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Schrottimmobilien: 160 neue Verdachtsfälle

Die Baulücke an der Bandstraße (l.), wo eine Schrottimmobilie stand, ist Bestandteil des Bauwettbewerbs Solar Decatlon Europe. Den langjährigen Problemfall Marienstraße 41 saniert aktuell der neue Eigentümer. Fotos: SDE/Andreas Fischer
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Die Baulücke an der Bandstraße (l.), wo eine Schrottimmobilie stand, ist Bestandteil des Bauwettbewerbs Solar Decatlon Europe.

Aktuell umfasst die Liste in Wuppertal nur noch 76 Sorgenkinder – doch Nachwuchs droht.

Von Manuel Praest

Wuppertal. Sie verschandeln das Stadtbild. Das wird jeder bestätigen. Schrott- und Problemimmobilien machen auch der Wuppertaler Verwaltung Sorgen. Die positive Nachricht vorweg: Die Zahl sinkt seit einiger Zeit. Aktuell sind es noch 76 mehr oder weniger sanierungsbedürftige Bauten – gut ein Viertel weniger als noch vor zwei Jahren. Doch die Liste der Stadt könnte Zuwachs bekommen: 160 „Verdachtsfälle“ gibt es derzeit, unter anderem entdeckt durch die Leerstandserhebung. Dass der Stadt oftmals die Hände gebunden sind, Problembauten zu beseitigen, sagt zum Beispiel die CDU. Und der Eigentümerverband Haus und Grund ärgert sich über die Eigentümer, die nichts tun, worunter die anderen leiden.

Den langjährigen Problemfall Marienstraße 41 saniert aktuell der neue Eigentümer.

Die Grünen hingegen wünschen sich „Stadtteilkümmerer“, die die Sorgenfälle im Auge behalten – die SPD fordert eine Stadtentwicklungsgesellschaft. Wie viele der Verdachtsfälle letztendlich auf der Liste landen, können Sven Macdonald, Abteilungsleiter Stadtentwicklung, und Ann-Katrin Tigges, zuständig für die Schrott- und Problemimmobilien, noch nicht abschätzen. „Es gibt kleine Überschneidungen. Ein paar sind ja schon enthalten“, sagt Tigges. Denn ein „hartes Kriterium“ sei eben der Leerstand, der für einige Immobilien der Liste gilt.

Diverse Kandidaten konnten gestrichen werden

Dass diese nicht ganz eindeutig ist, räumt Macdonald allerdings ein. „Und es wird nie eine abschließende sein.“ Ein Beispiel: Der Bunker an der Schwelmer Straße stand auf der Liste, weil sich nach dem Start des Umbaus jahrelang nichts tat und auch aus Langerfeld immer wieder Kritik am Schandfleck laut wurde. Der Rotter Bunker hingegen steht zwar auch seit Jahren leer – war aber nie in der Liste enthalten.

Froh ist man bei der Stadt natürlich, dass diverse Kandidaten gestrichen werden konnten – entweder weil der Eigentümer doch sanierte oder das Haus dann abgerissen wurde – in fünf Fällen allerdings, etwa an der Nützenberger oder der Bandstraße, auf Kosten der Stadt. Seit 2014 kamen für diese sogenannten „Ersatzvornahmen“ gut eine Million Euro an Kosten zusammen. Wie viel die Stadt davon wiedersehen wird, ist offen. Wenn man sich eigentlich dafür einsetze, für Wohnbau so wenig Fläche wie möglich zu versiegeln, „sind Schrottimmobilien, die leerstehen, natürlich ein großes Problem“, sagt Yazgülü Zeybek, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Es sei schwierig für die Verwaltung, überhaupt in Kontakt mit den Eigentümern der Problemfälle zu treten. Andere Städte hätten zum Beispiel eine Zweckentfremdungsverordnung. Da fehlten Wuppertal aber die rechtlichen Voraussetzungen.

Das bestätigen auch Macdonald und Tigges. In einzelnen Fällen können sogenannte Abwendungsvereinbarungen einen Eigentümer zu einer Sanierung in einem bestimmten Zeitraum verpflichten. Ansonsten drohen Strafen. Das sei aber nur im Bereich der Förderprogramme im Wuppertaler Osten möglich gewesen. Für mehr als diese Drohkulisse fehle der Stadt die Handhabe.

Ein Kriterium, das zum Beispiel auch das neue Wohnraumstärkungsgesetz voraussetze, sei Druck auf dem Wohnungsmarkt. „Wir haben hier aber nicht die Verhältnisse wie in der Rheinschiene“, sagt Macdonald. Deshalb sei die Zweckentfremdung durch Ferienwohnungsvermietung, wie sie in Köln und Düsseldorf ein Thema sei, in Wuppertal gar nicht vorhanden.

Stadt stößt an ihre finanziellen und personellen Grenzen

Zeybek wünscht sich eine konstruktive Herangehensweise. Stadtteilkümmerer, die die Entwicklung in ihrem Bereich beobachten – in Kooperation mit der Bezirksvertretung – und wenn eine Immobilie in eine Abwärtsspirale gerät, der Stadt Bescheid sagen. „Das passiert ja nicht von heute auf morgen.“ Es gebe ja durchaus Investoren, die interessiert wären, Schrottimmobilien zu sanieren, weiß Zeybek. Auch für die sei es aber oft schwierig, an die Eigentümer heranzukommen. Auch das wolle man optimieren.

Dass sich hinter einer solchen Immobilie mitunter eine Briefkastenfirma versteckt, erzählen auch Macdonald und Tigges. In den letzten zehn Jahren habe sich schon einiges getan, sagt SPD-Chef Servet Köksal. „Es ist aber noch Luft nach oben.“ Die Stadt stoße auch an ihre finanziellen und personellen Grenzen. Hinzu komme, dass natürlich bei den jeweiligen Eigentümern eine Bereitschaft vorhanden sein muss, etwas zu ändern. Die SPD erneuere ihre Forderung nach einer Stadtentwicklungsgesellschaft, um solche Entwicklungen besser steuern zu können. Das gelte nicht nur für Schrottimmobilien, sondern auch für Industriebrachen.

„Schrottimmobilien sind leider ein größeres Thema, als man sich wünschen würde“, sagt Ludger Kineke. Fraktionschef der CDU. Die Entwicklung im Wuppertaler Wohnungsmarkt sei noch nicht so, dass es sich für viele Besitzer lohne, zu investieren. Die positive Seite sei, dass dafür die Preise noch entspannt seien, anders als in Köln und Düsseldorf. Für das Stadtbild seien solche Schrottimmobilien allerdings mitunter prägend, ärgert sich Kineke und nennt als Beispiel das Brandhaus in Sonnborn oder das ehemalige Prym-Gelände im Barmer Zentrum.

Hintergrund

Mehr als 22 300 Mehrfamilienhäuser gebe es in Wuppertal, in denen 154 000 Menschen leben, sagt Hermann Josef Richter, Vorsitzender von Haus und Grund Wuppertal und Umgebung. Auch wenn die Zahl der Problemfälle gesunken sei: „Jede Schrottimmobilie ist eine zu viel. Denn sie mindern den Wert der Häuser drumherum.“

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