Verbesserungen

Politik geht Hochwasserschutz nicht weit genug

Der Wuppertaler Ortsteil Beyenburg wurde beim Hochwasser stark überflutet.
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Der Wuppertaler Ortsteil Beyenburg wurde beim Hochwasser stark überflutet.

Experten legen ein Jahr nach der Flutkatastrophe Abschlussbericht vor. Darin benennen sie 41 Gefahrenpunkte für Wuppertal.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Knapp ein Jahr nach der Hochwasser-Katastrophe am 14./15. Juli 2021 hat die Stadt jetzt den Abschlussbericht der „Taskforce Hochwasser und Klimaresilienz“ vorgelegt. Arbeitsgruppen haben sich mit Verbesserungen von Gefahrenkarten, dem Hochwasserschutz in der Stadt, Warnsystemen, der Zusammenarbeit von Wupperverband und Feuerwehr, dem Talsperrenmanagement und Schwammstadtkonzepten befasst. An zahlreichen Stellen wurden Verbesserungen erreicht und weitere aufgezeigt. Den Bezirksbürgermeistern Andreas Bialas und Miriam Scherff fehlen aber wichtige Aspekte.

Beteiligt waren an der Taskforce Vertreter der Stadt, des Wupperverbands, der Stadtwerke und der Wirtschaftsförderung. Zuerst seien die Ereignisse während des Hochwassers 2021 analysiert worden, dann wurden Lösungsschritte erarbeitet. Umgesetzt wurde eine Erweiterung der Starkregengefahrenkarte, die Daten darüber liefert, welche Bereiche der Stadt bei viel Niederschlag gefährdet sind.

Für das „Hochwasserschutz-Prioritätenkonzept“ hat die Stadt 41 besonders gefährdete Stellen identifiziert. Das Wasserrückhaltebecken Bornberg am Mirker Bach ist eine der Maßnahmen, um Schäden durch Hochwasser und Starkregen zu verhindern. Für weitere soll Fördergeld eingeworben werden.
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Bei der Kommunikation zwischen Feuerwehr und Wupperverband gab es viele Verbesserungen: Ein „rotes Telefon“ soll dem Wupperverband Vorrang vor anderen Anrufern geben. Zur Warnung der Bevölkerung sollen noch in diesem Jahr 24 weitere Warnsirenen installiert werden.

Wasserstand kontrollieren durch weitere Pegel

Der Wupperverband hat zusätzlich zum Pegel an der Kluse einen an der Wupper-Talsperre installiert, der über erhöhte Abflüsse informiert. Zudem sind in Zusammenarbeit mit der Firma Berger 14 neue automatisierte Pegel angebracht worden, weitere 16 sollen bis Jahresende folgen. Langfristig soll ein Warnsystem entwickelt werden, das Künstliche Intelligenz nutzt, ein Forschungsprojekt dazu könnte bald genehmigt werden.

Der Wupperverband hat neue Sommerstauziele für seine Talsperren definiert und umgesetzt: So wird an der Wupper-Talsperre 2,5 Millionen Kubikmeter mehr Stauraum freigehalten. Der Abfluss aus den Talsperren soll ebenfalls reduziert werden, zudem will der Wupperverband künftig bei drohenden Gefahrenlagen in Absprache mit der Feuerwehr früher Wasser ablassen. Auch beim Talsperrenmanagement soll Künstliche Intelligenz helfen, Informationen zu Niederschlägen, Bodenfeuchte, Pegelveränderungen und Modellrechnungen zusammenzubringen.

Für die Ausrichtung Wuppertals als Schwammstadt sieht die Taskforce eine gute Grundlage für weitere Überlegungen und Planungen. Es soll ein Leitfaden entstehen, der zum Beispiel Bauherren ermöglicht, mit Blick auf Starkregen und Hochwasser besser zu planen.

Andreas Bialas hat sich als Bezirksbürgermeister von Langerfeld-Beyenburg viel mit dem Hochwasser vor allem in Beyenburg beschäftigt. Ihm fehlen wichtige Aspekte in dem Bericht: „Innerhalb eines Jahres hätte man mehr machen können.“ Er fordert zum Beispiel eine Aufarbeitung, wie die Notrufe von der Feuerwehr abgearbeitet wurden: „Es sind ja nur 20 Prozent der Notrufe durchgekommen“, sagt er. Er wisse von keinem Konzept, mit einer solchen Situation umzugehen, sagt, dass Feuerwehrleute am Abend des Hochwassers von Beyenburg abgezogen wurden, obwohl die Altstadt überflutet war.

Innerhalb eines Jahres hätte man mehr machen können.

Andreas Bialas, Bezirksbürgermeister von Langerfeld-Beyenburg

Die Aufstellung von Sirenen allein reiche nicht, die Bevölkerung müsse auch geschult werden, was sie tun soll oder auf keinen Fall tun darf. Er fragt auch: „Wie stellt die Stadt sicher, dass die Kommunikation nicht zusammenbricht?“ In der Nacht sei sowohl das Handynetz als auch der Strom ausgefallen. Der Bericht sage nichts dazu, wie sich das Krisenzentrum der Stadt künftig aufstelle, das in der Krisennacht selbst von Hochwasser betroffen gewesen sei.

Für den Wupperverband fehlen ihm Angaben dazu, ob im Krisenfall mehr Personal eingesetzt werde. Er will wissen, wie künftig in Krisen mit Bezirksregierung und Land zusammengearbeitet wird. Zudem fragt er nach baulichen Veränderungen, um künftig Hochwasser zu verhindern.

Das ist auch Miriam Scherff, Bezirksbürgermeisterin von Cronenberg, wichtig: „Es ist viel zu wenig Ursachenforschung betrieben worden“, kritisiert sie. Aus ihrer Sicht ist nicht klar, ob das Wasser in der Kohlfurth und im Morsbachtal nur aus der Wupper beziehungsweise dem Morsbach kam oder auch von den Hängen: „Da ist überall Wasser von Cronenberg runtergekommen“, sagt sie. Es müsse geprüft werden, woher das Wasser kam, welche Wege es nahm, bauliche Maßnahmen müssten das gegebenenfalls in Zukunft verhindern. „Das Thema Schwammstadt kommt viel zu kurz“, findet sie.

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