Adventsaktion

Schauspieler lesen am Telefon und per Zoom

Thomas Braus und andere Mitglieder des Wuppertaler Schauspiel-Ensembles lesen in der Adventszeit am Telefon vor. Archivfoto: Gerhard Bartsch
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Thomas Braus und andere Mitglieder des Wuppertaler Schauspiel-Ensembles lesen in der Adventszeit am Telefon vor.

Adventsaktion des Wuppertaler Ensembles für Kulturfreunde und Einrichtungen.

Wuppertal. Premieren, die sich mangels Zuschauer wie Proben anfühlen. Planen für eine ungewisse Zukunft. Distanz, wo Nähe das Salz in der Suppe ist – lausige Zeiten für die Kultur, lausige Zeiten für Schauspieler. Das ist in Wuppertal derzeit nicht anders als in Weimar, Würzburg und Würselen.

Aber Wuppertal macht aus der Not eine Tugend. Wenn die Zuschauer nicht zu den Bühnen kommen können, dann kommen die Bühnen eben zu den Zuschauern. Nicht persönlich, natürlich. Das lässt die Pandemie nicht zu. Aber akustisch. Bei Anruf Schauspieler.

„Die Situation ist jetzt schwieriger als während des ersten Lockdowns im Frühjahr“, sagt Schauspiel-Intendant Thomas Braus. „Damals war zu Premieren wenigstens noch die Presse vertreten. Jetzt, zu Robin Hood, ist da niemand mehr außer uns“, sagt er. „Das ist auch für die Motivation ein Problem.“ Doch das Ensemble will sich von den Umständen nicht unterkriegen lassen. Es macht aus der Not eine Tugend. „Robin Hood“ ist aufgezeichnet worden und wird in 24 Teilen auf dem Instagram-Kanal der Wuppertaler Bühnen und auf den Digitalkanälen der Westdeutschen Zeitung gesendet. Start ist jahreszeitgemäß am 1. Dezember.

Applaus wäre auch mal wieder schön

Das ist aber längst noch nicht alles. Die Schauspieler wollen nicht nur digital mit ihrem Publikum in Kontakt bleiben, sondern auch persönlich. Dafür hat Intendant Braus eine Telefonaktion erfunden. Die Idee ist, dass Freunde des Theaters sich bei den Bühnen melden können, um den Anruf eines Ensemblemitgliedes zu ergattern. Das liest dem Glücklichen am Telefon eine Weihnachtsgeschichte vor. Der Anruf kann an eine einzelne Person gehen, Braus lädt aber dazu ein, das Telefonat technisch auf Boxen zu übertragen, damit mehr Menschen in den Genuss des Vortrages kommen. „Wir wollen uns an Alleinstehende wenden, sehr bewusst aber auch an Einrichtungen wie Kinderheime oder beispielsweise das Troxlerhaus, an Seniorenheime und Krankenhäuser. Je mehr Menschen unser Angebot nutzen, desto besser finden wir das“, sagt er. Letztlich ist es aber egal, ob ein Kulturfreund allein am Telefon lauscht, oder ob er Mithörer hat. Wichtig ist für das Ensemble, in dieser langen Zeit ohne Theaterpublikum den Kontakt zu den Menschen nicht zu verlieren.

Geplant ist, das laut Braus „schöne, kleine Event“ in der Adventszeit täglich in der Zeit von 16 bis 18 Uhr anzubieten. Die Vorträge sollen mindestens 20 Minuten dauern. Was an den Nachmittagen genau geschieht, hängt nicht zuletzt auch von der Kommunikation zwischen den Schauspielern und ihrem Publikum am Telefon ab.

Wer angerufen werden will, sendet ab sofort eine E-Mail an das Schauspielhaus. „Je nach Menge der Anrufe müssen wir natürlich das Los entscheiden lassen“, erklärt Braus. Er ist vom Erfolg seiner Aktion überzeugt. „Ich habe in der vorigen Woche in Solingen eine Lesung per Telefon gemacht. Was ich zunächst gar nicht wusste, war, dass mein Vortrag per Zoom an mehr als 20 Zuhörer übertragen wurde. Das hat geklappt“, berichtet er. „Und der Applaus am Schluss war ehrlich gesagt auch mal wieder schön.“ -ll-

weihnachtslesung@wuppertaler-buehnen.de

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