Schwebebahn kommt nicht aus Krisenmodus

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Die neue Schwebebahn kommt nicht recht in Fahrt. Immer wieder werden neue Fehler entdeckt. Archivfoto: Roland Keusch

Sieben Stunden Stillstand im September: Das neue Betriebssystem läuft nicht rund.

Von Andreas Boller

Wuppertal. Wegen einer Funkstörung blieb die Schwebebahn gestern längere Zeit stehen. Eine Funkstörung war Ursache. Schlussendlich musste die Bahn von einer anderen Bahn bis in die Endhaltestelle Oberbarmen geschoben.

Der Zwischenfall passt in eine Reihe von Störungen. Seit dem 1. September werden die Fahrten der Schwebebahnen mit einem neuen Betriebssystem über eine gemeinsame Leitstelle für Busse und Bahnen an der Wartburgstraße gesteuert. Noch läuft nicht alles rund. Nach Angaben der Wuppertaler Stadtwerke standen die Bahnen im September 410 Minuten still.

Die Ursachen sind technische Probleme (42 Prozent), Fehler in betrieblichen Abläufen (20 Prozent), technische Störungen an Fahrzeugen (22 Prozent) sowie Rettungseinsätze und eine Weichenstörung. Doch auch längerfristig gibt es Probleme. So kann Ulrich Jaeger, Geschäftsführer der WSW mobil GmbH, nicht ausschließen, dass die Drehgestelle an allen 31 Bahnen ausgetauscht werden müssen. 2017 war es zur Berührung einer Bahn mit dem Schwebebahngerüst gekommen. Seitdem darf die Bahn nicht schneller als 40 Kilometer pro Stunde fahren. So ist ein Zweiminuten-Takt nicht möglich.

In der Geschichte der Schwebebahn ist es das dritte Betriebssystem, das zum Einsatz kommt. Das Vorherige wurde seit den 1960-er Jahren eingesetzt. Was die Kapazität der Beförderung von Fahrgästen angeht, hatte dieses System seine Grenzen erreicht.

„Sieben Stunden Stillstand im September - das ist deutlich zu viel. Das kann uns nicht gefallen“, sagt Christian Kindinger, Leiter Verkehrsmanagement der WSW. Im Fahrgastbetrieb habe sich das System anders verhalten als zuvor im Probebetrieb während der monatelangen Betriebspause. Den 410 Minuten Stillstand der Bahnen stellt Kindinger 31 228 Minuten gegenüber, in denen die Schwebebahn problemlos fuhr. Die Systemverfügbarkeit habe bei fast 99 Prozent gelegen, mit dem alten System wurden knapp über 99 Prozent erreicht.

Fahrgäste sind verunsichert bei einem Stillstand auf der Strecke

„An den Kundenreaktionen merken wir, dass es Irritationen darüber gibt, dass wir häufiger auf der Strecke stehenbleiben und nicht im Bahnhof. Seit vier Wochen setzen wir das neue System und ausschließlich die neuen Wagen ein. Die haben immer noch Kinderkrankheiten, sie haben einen extrem hohen Räderverschleiß. Wir haben Auffälligkeiten beim Material des Drehgestells. Wir haben Probleme bei der Klimatisierung, es floss Wasser in die Bahnen. Wir haben Fußböden, die sich wellen. Wir haben die Klappsitze vorne rausgenommen. Das hat in der Praxis nicht funktioniert, weil die Leute für Menschen mit Rollatoren und Kinderwagen nicht aufgestanden sind. Es sind Kleinigkeiten, die alle nicht sicherheitsrelevant sind, sie führen aber dazu, dass wir immer wieder Bahnen aus dem System nehmen müssen, um Veränderungen und Reparaturen vorzunehmen“, sagt Jaeger. Dies sorge unter anderem für die Staus auf der Strecke.

Die Umstellung laufe insgesamt relativ gut. „Unser Anspruch ist aber, dass wir auf mindestens 99,5 Prozent Systemverfügbarkeit kommen. Die ersten Tage waren Mist, das kann man nicht schönreden.“

Eine unbedenkliche Folge des neuen Betriebssystems sei, dass die Bahnen häufiger auf freier Strecke zum Stehen kommen. „Das hat etwas mit der Blockteilung auf der Strecke zu tun. Früher konnte keine Bahn eine Station verlassen, wenn sich auf dem Streckenabschnitt vor ihr eine andere Bahn befand. Das neue System sieht eine Blockeinteilung von 25 auf 38 Blöcke vor, und die Blockgrenze liegt 200 Meter vor einer Schwebebahnstation“, sagt Christian Kindinger.

Noch muss die Leitstelle die Abstände regeln

In Vohwinkel würden Baumaßnahmen in der Wagenhalle vorgenommen. Dadurch sei vorgekommen, dass Fahrzeuge in einer Rückwärtsfahrt aus der Halle auf die Strecke eingesetzt werden mussten. „Durch diese Rückwärtsfahrten in Vohwinkel oder Oberbarmen dauert das Einsetzen der Wagen länger. So rücken die Fahrzeuge wegen der neuen Blockeinteilung weiter auf und bleiben dann an den Blockgrenzen vor der Einfahrt in die Station stehen. „In einer solchen Situation sind die Fahrer angehalten, die Fahrgäste über den Grund der Verzögerung zu informieren“, sagt Kindinger.

Geplant war, dass die Zugabstände komplett technisch über das neue System reguliert werden. „Wir nutzen diese Technik aber noch nicht, weil sie aktuell größere Probleme für die Fahrgäste verursachen.“ Die Stadtwerke versprechen, dass hier nachgerüstet wird.

Ziel ist der Zweiminuten-Takt mit Tempo 60 Stundenkilometer. „Wir arbeiten in Zusammenhang mit dem Hersteller daran. Es sind zurzeit 26 Züge in der Rotation, die in der 40 km/h Regelung gefangen sind. Wir möchten wieder die Möglichkeit der angepassten Fahrweise haben“, sagt Geschäftsführer Jaeger. Und er kündigt an: „Der Hersteller muss an das Drehgestell ran, das wird konstruktive Veränderungen erfordern.“

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