Ratten lassen sich öfter tagsüber sehen

Die Nager haben die Scheu vor Menschen verloren. Wuppertal legt aktuell an 20 Stellen Fallen aus, um des Problems Herr zu werden.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Erst raschelt es im Gebüsch, plötzlich flitzt eine Ratte am helllichten Tag über den Asphalt, bleibt sogar noch kurz stehen und schaut die Passanten an, ehe sie Richtung Wupper verschwindet. Solche Sichtungen gehören im Stadtgebiet längst zur Tagesordnung. Das veranlasst manche Bürger zur Annahme, dass die Zahl der Ratten in Wuppertal zugenommen hat – doch das stimmt nicht. Das sagt zumindest Schädlingsbekämpferin Bärbel Holl, die seit 29 Jahren den kleinen Nagern Fallen stellt.

„Die Ratten sind nicht mehr geworden, aber sichtbarer“, sagt sie. „Die Ratten haben sich verändert, im Laufe der Jahre haben sie die Scheu vor den Menschen verloren.“ Zu Beginn ihres Berufslebens habe sie sich über Kunden gewundert, die davon berichtet haben, dass sich Ratten tagsüber im Garten sehen lassen. Inzwischen sei das normal, denn die Ratten hätten sich über Generationen an den Menschen gewöhnt.

Die Stadt Wuppertal versucht, der Ratten auf städtischem Grund mit Fallen Herr zu werden, die von externen Dienstleistern aufgestellt werden. Derzeit legt die Stadt an 20 Stellen in ganz Wuppertal gleichzeitig Fallen aus, wie Christian Arlt, Abteilungsleiter der Grünflächenunterhaltung berichtet. Bekämpfungs-

Auch auf Kinderspielplätzen lassen sich Ratten gerne sehen. Dort reizen sie beispielsweise überlaufende Mülleimer. In Wuppernähe sind sie oft zu sehen, weil sie dort Wasser zum Trinken finden. Auch rings um verschiedene Gastronomien, gerade im Imbiss- und Schnellrestaurant-Bereich, gebe es oft vermehrt Vermüllung und überlaufende Tonnen, die Ratten anziehen. „Da sprechen wir die Gastronomen auch gezielt an und bitten um Mithilfe“, sagt Arlt.

Die Tiere übertragen Krankheiten, nagen sich durch Säcke und Kabel

Die Stadt wird tätig, wenn ein Privateigentümer auf seinem Grundstück dafür sorgt, dass sich die Ratten wohlfühlen. Denn: Ratten sind bekämpfungspflichtig. Wuppertals Ordnungsamtsleiter Carsten Vorsich berichtet: „Wir fordern Grundstückseigentümer auf, sich um die Ratten zu kümmern. Wenn die Leute nicht reagieren, können wir auch ein Zwangsgeld verhängen.“

Ratten können Krankheiten wie Tollwut und Tuberkulose übertragen und verbreiten beispielsweise auch Salmonellen. Dazu muss man nicht von der Ratte gebissen werden. „Eine Übertragungsgefahr besteht über Kot und Urin“, sagt Schädlingsbekämpferin Bärbel Holl. Beim Entfernen sollten Bürger entsprechend vorsichtig handeln und sich schützen.

Ein weiteres großes Problem: Ratten nagen sich durch Säcke, Verpackungen und manchmal auch Kabel. „Im Gewerbebereich fallen deswegen schon mal ganze Maschinen aus, was einen riesigen finanziellen Schaden verursachen kann“, sagt Bärbel Holl.

Neuester Trend: „Rattenschützer“ legen Brot und Nudeln aus

Ratten treiben sich gerne in der Kanalisation herum. Kann es da nicht passieren, dass sie durch die Toilette ins Haus gelangen? Holl sagt: „Das ist eine ganz seltene Angelegenheit.“ In ihrem Berufsleben seien ihr rund zehn Fälle dieser Art untergekommen. „Aber die, die das erleben, haben natürlich einen Schock fürs Leben.“ Bei allen Ködern und Schlagfallen

– die die schlauen Tierchen teils zu überlisten lernen – ganz ausrotten wird man Ratten in der Stadt nie können. Bärbel Holl weiß: Je stärker man eine Population eindämmt, umso mehr legen sich die Ratten ins Zeug, diese Verluste wieder auszugleichen. Das haben Versuche gezeigt.

Und dann haben sie auch noch einige zweibeinige Unterstützer. In letzter Zeit erlebt Holl ein ganz neues Phänomen: Vor ihren Rattenköder liegen gelegentlich Brot und Nudeln aus. Bärbel Holl sagt: „Es gibt jetzt Rattenschützer. Das ist wohl im Moment in.“

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