps verbessert, um deutlicher auf die Regeln aufmerksam zu machen. Außerdem werde eine Lösung entwickelt, die auf künstlicher Intelligenz basiert und direkt auf Fehler aufmerksam machen soll, wenn ein Roller beispielsweise auf einem Leitsystem für Menschen mit Sehbeeinträchtigung abgestellt werde.

Im November 2022 veröffentlichte Solingen Zahlen: Die Roller würden monatlich 27 000 Mal genutzt. Seien es anfangs vor allem „lange Spaßfahrten“ gewesen, sei die durchschnittliche Fahrt mittlerweile 1,5 Kilometer lang, so Dezernent Andreas Budde. „Wir wissen aus der Forschung, dass Strecken bis 1000 Meter oft zu Fuß zurückgelegt werden. Die Scooter füllen eine Lücke zwischen Fuß- und Radverkehr.“

Verhandlungen

Dezernent Arno Minas kündigte an, den Anbietern in den Verträgen einige Vorgaben machen zu wollen. Sie sollen Ende 2023 automatisch enden, um Verlängerungen individuell verhandeln zu können. Minas wünscht sich Verbotszonen und Vorhalteflächen, eine Beschwerde-Hotline und Sanktionsmöglichkeiten.

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