Mission

Satellit Crista: Seine Daten sind bis heute Grundlage

Dirk Offermann hält ein Modell von Crista in der Hand. Das Instrument hat in der Atmosphäre Spurengase gemessen.
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Dirk Offermann hält ein Modell von Crista in der Hand. Das Instrument hat in der Atmosphäre Spurengase gemessen.

Wuppertal. Vor 25 Jahren flog der Satellit Crista von der Bergischen Universität in die Atmosphäre.

Von Alina Komorek

Vor 25 Jahren ist etwas passiert, was für Wuppertal ziemlich wichtig war: Was im August 1997 geschah, veränderte die Grundlagenforschung der Atmosphärenphysik. Denn das Satelliteninstrument Crista startete an diesem Tag um 10.41 Uhr an Bord des Space Shuttles von Florida aus in die Atmosphäre. Cristas Mission: mithilfe von drei Teleskopen die Struktur der Atmosphäre untersuchen.

Projektleiter war damals Professor Dr. Dirk Offermann von der Bergischen Universität: Der 85-Jährige „war verantwortlich, wenn etwas schief ging“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Offermann erzählt die Geschichte des Flugs von Crista und dem 30-köpfigen Team dahinter. Der Flug dauerte acht Tage, 16 Stunden und 47 Minuten. In den Fluren des Fachbereichs Physik hängen Bilder von Satelliten und Teleskopen und Plaketten von der Nasa.

Weil die Atmosphärenphysik für die geisteswissenschaftlich ausgebildete Autorin dieser Geschichte nicht so leicht zu begreifen ist, fängt Offermann bei der Erklärung der Mission von Crista vor 25 Jahren auch noch einmal ganz von vorn an. „Die Atmosphäre ist ein sehr kompliziertes Gebilde – ein großes Durcheinander.“ Also wie die Philosophie? „Nein, nein“, unterbricht Offermann freundlich.  „Anders als in der Philosophie. Da ist im Gegensatz zur Atmosphäre alles streng geregelt.“ Das weiß Offermann, weil er in den 60ern und 70ern in Bonn nicht nur Physik studiert hat, sondern auch Philosophie. 1976 wechselte er zur Wuppertaler Uni, wurde Physik-Professor – und widmet sich seitdem der Erforschung der Atmosphäre.

Spätestens mit Crista kam der Erfolg, der eigentlich mehr ein Durchbruch ist: „Man nahm an, die Atmosphäre sei homogen aufgebaut, also gleichmäßig. Nun wissen wir: Das stimmt nicht.“

Denn die drei Teleskope von Crista erfassten damals wesentlich mehr, als es Instrumente je zuvor getan hatten. „Die drei Teleskope blickten durch ein Loch am Satelliten in die Atmosphäre. Sie schauen sich an, was die Atmosphäre abstrahlt.“ Gemessen wurden damals Spurengase.

Das Ergebnis beschreibt Offermann: „Ein ganzer Zoo von sogenannten Spurengasen. Die sind sehr wirksam, sie beeinflussen Wetter und Klima, und durch die Temperatur werden wiederum Winde und Wellen angeregt.“

Das Team um Offermann erhielt in Florida viel Lob. Neu war tatsächlich vieles: Weil es im Orbit so heiß wird, benötigte das Gerät eine Verkleidung. „Wir waren damals eine Gesamthochschule und viele Studentinnen hatten Schneiderin gelernt. Sie haben Maß genommen und Crista mit einer selbst gemachten Thermoisolation verkleidet – die hat gehalten.“

Bis heute geht Offermann fast täglich in die Uni

Es ist nicht verwunderlich, dass Offermann viel über das Projekt nachdenkt. Die letzten der über 150 Veröffentlichungen sind 2005 erschienen. Noch immer werden auf Grundlage der Ergebnisse Forschungen zum Klima betrieben. „Crista war damals schon ambitioniert“, sagt er und fügt stolz hinzu: „Ist es immer noch.“ Fast jeden Tag geht der Professor noch in die Uni, denn der 85-Jährige ist: „Ich verfolge seit mehr als zehn Jahren eine Frage: Ich will wissen, was mit dem Klimaproblem los ist.“

Hintergrund

Der Satellit flog vor 25 Jahren für acht Tage und 16 Stunden 150 Kilometer über dem Erdboden, um über drei Teleskope Spurengase in der Atmosphäre zu messen. Es kam zu grundlegend neuen Erkenntnissen über die Atmosphäre.

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