Projekt macht Geschichte erlebbar

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Markus Teubert und Thorsten Dette (l.) sind bei der Stadt für das Virtual-Reality-Projekt verantwortlich. Foto: Anna Schwartz

Das Stadtarchiv in Wuppertal arbeitet an Konzept, mit dem Besonderes virtuell gesichert wird.

Von Tanja Heil

Wuppertal. Karteikästen bestimmen den Alltag im Stadtarchiv. Die Mitarbeiter wühlen sich durch die Karteikarten, schreiben Signaturen auf Zettel und holen dann dicke Ordner aus dem Archiv oder stecken Microfiches in altertümliche Lesegeräte. Doch jetzt planen sie für ein EU-Projekt Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). Gemeinsam mit sechs weiteren Institutionen in fünf europäischen Ländern wollen sie hochwertige Lernmaterialien zur örtlichen Industriegeschichte für die Erwachsenenbildung entwickeln. Rund 47 000 Euro stehen dafür in drei Jahren zur Verfügung.

Seit September 2018 läuft das Projekt. „Wir sind noch dabei, das methodologische Handbuch zu verfassen“, erklärt Thorsten Dette, Leiter des Stadtarchivs. Zum Kernteam gehören außer ihm sein Mitarbeiter Markus Teubert, Lars Bluma, Leiter des Historischen Zentrums, und Martina Kissing von der Stadt Wuppertal. Beatrix Burghoff vom Bergischen Weiterbildungskolleg berät das Team bezüglich der pädagogischen Ausrichtung der Materialien. „Mit lokaler Geschichte erhält man im Unterricht viel mehr Aufmerksamkeit“, betont sie.

Mit dem Projekt sollen einerseits Orte der historischen Industriekultur virtuell gesichert werden, auch wenn sie im realen Leben irgendwann verschwinden. Andererseits sollen Schüler in den mit VR und AR verbundenen Techniken geschult werden und damit Schlüsselkompetenzen erhalten. Dabei richtet sich das Projekt ausschließlich an erwachsene Schüler – an Weiterbildungs- und Berufkollegs, an der Volkshochschule oder beim Katholischen Bildungswerk.

Die notwendige Ausrüstung fehlt noch an vielen Schulen

Dass bisher vermutlich an keiner dieser Institutionen die zur Ansicht nötigen VR-Brillen vorhanden sind, stört das Projektteam nicht. „Wir sind ja erst ganz am Anfang“, sagt Thorsten Dette. Erste Bilder für einen 360-Grad-Film schoss der Fotograf Christian Stüben bei der Färberei Ferdinand Weskott. Solche „Rundum-Ansichten“ sollen einen guten Einblick in historische Räume und Berufe schaffen. Noch intensiver wird dieser mit VR-Technik: Dann können die Betrachter die VR-Brille aufsetzen und haben das Gefühl, mitten im Raum – etwa in einer Färberei – zu stehen. Teilweise können sie dort sogar Gegenstände greifen und versetzen. Um Letzteres zu erreichen, sind allerdings gute Programmierkenntnisse nötig.

Bei Augmented Reality wird das Smartphone auf einen Ort oder ein Haus gehalten und zeigt dazu weitere Infos an – etwa historische Fotos, alte Landkarten oder Zusatztexte. Vor allem aber wollen die Projektleiter alte Menschen von früher erzählen lassen. Das wird dann vermutlich aber eher im klassisch gefilmten Interview passieren. „Das bietet neuen Wuppertalern die Möglichkeit, einen Bezug zu Wuppertal zu bekommen“, betont Thorsten Dette. Dadurch, dass sie Wuppertaler Orte mit ihrer historischen Bedeutung und in Verbindung mit Geschichten hautnah kennenlernen, soll ihre Identifikation mit der Stadt und ihr Interesse an Zusammenhängen geweckt werden.

Da auch die erwachsenen Schüler selbst unter Anleitung von Profis diese Filme drehen sollen, setzen sie sich intensiv mit der Stadtgeschichte auseinander. „Es geht auch darum, die Auswirkungen des Strukturwandels zu zeigen“, erklärt Dette. Er trifft sich regelmäßig mit den anderen Projektteilnehmern aus Schweden, Portugal, Kroatien, Großbritannien und Österreich zum Austausch. Am Ende sollen die jeweiligen Verhältnisse anhand der neuen Materialien auch gegenübergestellt werden. Wie die nächsten Schritte im einzelnen aussehen, welche Orte gefilmt und fotografiert werden und ob und wie sich VR und AR mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umsetzen lassen, werden erst die nächsten Monate zeigen.

FÖRDERUNG

PROJEKT Das von der Europäischen Union über Erasmus+ geförderte Projekt „VIRAL-Virtual Reality Archive Learning“ soll sowohl europäische Städte miteinander vernetzen als auch neue Wege der Erwachsenenbildung aufzeigen. Geplant ist allerdings, dass die Materialien nicht öffentlich zugänglich sein sollen, sondern nur über Weiterbildungsinstitutionen verbreitet werden.

erasmusplus.de

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