Schönste Villa

Parkschlösschen: Diskussionen um Sanierung

Das Parkschlösschen samt Anbauten aus der Luft. Fotos: Tim Oelbermann
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Das Parkschlösschen samt Anbauten aus der Luft.

Wuppertal. Im Briller Viertel will ein Investor im kommenden Jahr zwei Wohnhäuser neben dem Denkmal errichten.

Von Manuel Praest

Über Jahrzehnte beherbergte das Parkschlösschen an der Katernberger Straße im Briller Viertel Gastronomie. 2018 war dann Schluss.

Ein bisschen ist schon passiert: Der Kiosk oben auf dem Berg der Katernberger Straße wurde bereits im vergangenen Jahr abgerissen. Und auch rund um das angrenzende Parkschlösschen soll sich ab dem kommenden Jahr etwas tun: Der neue Eigentümer will dann mit der Restaurierung des Denkmals, jahrzehntelang Heimat von Gastronomiebetrieben, starten. Seine weiteren Pläne – auf dem Gelände sollen zwei Wohnhäuser mit jeweils fünf Luxuswohnungen entstehen, dafür zwei nicht-denkmalgeschützte Anbauten verschwinden – stoßen allerdings auch auf Kritik.

Während die Meinungen in der Nachbarschaft geteilt sind, ärgern sich die Grünen darüber, dass das Briller Viertel nur noch „Kulisse für teure Neubauten“ sei. Bei Anwohnern sorgten zuletzt Fällarbeiten auf dem Gelände für Diskussionen. Einige alte Bäume mussten fallen. Das sei aber in enger Absprache mit den Denkmalbehörden erfolgt, verteidigt sich der Investor – ein Wuppertaler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

„Das Parkschlösschen ist die schönste Villa im Briller Viertel.“

Der Investor, der unerkannt bleiben will

Die Standfestigkeit der historischen Mauer sei gefährdet gewesen. Auch sonst arbeite er eng mit der Stadt zusammen. Dass es Gegenwind für seine Pläne im Briller Viertel geben werde, darüber sei er sich schon beim Kauf des Geländes im Klaren gewesen, hatte er vor mehr als zwei Jahren gegenüber der WZ bereits geäußert. „Der Bedarf für hochwertige Wohnungen im Briller Viertel ist groß“, ist er auch jetzt überzeugt. „Aber der Platz fehlt.“ Das Parkschlösschen „ist die schönste Villa im Briller Viertel“.

Dass die erhalten bleiben muss, da sind sich auch die befragten Anwohner einig. „Sie ist ein echter Hingucker“, sagt eine Nachbarin. „Das soll sie auch bleiben“, bekräftigt der Investor. Die Neubauten würden so auf dem Gelände liegen, „dass der Blick von der Straße auf das eigentliche Parkschlösschen frei bleibt“. Die Neubauten werde man gar nicht sehen.

Gegen den Abriss der Anbauten spreche aus denkmalschutzpflegerischer Sicht nichts, erklärt Klaus-Ludwig Thiel vom LVR-Amt für Denkmalbehörde im Rheinland. Er bestätigt aber, dass die gefällten Bäume mit ihrem Wurzelwerk die unter Schutz stehende Mauer des Areals beeinträchtigt haben. Neben den Anbauten ist auch der Park selbst nicht denkmalgeschützt. Für die Planungen der Villa hingegen seien die Denkmalbehörden voll eingebunden. Den Wunsch nach Gastronomie in der Villa wird der Eigentümer allerdings nicht erfüllen: „Das ist kein Thema.“ Ebenso wenig eine Kita, wie es am Anfang auch mal hieß. Es habe aber schon viele Anfragen gegeben, gut vorstellen könne er sich dort eine Kanzlei oder einen ambulanten Pflegedienst.

Was die Wohnungen angeht, werde es erst im kommenden Jahr mit den Arbeiten losgehen, kündigt der Eigentümer an. Ob es Mietobjekte oder Eigentum wird, stehe noch nicht fest. In der Nachbarschaft sehen schon einige Anwohner die Gefahr, „dass das Briller Viertel zugebaut wird“. Kordula Pfaller (Grüne) räumt ein, dass es nun mal Baurecht an dieser Stelle gebe. „Und das ist das Problem. Der Investor kann praktisch machen, was er will.“ Der Einfluss des Gestaltungsbeirates sei in solchen Fällen eher begrenzt.

Sie würde sich wünschen, dass die Stadt einen großflächigen Bebauungsplan für das Viertel entwickele, mit einer Denkmalbereichssatzung oben drauf. Die Forderung nach einer solchen gibt es seit Jahren - der Verwaltung fehlen allerdings die Ressourcen. Zunächst soll eine solche Satzung für Beyenburg und Cronenberg umgesetzt werden, dann wäre das Briller Viertel dran. Die einzige Denkmalbereichssatzung, die bereits in Kraft ist, gilt für das Zooviertel.

Vergleichbare Diskussion um die Villa Amalia

„Das Briller Viertel spielt doch gar keine Rolle bei den Neubauten“, sagt Pfaller. Es gehe nur darum, neuen, teuren Wohnraum zu schaffen.

„Ich weiß, dass die Unterhaltung einer Villa aufwendig ist“, so die Bezirksvertreterin. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass die Flächen drum herum zugebaut werden für den Profit.

Es sei eine ähnliche Situation wie mit der Villa Amalia an der Briller Straße. Ein Investor will diese restaurieren – auf dem Gelände sollen zusätzlich drei große Wohnhäuser entstehen. „In der Menge ist das einfach zu viel. Ein Gebäude weniger hätte es definitiv dort auch getan.“

Parallelen zur Villa Amalia zieht auch Max Guder (SPD). Wichtig sei wie an der Briller auch an der Katernberger Straße, dass das Denkmal „neu erstrahlt“. Das Parkschlösschen sei ein echter Prachtbau.

Hintergrund

Historie: Das heute unter dem Namen Parkschlösschen bekannte Gebäude Katernberger Straße 197 ist laut städtischer Denkmalliste „ein zweigeschossiges, ehemals als Gartenhaus und Remise genutztes Gebäude“. Anhand historischer Karten ist das Baujahr zwischen 1888 und 1892 anzusetzen. Erwähnenswert dabei ist, dass in Teilbereichen die ursprüngliche Einfriedung des Grundstückes mit Natursteinmauer erhalten blieb.

Baurecht: Für das Gebiet der Villa gibt es keinen Bebauungsplan, hatte die Stadt vor zwei Jahren erklärt. Baurechtlich greife dann Paragraf 34; das heißt, eine mögliche neue Bebauung müsse sich, was etwa die Höhe angeht, an die Bauten der Umgebung anpassen.

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