Mobilität I

Schwebebahn fährt wieder auf leisen Rädern

Die Schwebebahn im Begegnungsverkehr über der Kaiserstraße in Vohwinkel. Dieses Bild gibt es derzeit nur an Wochenenden. Foto: Jonas Güttler/dpa
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Die Schwebebahn im Begegnungsverkehr über der Kaiserstraße in Vohwinkel. Dieses Bild gibt es derzeit nur an Wochenenden. Foto: Jonas Güttler/dpa

Ein neues Profil sorgt für ruhigere Fahrten - das ist aber nur eine Übergangslösung für das Problem des rapiden Verschleißes

Von Eike Rüdebusch

Wuppertal Zwei Schwebebahnen fahren schon wieder auf leisen Rädern. Und es werden mehr. Aber weswegen sie wieder leise sind, das sei nur eine kurzfristige Lösung, erklärt Michael Krietemeyer, technischer Leiter der Schwebebahn bei den Stadtwerken.

Die Stadtwerke Wuppertal arbeiten an der Behebung des Problems, das seit dem 12. August für den Ausfall der Schwebebahn an Wochentagen sorgt. An den neuen Wagen des Herzstückes des Wuppertaler Nahverkehrs gibt es rund 200 Mängel, die die Stadtwerke auflisten. Einer der relevantesten sind die Räder.

Denn die halten bei Weitem nicht so lange wie sie sollten - allein schon, um die Werkstatt nicht mit zu vielen Reparaturarbeiten zu überfordern. Aber auch um die reibungslose Fahrt zu garantieren – und eine leise.

Das Problem ist, dass es Materialverschiebungen bei den Reifen der Schwebebahnen gibt. Sie werden uneben, was zu einem lauteren Fahrgeräusch führt – ohne dass die Sicherheit leidet. Sonst dürfte die Bahn nicht fahren.

24 000 Kilometer sind die Reifen mit neuem Profil gefahren

Um das kurzfristig zu lösen, werden die Reifen am Rand nachjustiert – die Stadtwerke verändern das Radprofil „um mehr Platz zwischen Rad und Schiene“ zu bekommen, eine „andere Geometrie“ zu erzeugen, erklärt Ulrich Jaeger, Geschäftsführer der WSW mobil. Bisher sind die Wagen damit 24 000 Kilometer gefahren – „mit komfortablem Rollverhalten“, wie Michael Krietemeyer sagt. Das sorge also nach den bisherigen Erfahrungen für eine gewisse Verbesserung. Aber des Rätsels Lösung ist das nicht.

In dieser Woche haben die Stadtwerke zehn neue Räder bekommen. Krietemeyer erklärt, dass die erst regulär abgefahren würden – und dann nachgeschliffen. So könnte die Kilometerleistung erhöht werden.

Die neuen Räder der Schwebebahn laufen seit März nur 20 000 Kilometer – dabei müssten sie mindestens 40 000 Kilometer laufen, im besten Fall sogar 60 000 Kilometer, damit die Reparaturintervalle eingehalten werden können.

Das Ganze hat Folgen. Denn die Stadtwerke haben deswegen nicht mehr genug Schwebebahnen im Einsatz. Die Mitarbeiter in der Werkstatt kommen nicht hinterher. Das Team in der Schwebebahnwerkstatt in Vohwinkel, die regulär 50 Mitarbeiter hat, wurde daher um 20 Stellen aufgestockt. Zwölf neue Mitarbeiter sind bereits da. Die Stadtwerke investieren eine Million Euro auf der Personalseite. Dazu gehen sie von Kosten von 6,2 Millionen in diesem und dem kommenden Jahr aus – allein der Wechsel von acht Rädern an einer Bahn verursacht Materialkosten von 64 000 Euro.

Die WSW haben neun Gutachter beauftragt, die den Verschleiß von allen Seiten beleuchten. Darunter Siemens, der Hersteller des Steuerungssystems Alstom und die Deutsche Bahn. Michael Krietemeyer erklärt, dass unter anderem auch geprüft werde, ob weichere oder härtere Räder mit anderen Materialien etwas am Verschleiß ändern. Auch wird das Zusammenspiel mit den Schienen untersucht, um zu sehen, welcher Verschleiß auf welchem Teil der Strecke auftritt. Allein deswegen müssten die neuen Räder ohne neues Profil auf der Schiene bleiben – um sie zu untersuchen.

Aktuell fährt die Bahn nur am Wochenende – sie soll im kommenden Sommer wieder regulär fahren. Aber so schnell werden sich der Fehler nicht in Gänze beheben lassen. „Mit den Testfahrten wird sich das über Jahre hinziehen“, sagt Krietemeyer. Denn es müssten sehr viele Faktoren einbezogen werden – Kurven, Wetter, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Gewicht oder sogar das Fetten der Schiene. „Das sind ganz kleine Puzzleteile, die sich verändert haben“, sagt Jaeger. Die müssen alle überprüft und optimiert werden.

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