Buga 2031

Rekordbrücke über das Tal der Wupper

Die 516 Meter lange Brücke im Norden Portugals führt in einer Höhe von 175 Metern über die steile Schlucht des Flusses Paiva. Foto: Sergio Azenha/dpa
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Die 516 Meter lange Brücke im Norden Portugals führt in einer Höhe von 175 Metern über die steile Schlucht des Flusses Paiva.

Wuppertal. Nach der Sommerpause soll die Entscheidung über die Buga 2031 fallen – eine Hängebrücke wäre eine der Attraktionen.

Von Andreas Boller

Seitenansicht der 700 Meter langen Brücke.

Vor wenigen Tagen wurde im Geopark Arouca in der Nähe von Porto die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt eingeweiht. Ob der Rekord von 516 Meter lange Bestand hat, ist fraglich, denn als 2017 im Harz die Titan RT mit 483 Meter Länge eröffnet wurde, zog wenige Monate später die 494 Meter lange Brücke Charles Kuonen im Mattertal in der Schweiz am Rekordhalter vorbei. 2031 könnte Wuppertal neue Maßstäbe in luftigen Höhen setzen. 700 Meter – so der Plan – soll die Hängebrücke lang sein, mit der die Kaiserhöhe und die Königshöhe fußläufig verbunden werden sollen.

„Die Brücke ist machbar, und sie würde den Blick auf eine spannende Stadtlandschaft bieten. Das macht sie besonders.“

Frank Meyer, Baudezernent

Die Hängebrücke über das Tal der Wupper soll eine der großen Attraktionen der Bundesgartenschau in zehn Jahren werden. Bisher hat es dafür allerdings nur eine Vorstudie gegeben, die zu dem Ergebnis kommt, dass das Bauwerk technisch machbar ist. Von einer technischen Machbarkeit waren allerdings auch die Planer der Seilbahn vom Döppersberg über die Universität bis Küllenhahn ausgegangen. Doch je konkreter die Planungen wurden, umso mehr Fragen wurden gestellt und umso stärker formierte sich der Widerstand in der Bürgerschaft.

Der Bau der „516 Arouca“, so der Name des neuen Rekordhalters, soll 2,1 Millionen Euro gekostet haben. In der Machbarkeitsstudie zur Buga 2031 kommt das Büro RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten für die Hängeseilbrücke über das Tal der Wupper auf Kosten von 15,4 Millionen Euro. Carolin Fricke vom Büro RMP zeigt sich überrascht von den für die „516 Arouca“ genannten Kosten. „Möglicherweise sind in Portugal nicht alle Kosten in die Berechnung eingeflossen. Bei der von uns vorgelegten Berechnung ist das nicht der Fall, das ist solide kalkuliert“, sagt sie im Hinblick auf den siebenfachen Preis der in Wuppertal geplanten Brücke. Mit einer Kostenexplosion bei der Herstellung des Bauwerks sei daher nicht zu rechnen.

Dezernent Frank Meyer sieht in der Hängebrücke die Chance, eine über die Buga 2031 hinaus reichende Attraktion für Wuppertal zu schaffen. „Die Brücke ist machbar, und sie würde den Blick auf eine spannende Stadtlandschaft bieten. Das macht sie besonders. Das Problem der Brücken mit einer solchen Länge ist nicht die Spannweite, sondern ihr Eigengewicht“, sagt Frank Meyer. Zur Berechnung der Statik seien unter anderem umfassende geologische Untersuchungen für die Gründung der Pylonen erforderlich. Der Einsatz von Planungsmitteln in der erforderlichen Höhe sei aber erst dann gerechtfertigt, wenn feststehe, dass die Buga-Pläne der Stadt Wuppertal realisiert werden. Voraussetzung dafür ist der Durchführungsbeschluss des Stadtrats.

Einige wenige private Grundstücke würden von der Brücke überspannt. Außerdem führt sie über die Hauptstrecke der Bahn, die Schwebebahn und eine Kleingartenanlage. Die Diskussionen um die Seilbahn haben gezeigt, dass somit noch einige elementare Fragen geklärt werden müssten.

Chancen, die textile Geschichte einzubeziehen

Meyer sieht Chancen für innovative Lösungen. Wuppertal könne sich auf seine textile Vergangenheit berufen und in die Brücken textile Elemente einbeziehen, die zur Gewichtsreduzierung beitragen würden. Hier biete sich eine Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität und dem Institut für Textiltechnik Aachen an.

Die fußläufige Verbindung der Kaiserhöhe zur Königshöhe ist für den Gesamtplan der Buga von Bedeutung. Bis zu 1000 Besucher der Buga könnten gleichzeitig die Brücke nutzen, die als Verbindung der beiden Waldparks dienen würde. Sollte die Brücke aus den Planungen gestrichen werden, müssten die Wegebeziehungen des Buga-Kernareals „Wupperpforte“ und der „Rundgang“ im Westen der Stadt mit den Tescher Wiesen, Zoo, Seilbahn zur Königshöhe und der Brücke zur Kaiserhöhe neu geplant werden.

In ihren jüngsten Wortmeldungen äußerten die Ratsfraktionen von SPD, FDP, CDU und Grünen grundsätzliche Zustimmung zur Buga. Die Entscheidung soll nach der Sommerpause noch in diesem Jahr fallen. Entscheidend dürfte die Frage der Finanzierung sein. Der Eigenanteil ist vorläufig auf 71 Millionen Euro angesetzt worden. Laut der ersten Machbarkeitsstudie, die 2018 vorgestellt wurde, belaufen sich die Investitionskosten auf 69 Millionen Euro, die Durchführungskosten wurden mit 50 Millionen Euro angesetzt. 15,3 Millionen Euro würden in die gärtnerische Ausstattung fließen. Der städtische Anteil an den Investitionskosten würde nach diesen Berechnungen 34,6 Millionen Euro betragen. Bei 1,8 Millionen Besuchern wären Einnahmen in Höhe von 28,5 Millionen Euro. Viele – zum Teil noch unbekannte Faktoren wie allgemeine Kostensteigerungen sowie Zuschüsse von Bund und Land – bestimmen den Eigenanteil, den die Stadt stemmen müsste. Kritiker des Buga-Projektes sagen, dass die Ausrichtung einer Bundesgartenschau nur in den seltensten Fällen ohne tiefrote Zahlen ausgeht.

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind hat sich im Grundsatz für das Buga-Projekt ausgesprochen, aber mehr Nachhaltigkeit statt einer „Blümchenschau“ gefordert. Die Hängebrücke über das Tal der Wupper und die ebenfalls geplante Seilbahn vom Stadion durch den Zoo hinauf zur Königshöhe mit einer Streckenlänge von 950 Metern hat Schneidewind als mögliche „Attraktionen“ der Buga 2031 genannt.

Daten

Die Brücke soll 700 Meter lang und 1,80 Meter breitwerden. 550 Meter sind dabei freihängend. Das Gewicht der Drahtseile wird rund 82,5 Tonnen betragen. 1000 Nutzer gleichzeitig soll die Brücke aushalten. Die geplanten Kosten liegen bei 15,5 Millionen Euro.

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