Pilotprojekt der Uni

Der Paketbote kommt jetzt per Rad

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Michael te Heesen, Geschäftsführer Incharge, am Lenkrad und Tim Holthaus, Bergische Universität in Wuppertal.

DÜSSELDORF/WUPPERTAL Pilotprojekt der Uni: In Düsseldorf setzen erste Logistikfirmen schon aufs elektrische Lastenrad.

Von Alexander Esch

Jahr für Jahr werden mehr Pakete in Düsseldorf ausgeliefert. 35 000 Pakete stellt allein DHL täglich zu, hinzu kommen die Transporte der anderen Unternehmen von UPS über Hermes, DPD bis GLS, die so mit für den Stau sorgen, in dem sie täglich stehen. Nun gibt es auch in Düsseldorf erste Versuche, die Pakete mit dem Lastenfahrrad zu transportieren, um so nicht nur umweltschonender, sondern auch effizienter unterwegs zu sein.

Noch in diesem Monat zum ersten Mal mit einem elektrischen Lastenfahrrad unterwegs sein will ABC-Logistik mit Sitz im Hafen an der Cuxhavener Straße 2-4. Mit dem Projekt Incharge sammelt der Düsseldorfer Logistiker für 100 Kunden in der Innenstadt die Lieferungen im Hafen und stellt sie dann gebündelt zu. Das soll nun ergänzend mit einem 17 000 Euro teuren Dreirad passieren, das mit rund 300 Kilogramm beladen werden kann. „Bring“ heißt das gute Stück des Herstellers Bayk passenderweise.

Es soll um Ergänzung gehen, nicht um Ersetzen

In einem Pilotprojekt soll in Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal herausgefunden werden, wie gut ein Cargobike die Paketzustellung per Klein-Laster ergänzen kann. Ergänzen, und nicht ersetzen, dieser Unterschied ist Geschäftsführer Michael te Heesen sehr wichtig. „Das Lastenrad ist sicher kein Allheilmittel.“ Entscheidend sei vor allem, sinnvolle Zustellgebiete im nahen Umkreis des Lagers zu definieren. Von einem Gebiet rund um den Medienhafen von drei bis fünf Kilometern geht er aus. „Wir werden viel auch einfach ausprobieren müssen und schauen, wie es funktioniert.“ Die Frage wird am Ende sein, unter welchen Umständen wird wirklich Benzin, Geld und Zeit gespart.

So systematisch ist das aus seiner Sicht beim Berliner Projekt Komod nicht untersucht worden. Dort hatten sich die Dienstleister DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS zusammengetan und von einem gemeinsamen Mikro-Depot aus Pakete per E-Bike zugestellt. Für te Heesen war das eher eine „Werbeidee“, die unterm Strich wenig sinnvoll war. Nun gehe es darum zu sehen, wie sich das Lastenrad in „den echten Betrieb“ integrieren lasse.

Passiert ist das schon bei GLS in Düsseldorf. Zwei E-Bikes sind für das Unternehmen seit anderthalb Jahren in der City unterwegs. Doch auch das sieht te Heesen kritisch. „Sie werden zum Teil zum Verkehrshindernis. Und das ist dann nicht nachhaltig.“ So sieht er das ideale Einsatzgebiet seines E-Bikes etwa an den Kaianlagen und der Rheinachse, auch entlang der Promenade.

Die Räder von GLS sind rund um das City-Depot im Parkhaus von Karstadt an der Liesegangstraße unterwegs. Die Zustell-Leistung liegt laut Unternehmen bei durchschnittlich 150 Paketen pro Tag. Es hebt etwa die Flexibilität im Innenstadtverkehr hervor und den meist ganztägigen Zugang zu Fußgängerzonen. Zudem sei man generell im Stadtzentrum bei engen Straßen und hohem Verkehrsaufkommen mit E-Bikes wendiger unterwegs.

FORSCHUNGSPROJEKT

ZIEL Das Vorhaben soll anhand von Potenzialanalysen und Feldversuchen aufzeigen, wie Lastenräder in der Einzelhandelslogistik auf breiter Basis wirtschaftlich eingesetzt werden können. Das Projekt endet nach drei Jahren 2021.

Das formulierte Ziel des Unternehmens: „Die Innenstadt komplett emissionsfrei zu beliefern.“ Zwei neue E-Crafter von VW sind ein weiterer Schritt in diese Richtung. Weiter ist man da schon bei DHL. Das Unternehmen ist mit 40 E-Scootern, also Kleintransportern, vor allem in der City unterwegs. Bis Ende des Jahres sollen laut Sprecher Rainer Ernzer 20 weitere hinzukommen. Zudem sind 200 Diesel-Fahrzeuge des Unternehmens in Düsseldorf unterwegs. Auf Lastenräder wolle man allerdings nicht setzen. „Die Kapazitäten sind aus unserer Sicht zu gering, was viel Fahrerei zu Zwischendepots nach sich ziehen würde“, sagt Ernzer.

Anders sieht man das bei UPS, wo man in 30 deutschen Städten mit insgesamt 70 Lastenrädern oder auch nur zu Fuß mit der Sackkarre unterwegs ist. „Wir wollen Fahrzeuge einsparen, Stau und Emissionen sollen möglichst verhindert werden“, sagt Sprecher Holger Ostwald. Auch in Düsseldorf würde man gerne mit Lastenrädern ausliefern, jedoch finde man keinen geeigneten Standort in der Innenstadt für das notwendige Mikrodepot. Entweder es hapere an der Miete oder der Adresse. Immerhin ist auch UPS in der Innenstadt mit seinen 20 Fahrzeugen, hier sind es sogar 7,5-Tonner, mit Elektroantrieb unterwegs.

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