Abgeschaltet

Das Schwebebahn-Gerüst bleibt dunkel

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Mit Lichtaktien wurde die Beleuchtung anfangs finanziert. 

WUPPERTAL Wuppertal begräbt Idee aus dem Jahr 2003. Bürger besitzen nun wertlose Licht-Aktien.

Von Daniel Neukirchen

Die Stadt Wuppertal hat die Beleuchtung des Schwebebahn-Gerüsts zwischen Hauptbahnhof und Kluse bis zum Sommer 2019 sukzessive abgeschaltet - und kaum einer hat es gemerkt oder sich beschwert. Nur Schwebebahn-Fan Norbert Bernhardt, der von seiner Wohnung aus direkt auf die Schienen blickt, forderte jüngst in einem Bürgerantrag die LED-Illumination zurück. Der Rat lehnte das ab - mit Verweis auf die Finanzen. Wie Kämmerer Johannes Slawig unserer Redaktion sagte, sei die Technik veraltet und teilweise beschädigt.

Blick zurück: 2003 war fast die ganze Stadt von der Idee begeistert, das komplette Schwebebahn-Gerüst stimmungsvoll in Licht zu tauchen. Nach dem Konzept der Dinnebier Licht GmbH sollte sogar jede einfahrende Schwebebahn von einer bunten Lichtwelle angekündigt werden. In einer einmaligen Finanzierungsaktion kamen durch eine Mischung aus Bürgerspenden und Fördergeldern 250 000 Euro zusammen, um damit eine „Teststrecke“ von einem Kilometer mit Lichtern zu bestücken. Die Wuppertaler kauften sogenannte „Lichtaktien“, um den Traum von der leuchtenden Schwebebahn wahr werden zu lassen.

„Das war ein peinliches Ereignis.“
Stadtdirektor Johannes Slawig

Im Sommer 2003 drückte schließlich der damalige Oberbürgermeister Hans Kremendahl im Rahmen einer großen Feier auf ein Knöpfchen und aktivierte die Beleuchtung. Und die Bürger sahen... nicht viel. Stadtdirektor Johannes Slawig war damals dabei und erinnert sich: „Das war ein peinliches Ereignis. Der gewünschte Effekt war kaum zu sehen.“ Obwohl die Stadt immer wieder nachbesserte, bezeichnet Slawig die gesamte Angelegenheit als „mühsam und ärgerlich“. Er sei sich sicher, dass das Thema Lichtkonzept damit gestorben ist.

Zu früh auf die LED-Technik gesetzt

Warum blieb der Wow-Effekt aus? Im Rückblick sieht die Dinnebier Licht GmbH auch eine gewisse Schuld bei der Stadt. Silvia Quintiliani, die damals an dem Projekt gearbeitet hat, sagt: „Wir sind etwas ins kalte Wasser geworfen worden.“ Ganz kurzfristig sei entschieden worden, auf LED-Technik umzusteigen – die damals noch in den Kinderschuhen steckte. Zudem hatten sich die Dinnebier-Planer eigentlich mit einem viel umfassenderen Konzept beworben: Es sah zusätzlich zum Gerüst die Beleuchtung von Brücken und Zwischenstreben vor. Die Stadt habe nur ein Element aus dem großen Ganzen herausgegriffen.

Quintiliani zeigt sich, stellvertretend für die Dinnebier GmbH, irritiert von dem stillen Abschalten durch die Stadt. Sie sagt: „Das Kunstwerk gehört doch eigentlich den Bürgern.“

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