Wissenschaft

Physiker erzielen „Durchbruch des Jahres“

Lukas Varnhorst, Jana Günther, Christian Hölbling, Bálint Tóth und Szabolcs Borsányi (v. l.) freuen sich über den „Durchbruch des Jahres“ für ihre Forschung. Foto: Andreas Fischer
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Lukas Varnhorst, Jana Günther, Christian Hölbling, Bálint Tóth und Szabolcs Borsányi (v. l.) freuen sich über den „Durchbruch des Jahres“ für ihre Forschung.

Wuppertal. Auszeichnung für die Forschungsgruppe der Bergischen Universität.

Von Juri Lietz

Physiker sind geehrt, wenn sie Ergebnisse ihrer Forschungen im Nature Magazine veröffentlichen dürfen; als eine noch größere Ehre darf es gelten, wenn ebenjene Veröffentlichungen dann vom ebenso renommierten Science Magazine zu einem „Breakthrough of the Year“ – also Durchbruch des Jahres – gekürt werden. Beides darf nun von einer Forschungsgruppe der Bergischen Universität in Anspruch genommen werden.

Bei der Publikation der Gruppe aus dem April 2021 geht es um nichts weniger als das Verständnis des Universums. Die Forscher beschäftigten sich in den letzten Jahren mit dem Magnetfeld des Myons, ein Elementarteilchen, das dem Elektron bis auf eine deutlich größere Masse sehr ähnlich ist.

In diesem Zusammenhang stand die Physik-Welt 20 Jahre lang vor einem Mysterium, denn zu Beginn des Jahrtausends war aufgefallen, dass das Myon sich in starken Magnetfeldern anders zu verhalten scheint, als die übliche physikalische Theorie es zulassen dürfte. Von einem Bruch im Standardmodell, gar von einer möglichen „fünften Kraft“ war dabei die Rede. Diesem Rätsel ging die Gruppe aus Wuppertal auf den Grund – zwar nicht endgültig, aber doch bahnbrechend. Denn ihre nunmehr präziseren Messungen lösen die Diskrepanz zunächst auf, lassen aber auch die Möglichkeit noch genauerer Ergebnisse erkennen.

„Sie zu finden, wäre eine Sensation.“

Zoltán Fodor, Gruppenleiter

Zoltán Fodor ist der Leiter der Gruppe und gibt sich nüchtern im Hinblick auf die international wahrgenommene Auszeichnung. Schließlich liegt der große Aufruhr auch schon einige Monate zurück, als im April die Arbeit veröffentlicht wurde und Fodor unter anderem Interviewgast bei der New York Times war. Er fokussiert sich auf die Ergebnisse: „Mit ihnen hatten wir einigermaßen gerechnet.“ Interessanter sei hingegen, was sich nun daraus ergibt. „Wenn die Zahlen übereinstimmen, ist es ein enormer Erfolg für das Standardmodell. Wenn nicht, würde es auf eine fünfte Kraft hindeuten. Sie zu finden, wäre eine Sensation.“ Fodor und sein Team werden weiter daran forschen: „Ich bin offen für alle Möglichkeiten.“

Szabolcs Borsanyi ist neben Fodor sowie Christian Hölbling, Kalman Szabo, Thomas Lippert, Balint Toth und Lukas Varnhorst ebenfalls Teil der geehrten Wuppertaler Gruppe. Die Auszeichnung im Science Magazine bedeutet für ihn Repräsentation: „Es gibt uns eine zusätzliche Sichtbarkeit. Das ist gut und wichtig, weil wir Steuergelder ausgeben.“

Die Forscher nutzten zum Beispiel den Supercomputer am Forschungszentrum Jülich, vernetzten sich mit weiteren Teams und profitierten vom Austausch zwischen mehreren Instituten. Federführend aber wurde die internationale Kollaboration aus Wuppertal geleitet. Borsanyi lobt die hiesige Universität: „Es gibt hier eine sehr gute Umgebung und das zieht weitere Fachleute an.“

Auf diese wissenschaftliche Infrastruktur wollen die jüngst ausgezeichneten Physiker auch künftig bauen. „Es bleibt ein spannendes Thema, weil die Experimente in den kommenden Jahren noch verfeinert werden“, verspricht Borsanyi.

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