Festivalatmosphäre

An 29 Abenden flimmert es im Tal

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Das Open-Air-Filmfestival „Talflimmern“ findet auch in diesem Jahr wieder an der Alten Feuerwache an der Gathe in Elberfeld statt. Gestern war die Eröffnung. Das Festival endet am 31. August. (Archivfoto)

WUPPERTAL Das Freiluftkino in Wuppertal hat eröffnet. Zum Auftakt gab es „Frühstück bei Tiffany“.

Von Monika Werner-Staude

Der Vorverkauf für die Veranstaltungsreihe Talflimmern läuft auf Hochtouren. In diesem Jahr werden insgesamt 29 Filme gezeigt. Freitagabend heißt es zum 18. Mal „Wuppertal hat Lust auf Open Air Kino“.

„Und wir haben Lust auf euch“, sagte Mark Tykwer zum Auftakt des siebenwöchigen Freiluftkinospektakels „Talflimmern“. Er hat ein Programm für 29 unterhaltsame Abende zusammengestellt. Knapp 5000 Besucher fanden im vergangenen Sommer den Weg in den Innenhof der Alten Feuerwache an der Gathe. Kein Rekordwert, aber ein guter, und deutlich höher als 2017. Das Format erfreut sich einer wachsenden Fangemeinde, die es schätzt, weniger Blockbuster und mehr thematisch aktuelle Streifen zu sehen. Weniger Wohlfühlgeschichten, „die sich eh nur selbst zitieren und langweilen“, zu konsumieren und mehr Festivalatmosphäre zu erleben. Und deshalb wird weder „Der Vorname“, noch „Monsieur Claude Teil 2“ oder „A star is born“ gezeigt.

Festivalatmosphäre statt Wohlfühlgeschichten

„Talflimmern“ wird volljährig, und Tykwer setzt auf sein bisheriges wie bewährtes Konzept, das kleine Filme stark macht. Filme, die soziale Fragen, Themen wie Migration oder Populismus behandeln. Naturalistisches Kino finde er eh im Moment interessanter als fantastisches, sagt er.

Er suchte europäische Filme aus, die 50 Prozent des Programms stellen – hinzu kommen Filme aus den USA, Israel, Kolumbien, Kuba, Korea, dem Libanon. Als persönliche Favoriten nennt der Kurator „Burning“ von Lee Changdong, eine Mischung aus Mystery-Thriller, Gesellschaftsskizze und Psychogramm, und die zeitlose sozialkritische Parabel „Glücklich wie Lazzaro“ von Alice Rohrwacher, die die Geschichte des Landarbeiters Lazzaro erzählt, der eine Tabakplantage bewirtschaftet.

Er empfiehlt die Polit-Satire „Vice“ von Adam McKay, die die Biografie von George W. Bushs einflussreichem Vizepräsidenten Dick Cheney detailreich dekonstruiert und karikiert. Und er hebt Wolfgang Fischers beklemmendes Drama „Styx“ hervor, das die Notärztin Rike, die sich eine Auszeit genommen hat und über den Atlantik segelt, auf einen manövrierunfähigen Fischkutter mit Hunderten von Flüchtlingen treffen lässt.

TALFLIMMERN

ORT „Talflimmern 2019“ findet im Innenhof der Alten Feuerwache, Gathe 6, statt. Das Programm begann gestern (21 Uhr) und endet am 31. August.

KARTEN Tickets gibt es bei den bekannten Vorverkaufsstellen, unter Tel. (02 02) 40 86 99 00 und im Netz:

talflimmern.de

wuppertal-live.de

Gleichwohl verzichtet Tykwer nicht ganz auf Publikumsmagnete. „Bohemian Rhapsody“ über Freddie Mercury und „Queen“, der allein in Deutschland fast 4 Millionen Menschen in die Kino lockte, zählt dazu, und „Green Book“, „Der Junge muss an die frische Luft“ über die Kindheit von Hape Kerkeling, für Tykwer ein gutes Beispiel für gutes volkstümliches Kino, und natürlich „Frühstück bei Tiffany“ mit Audrey Hepburn, das das Festival samt besonderem Programm am Freitag eröffnen wird.

Der Nahost-Thriller „Die Agentin“ mit Diane Kruger und „Nurejew – the white crow“ werden dieses Jahr als Previews gezeigt. Der Film über den sowjetischen Tänzer, der nach einem Gastspiel in Frankreich nicht zurückkehrte, ist einer von mehreren Tanzfilmen, für die Tykwer den Ver- ein Tanzrauschen mit ins Boot geholt hat. Den diesjährigen Benefiz-Abend für die Alte Feuerwache bestreitet Björn Krüger mit einer inklusiven Band, bevor Tom Schilling in der Rolle eines querschnittgelähmten Managers in „Die Goldfische“ zu sehen ist.

Aus der Reihe fällt die Multivisionsshow „An den Rändern des Horizonts“ über Menschen, die abseits der modernen Welt leben. Naturfotograf Markus Mauthe präsentiert seine Kooperation mit Greenpeace persönlich in Wuppertal. Auch der 28-jährige Hamburger Anselm Nathanael Pahnke ist dabei, wenn seine berührende Reisedokumentation „Anderswo – allein in Afrika“ läuft, die aus Filmmaterial entstand, das er bei seiner 150 000 Kilometer langen Fahrradtour durch den Kontinent drehte. Tykwer: „Wir freuen uns sehr, dass er zum Gespräch, auch mit dem Publikum, kommt, weil er den Kontinent von innen erschließt.“

Ende August gastiert dann an zwei Abenden die Ocean Film Tour 2019, ein Riesenspektakel und ein „zirzensischer Abschluss“ des Open-Air-Kinos. Tykwer: „Es kann losgehen.“

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