Schatzsucher vermuten Bernsteinzimmer im Vohwinkeler Untergrund

Im Keller eines ehemaligen Emaillier-Werks beobachtet Karl-Heinz Kleine (hinten) gespannt, ob Mitstreiter Wilfried Fischer mit dem Bohrer auf einen Hohlraum hinter der Mauer stößt. Dort erhoffen sie das sagenumwobene Bernsteinzimmer.
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Im Keller eines ehemaligen Emaillier-Werks beobachtet Karl-Heinz Kleine (hinten) gespannt, ob Mitstreiter Wilfried Fischer mit dem Bohrer auf einen Hohlraum hinter der Mauer stößt. Dort erhoffen sie das sagenumwobene Bernsteinzimmer.

Wuppertal. Eine Fabrikhalle irgendwo in Vohwinkel: Im Boden gähnt eine Öffnung, etwa einen Meter breit. Nikolaus Brandau hat die Eisenplatte zur Seite geschoben, steckt jetzt zur Hälfte in dem schwarzen Loch. Er schaltet die Stirnlampe am Helm ein, und wendet sich an Wilfried Fischer: "Bohrer. Stange." Dann verschwindet Brandau in dem Loch, Fischer und Karl-Heinz Kleine folgen ihm.

Unten erwartet das Trio eine andere Welt. Karl-Heinz Kleine, der sich die Suche nach dem Bernsteinzimmer zum Ziel gesetzt hat, ist wieder im Wuppertaler Untergrund. Heute gilt der Einsatz einem zweistöckigen Produktionsbunker, der hier irgendwo sein muss. Kleine will den Zugang entdecken. Seine Argumentation für ein Versteck an Ort und Stelle: Die Rheinische Eisenbahnstrecke (heute Nordbahntrasse), über die der Schatz angeliefert worden sein könnte, ist nah und Ostpreußens Gauleiter Erich Koch und der damalige Besitzer der Vohwinkeler Anlage waren befreundet.

"Wir wissen von 170 Bunkern und Stollen in Wuppertal. 40 an der Trasse. Wir kennen erst einen geringen Teil."

Karl-HeinzKleine, Schatzsucher

Auf einem Schuttberg geht es abwärts, endlich ist der Boden erreicht. Schutt auch hier, verrostete Lüftungsrohre. Das umher huschende Licht erhellt kurz Brennöfen. Das alles gehörte einmal zu einer Emaillier-Fabrik, hier haben einmal Menschen gearbeitet.

Kleine ist in seinem Element: "Was ist das für ein Loch?" Brandau winkt ab. "Das ist ein Wasserloch." Eine Zigarettenschachtel der Marke Orienta ist ein Zeuge früherer Besucher.

Auf halbem Weg versperrt eine Mauer den Weg. Jetzt geht es nur noch kriechend weiter. "Vorsicht mit dem Kopf!" ruft Fischer. Dann wieder mehr Raum. An einer Mauer zeigt ein kleines Loch, dass die Männer hier schon einmal tätig waren. "Wir haben mit dem Endoskop durchgeguckt, aber nichts erkennen können", sagt Kleine. Er hofft auf einen Hohlraum.

Während Fischer den Bohrer in Stellung bringt, robbt Brandau in eine andere Öffnung. Weg ist er und kommt die nächsten zehn Minuten nicht wieder.

Fischer schaltet den Bohrer ein. 1,30 Meter frisst er sich in die Wand. Danach kommt Lehm. Also doch kein Hohlraum. Kleine zuckt mit den Achseln. Das wars für heute.

Die Männer suchen ihre Ausrüstung zusammen und machen sich auf den Weg zurück an die Oberfläche. Kleine: "Wir wissen von 170 Bunkern und Stollen in Wuppertal. 40 an der Trasse. Wir kennen erst einen geringen Teil." Wer das verlorene Bernsteinzimmer jagt, braucht einen langen Atem.

BERNSTEINZIMMER

HISTORIE Das Bernsteinzimmer war ursprünglich im Berliner Stadtschloss eingebaut, bevor es im Jahr 1716 vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zar Peter der Große verschenkt wurde. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist es verschollen. Im Katharinenpalast bei St. Petersburg befindet sich seit 2003 eine originalgetreue Nachbildung.

    www.amber-room.org

 

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