Wuppertal Institut

Wie reduziere ich meinen CO2 -Fußabdruck?

Praktische Tipps gibt’s auch auf Facebook. Foto: Screenshot
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Praktische Tipps gibt’s auch auf Facebook.

Die Susla-App des Wuppertal Instituts analysiert den eigenen Verbrauch - und hilft, ihn zu reduzieren.

Von Eike Rüdebusch

Wuppertal. Heute schon Kaffee getrunken, Brot gegessen, mit Wurst oder Käse darauf, oder mit dem Auto zur Arbeit gefahren? Dann haben Sie schon einen Rucksack auf dem Rücken. Einen Ressourcen- und CO2-Rucksack. Denn fast alles, was wir tun, verbraucht Ressourcen oder sorgt für mehr CO2. Selbst still stehen in der eigenen Wohnung – weil alleine das Wohnen schon großen Einfluss auf die Bilanz des eigenen Verbrauchs hat. Je nach Größe der Wohnung oder nach Qualität der Dämmung.

Wichtige Faktoren: Wohnen, Energie, Mobilität

Was kann ich tun, um nachhaltiger zu leben? Und: Auf welchem Stand bin ich jetzt? Das habe ich zusammen mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie herausfinden wollen. Denn das Institut am Döppersberg hat mit Partnern aus Finnland, Dänemark, der Schweiz, Spanien, Mexiko und Indien eine App entwickelt, mit der man seinen eigenen Verbrauch beziffern kann, und – das ist der springende Punkt – die auch Wege zeigt, wie man weniger verbrauchen und emittieren kann. Katrin Bienge, Co-Leiterin des Forschungsbereichs Produkt- und Konsumsysteme, Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren, sagt, dass man als Verbraucher mit dem ersten Anlauf, gut und gerne 20 bis 30 Prozent der Werte reduzieren kann. Das wisse man aus Vorgängerprojekten. Mit der App, die bisher nur im Browser funktioniert, wollen die Entwickler Hilfestellung geben, was man noch tun kann, und herausfinden, ob und wie man Menschen erreicht, um weniger zu verbrauchen. „Die Grundidee ist, dass wenn wir den Haushalten Infos geben, was sie tun können, sie auch etwas davon umsetzen.“

Katrin Bienge vom Wuppertal Institut.

Die App ist erst einmal ein Fragebogen – es geht anfangs um statistische Daten: Alter, Geschlecht, Wohnort. Und so arbeitet man sich zu den relevanteren Kriterien vor: Wohnen, Energie, Mobilität, Ernährung, Freizeit, Konsum.

Und man merkt schnell, dass man wenig tun muss, um viel zu verbrauchen oder zu hinterlassen. Schon nach Angabe des Wohnorts und der Größe der Wohnung habe ich mehr als 900 Kilogramm CO2 und 6560 Kilogramm verbrauchter Ressourcen auf der Liste. Wenn die Energie dazukommt, bin ich direkt bei 2220 kg CO2 und 7950 kg verbrauchter Materialien – trotz des Ökostroms, den ich beziehe, trotz der Tatsache, dass wir zu viert in der Wohnung leben. Bienge erklärt, dass Ökostrom aus erneuerbaren Energien noch am wenigsten Ressourcen verbraucht. Trotzdem: Die Zahlen machen Eindruck.

Die Ressourcen sind im Rechner integriert, weil die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und Politik eher auf Klima und CO2-Bilanz hafte, erklärt Bienge. Aber auch der Verbrauch von Ressourcen dürfe nicht vernachlässigt werden. Und der ist etwa bei Kohle schon sehr hoch.

Bis zu den Klimazielen 2050 ist es noch ein sehr weiter Weg

Und die Zahlen sind relevant: Denn um die Klimaziele für 2050 zu erreichen, müssen wir alle rein rechnerisch auf einen CO2-Ausstoß von weniger als eine Tonne kommen (700 kg). Und auf einen Materialverbrauch von 8000 Kilogramm.

Mobilität kommt als Nächstes: Wie viel fahre ich Auto, wie viel fliege ich? Ich schätze, in einem durchschnittlichen Jahr fliege ich sechs Stunden, sitze zehn Stunden im Zug und fahre 2000 Kilometer Auto – neben den täglichen Fahrten zur Kinderbetreuung, die etwa 70 Kilometer die Woche ausmachen. Danach komme ich etwa auf 5000 kg CO2 und 13 000 kg Ressourcen. Der Rucksack wächst rasant.

Bienge sagt, es gehe nicht darum, Fliegen und Autofahren zu verbieten - aber sie empfiehlt weniger zu fliegen und zu fahren. Dafür müsse aber auch das Angebot stimmen: ÖPNV, Carsharing, Fahrradspuren. Der Verbraucher ist also auch abhängig von der Politik und Wirtschaft.

Ich bin Vegetarier, esse aber noch Eier und Milchprodukte - und vor allem trinke ich Kaffee. Das bringt mich zusammen auf fast 8000 Kilogramm CO2 und 23 000 kg verbrauchte Ressourcen.

Später fragt die App noch nach meinem Müllaufkommen, nach der Anzahl der Haushaltsgeräte und der Unterhaltungselektronik, danach, wie viel Kleidung und Möbel ich kaufe und wie viel gebraucht ist. Und lässt mich mit mehr als 10 000 kg CO2 und mehr als 36 000 Tonnen Materialverbrauch zurück - all das nur durch mich und für mich. Die Zahlen sind erschreckend. Aber sie sind realistisch, weil sie auf einer breiten Datenbasis der beteiligten Institute fußen.

Aber das Gute ist, dass die App nicht nur das schlechte Gewissen macht, sondern auch Lösungen anbietet und direkt aufzeigt, wo welche Effekte zu erzielen sind.

Wer sich anmeldet, kann Ziele lange planen

Wer sich nicht anmeldet, bekommt drei Ideen angeboten, etwas zu verbessern – wer aber ein Benutzerkonto anlegt, darf mit vielen Handreichungen rechnen. Und kann sich eine langfristige Liste von Zielen setzen und diese verfolgen.

Bienge rechnet mir einige vor - wenn ich etwa auf die Flugreise verzichte, fallen 1700 Kilo CO2 weniger an, und 389 Kilo weniger verbrauchte Materialien. Wenn ich in der Woche 15 statt 20 Kaffee trinke, sind es nochmal 33 Kilogramm weniger CO2. Wenn ich etwa noch auf tierische Produkte verzichte, könnte ich nochmal 1300 kg CO2 einsparen und fast 6000 kg Material.

Das klingt nach harten Maßnahmen und Einschnitten. Aber Bienge sagt auch, wer schon viel gemacht habe, für den sind weitere Schritte eben schwieriger. Umso mehr komme es auf Politik und Wirtschaft an, die Grundvoraussetzungen unseres Konsums und unseres Wirtschaftens zu ändern. Zur Motivation wäre an diesem Punkt interessanter, zu berechnen, von wo ich gestartet bin. Denn wenn die Werte höher sind, dann klappen auch 20 bis 30 Prozent weniger recht einfach.

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