Pandemie hat Ehrenamt ausgebremst

Sanierung des Mirker Bahnhofs wird teurer

Die Sanierung des Mirker Bahnhofs dauert nicht nur länger, sondern wird auch teurer. Archivfoto: Andreas Fischer
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Die Sanierung des Mirker Bahnhofs dauert nicht nur länger, sondern wird auch teurer.

Wuppertal. Projekt in Wuppertal wird nicht vollständig bis zum Hochschulwettbewerb Solar Decathlon fertig.

Von Anne Palka

Ein Handwerker arbeitet zwischen Bauzaun und dem Mirker Bahnhof, der vollständig von Gerüsten umgeben ist. Auf der anderen Seite der großen Baustelle, an der Nordbahntrasse, sitzen Lars Kujat (18) und Canan Clara Yedek (19) vor ausgebauten Fenstern. „Die alte Farbe muss runter“, sagt Christian Hampe, Geschäftsführer der Utopiastadt gGmbH, deren Heimat der ehemalige Bahnhof ist.

„Das ist eine Sache, die man gut in Eigenleistung machen kann.“ Ein Tischlermeister habe Ehrenamtliche für die Sanierung der mehr als 100 Fenster angeleitet. Zwischen Kran, Paletten mit Baustoffen und Containern ist zu sehen, dass das Projekt deutliche Fortschritte macht. Doch es wird länger dauern und mehr kosten als gedacht. Im nächsten Jahr wird das Gebäude 140 Jahre alt, im Juni findet der Solar Decathlon auf dem Gelände an der Trasse statt. „Komplett fertig wird es bis dahin sicherlich nicht“, sagt Christian Hampe. Trotzdem soll es schon teilweise nutzbar sein.

Neben der ehrenamtlichen Arbeit am alten Bahnhof sind Zimmerer, Maurer und Dachdecker beauftragt und regelmäßig vor Ort. Die Fassade und das Dach seien die größten Baustellen, die aber auf einem guten Weg seien, sagt Hampe. „Danach geht es wirklich um die Nutzung.“ Er ist optimistisch, dass die Fortschritte dann auch besser sichtbar sind – trotzdem seien gerade im vergangenen Jahr viele konkrete Dinge geschafft worden.

Pandemie und Situation im Baugewerbe bremsen Sanierung

Viele Arbeiten passieren bisher hinter den mit schwarzen Planen verhangenen Baugerüsten. „Das sind Sachen, die man von außen nicht so sieht“, sagt Hampe. Der Fußboden im ehemaligen Wartesaal der ersten Klasse wurde herausgeholt, Holzbalken wurden hochgesetzt, um sie vor aufsteigender Feuchtigkeit zu schützen.

Nebenan wurde ein großer Teil von Mauer und Fachwerk erneuert. Der Schwamm ist im Gebäude. „Das ist nichts Ungewöhnliches bei diesen Bahnhöfen“, sagt Architektin Isabella Rosenkaymer, das Problem hätten viele Altbauten. Es gebe eine enge Abstimmung mit einem Sachverständigen, betroffene Stellen werden großflächig ersetzt, sagt Architekt Arndt Rosenkaymer. „Wenn man ein solches Projekt beginnt, weiß man, dass es sehr komplex ist, das Gebäude sehr alt. Wir sind alle mit einem gewissen Wahnsinn und viel Herz dabei“, sagt Isabella Rosenkaymer.

Dass es nun länger dauert und mehr kostet, hat verschiedene Gründe. „Es ist gerade echt schwierig, Baustoffe zu bekommen, aber auch Handwerker“, sagt Christian Hampe. Der Zimmermann habe beispielsweise andere Holzarten gewählt als ursprünglich geplant, das Gerüst konnte nur nach und nach geliefert werden. „Verschiedene Gewerke greifen ineinander, das führt dazu, dass nicht 30 Leute gleichzeitig auf dem Gebäude herumspringen.“ Außerdem wird das Gebäude in der laufenden Sanierung weiterhin teilweise genutzt.

Die Pandemie hat das Ehrenamt ausgebremst, es konnten nicht so viele Menschen gleichzeitig in den Innenräumen arbeiten. Bisher wurden 1,7 Millionen Euro Fördergeld für das Projekt ausgezahlt, bewilligt wurden Ausgaben von rund 5,8 Millionen Euro, die zu 80 Prozent gefördert werden. Mit dem städtischen Anteil in Höhe von 350 000 Euro beträgt der Fördersatz rund 89,5 Prozent. „Es hat Mehrkosten gegeben, und vermutlich wird es weitere geben. Das ist aber kein Zeichen für unprofessionelle Arbeit“, sagt Johannes Slawig, in dessen Geschäftsbereich das Fördermanagement der Stadt liegt. Das sei auch bei anderen Bauprojekten der Fall und habe gute Gründe, so dass dies mit der Bezirksregierung abgesprochen werden könne und keine Probleme machen werde. Das Fördergeld werde je nach Baufortschritt freigegeben, die Verwendung von vielen Stellen überprüft.

Solar Decathlon

Der Solar Decathlon ist ein Hochschulwettbewerb für nachhaltiges Bauen und Wohnen. Die Teams treten in verschiedenen Disziplinen wie Architektur, Energieperformance, urbane Mobilität und Innovation an. Vom 10. bis 26. Juni 2022 können Besucher die Modelle auf dem Gelände an der Nordbahntrasse besichtigen. Am 1. Oktober beginnen die ersten vorbereiteten Bauarbeitern auf dem Gelände.

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