Kultur

Sanierung der Oper würde mehr als 100 Millionen Euro kosten

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Die Deutsche Oper am Rhein: Der Nachkriegsbau stammt aus den 1950er Jahren.

DÜSSELDORF In der Politik mehren sich die Stimmen für einen Neubau. Andere fordern eine bessere Entscheidungsgrundlage.

Von Alexander Esch

Das lange Warten hat ein Ende. Das seit Jahren geforderte Gutachten zum Zustand der Kulturgebäude ist da. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe stellte es am Dienstag im Bauausschuss auf Grundlage von Experteneinschätzungen nach Begehungen der 85 Standorte in der Stadt vor. Quintessenz: In den nächsten zehn Jahren müssen 139 Millionen Euro ausgegeben werden, um die Gebäudetechnik und die Bausubstanz instand zu setzen. Ausgenommen sind die bereits veranschlagten Projekte Kunstpalast (19 Millionen Euro) und Schloss Benrath (60 Millionen Euro). Die größten Anteile entfallen mit 81,9 Millionen Euro auf die Theater samt Tanzhaus und mit 32,9 Millionen auf die Museenlandschaft.

Ganz oben auf der Prioritätenliste, die nun der Politik im Kulturausschuss vorgelegt werden soll, steht vor Tanzhaus und Museum Kunstpalast die Deutsche Oper am Rhein, die den größten Geld-Batzen verschlingen würde. Zu den bereits bekannten 18 Millionen Euro zur Behebung von Mängeln an Dach oder Haustechnik kämen laut Lohe für die nächsten 25 Jahre 86 Millionen Euro hinzu. Er gibt jedoch zu bedenken, dass diese Zahlen nur auf Sichtprüfungen beruhten. Genauere, für den Bau nicht mehr zerstörungsfreie Analysen dürften also noch höhere Kosten zutage fördern.

Kulturdezernent plädiert für einen Neubau

Deshalb mehren sich die Stimmen für einen Neubau der Oper. Lohe etwa sagt auf Nachfrage unserer Redaktion. „Ich persönlich plädiere für einen Neubau.“ Denn: Düsseldorf besäße mit der Instandhaltung für diese Summe noch keine zukunftsfähige Oper. Jedoch benötige man ein Haus, das den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht. Hinzu käme: Der Bau sei keine Stilikone wie das Schauspielhaus, das man ja nun erhält.

Wie CDU-Bauexperte Andreas Hartnigk sieht auch Lohe den Standort Heine-Allee gesetzt. Auch Hartnigk sieht einen Neubau als beste Option an, um ein Haus zu bekommen, das dem Stand der Zeit entspricht. Er fordert, Fachleute zu beauftragen, die die Frage beantworten, welche Voraussetzungen diese Oper erfüllen müsse. Weniger Sorgen mache ihm eine repräsentative Fassade. „Da kommen die Stararchitekten von ganz allein“, ohne dass das sehr teuer werden müsse. Auch über einen Ersatzstandort für die Zeit von Abriss und Neubau müsse man natürlich nachdenken. Die Landeshauptstadt könne nicht jahrelang auf eine Oper verzichten.

Auch bei der FDP gibt es viele Sympathien für einen Neubau, den hatte der Fraktionsvorsitzende Manfred Neuenhaus bereits vor einem Jahr ins Spiel gebracht. Er befürchtet, dass es die Stadt sich nicht leisten könne, auf einen Neubau zu verzichten.

Bei den Ampel-Partnern von Grünen und SPD indes gibt man sich noch deutlich zurückhaltender. Wolfgang Scheffler (Grüne) lobt, dass es nun endlich Zahlen gebe, dass die aber nur „den Anfang einer Diskussion darstellen könnten und nicht das Ende“. Er warnt vor Beispielen wie Hamburg und Frankfurt, wo die Kosten für Kulturneubauten exorbitant gestiegen seien. „Wir brauchen jetzt viele, viele Sitzungen und eine genaue Planung, bis wir eine Entscheidung treffen können.“ Noch gebe es keine Grundlage dafür, da die ersten Summen eher theoretischen Wert hätten und als Untergrenze gelten dürften. Auch Burkhard Albes (SPD) sieht den Plan für die Kulturgebäude erstmal als gute Grundlage. „Mit diesen Zahlen können wir arbeiten.“ Er fragt jedoch auch, wann es genauere Erkenntnisse zum Sanierungsbedarf geben wird.

Das hängt nun davon ab, wie die Politik die von der Stadt vorgeschlagene Prioritätenliste bewertet und gegebenenfalls verändert. 40 weitergehende Untersuchungen seien nach Lohe in den Gebäuden nötig.

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