Schloss Burg: Besucher bleiben bei Hitze fern

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Bei sommerlichen Temperaturen wollten nur wenige junge Gäste Scheren oder Kunstwerke schmieden. Foto: Andreas Horn

Mittelaltermarkt lockte mit besonderen Angeboten. So gab es einen Escaperoom aus dem 13. Jahrhundert.

Von Sabine Firouzkhah

Solingen. Die Hitze hat am Samstag den Mittelaltermarkt auf Schloss Burg fest im Griff. Nur wenige Besucher finden den Weg in den Schlosshof, in dem die Gaukler der Gruppe Spectacularius versuchen, die rund 50 Anwesenden zu unterhalten und der Hitze mit Feuerkunststücken zu Leibe zu rücken. „Aber die Besucher sind gut gelaunt“, versichert Malus Domesticus alias Andreas Schommer. Der Methändler erweist sich als ausgewiesener Zeitreisender mit gültigem Pass und entsprechenden Stempeln sowie mit aktuellem Visum für Schloss Burg.

Im Vorhof des Schlosses findet sich vor allem Kulinarisches: vom Käse über das Speckbrot bis zu Met und Wein. Ein Korbmacher bietet seine Waren an, eine Kaffeerösterei ist auch vorhanden. Rauch steigt auf: Hier hält „Gilli“, Schmiedekünstler Christian Gillandt, seinen fußbetriebenen Grill in Betrieb, um „Schwachsinn, Lärm und Schrott“ zu produzieren. Sein Schaubetrieb soll Kindern ermöglichen, selbst Scheren zu produzieren – nur im Moment sind weit und breit keine kleinen Kunden zu entdecken. Dafür versucht sich gegenüber gerade eine Familie am Pranger: Abwechselnd stecken Vater und Sohn den Kopf hindurch und testen das Gefühl der Hilflosigkeit, während die anderen Familienmitglieder fleißig Fotos machen.

Im inneren Burghof links finden sich die Uhlenkreis-Hexen, ein Bogenschütze und zwei Eselchen. Während die Menschen schwitzen, stehen die Vierbeiner im Schatten der Burgmauer auf frischem Stroh und kauen vor sich hin. Die Menschen müssen da zu anderen Mitteln greifen: Gräfin Karin von Criemenholl (bürgerlich: Karin Imig) zum Beispiel sitzt vor dem herrschaftlichen Zelt mit den Füßen im Wasserzuber und beobachtet das Treiben ihrer Recken. Sie gehören zu den „Lehnsrittern“ auf Schloss Burg, der „Wahren Bergischen Ritterschaft“, die etwa acht mal im Jahr zur Burgbelebung beiträgt.

Ritterschaft bewacht in der Nacht die Burg

„Hier findet das höfische Leben statt“, erklärt Gräfin Karin, „hier sind die Zofen, Mägde, Ritter und Handwerker“. Etwa 35 Mitglieder zählt die Ritterschaft – nur ein Teil ist zu sehen und macht es sich im Schatten des Gemeinschaftszeltes gemütlich. Sie werden in der Nacht die Stellung halten und erst am Sonntagabend Schloss Burg verlassen.

In der Nachbarschaft zum Zelt der Ritterschaft findet sich das „Freye Bauernlager“. „Wir sind aber keine Leibeigenen“, sagt Alexandra Unkelbach. Gemeinsam mit Ingor Stein hat sie den „ersten mobilen mittelalterlichen Escaperoom“ errichtet. In ihrem Zelt steht ein Gitterkäfig, Hand- und Fußfesseln liegen bereit. Wer als Söldner zu viel getrunken habe, werde eingesperrt und angekettet und am nächsten Morgen zur nächsten Front verbracht. „Es ist schon etwas anderes als im Internet, hier real gefangen gesetzt zu sein – auch wenn es natürlich freiwillig ist“, erläutert Unkelbach. Nur ein Rettungsweg steht den Eingesperrten zur Aussicht: Sie müssen Rätsel lösen. Aber das ist nicht einfach . . .

Am Nachmittag füllt sich der Burghof etwas. Die Gaukler von Spectacularius spielen mit mittelalterlichen Instrumenten. Vielleicht erfüllt sich ja noch die Weissagung des Met-händlers: Am Abend soll es kühler werden. Dann steht einem gemütlichen Beisammensein nichts mehr im Weg.

RITTERSCHAFT

HINTERGRUND Die Wahre Bergische Ritterschaft zeigt seit 2005 möglichst detailgetreu das Leben auf der Burg zwischen 1218 und 1225. Nächste Termine: am 6. und 7. Juli sowie am 13. und 14. Juli. Die Themenschwerpunkte sind „Leben und Arbeiten auf der Burg“ sowie „Kreuzzüge?“.

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